Wildtierstationen in Sachsen überfordert: Hitzewelle treibt Mauersegler-Junge aus den Nestern
Über 500 Meldungen über gestürzte Mauersegler-Junge gingen während einer viertägigen Juni-Hitzewelle bei der Leipziger Wildvogelhilfe ein, doch nur 76 Vögel konnten aufgenommen werden. Die ehrenamtlich betriebenen Stationen in Sachsen sehen sich am Limit.
Eine Hitzewelle Ende Juni mit Temperaturen um die 40 Grad Celsius führte dazu, dass Hunderte junge Mauersegler in Sachsen ihre überhitzten Nester verließen, zu Boden fielen und das ehrenamtliche Wildtierrettungsnetzwerk der Region überforderten.
Leipzig von gestürzten Küken überflutet
Während der viertägigen Hitzewelle gingen bei der Wildvogelhilfe Leipzig mehr als 500 Meldungen über gefundene Mauersegler-Junge ein, sagte deren Leiter Karsten Peterlein. Nur 76 dieser Vögel konnten aufgenommen werden. Der Rest musste abgewiesen werden.
Die anderen mussten wir abweisen, es ist eine Katastrophe.
Peterlein nannte Zeitmangel, Personalknappheit und fehlende Finanzen als Gründe. Seine Station hat nun einen Aufnahmestopp verhängt.
- Meldungen
- 500 Vögel
- Aufgenommen
- 76 Vögel
Eine einzige Station für eine ganze Region
In Bad Elster betreibt Corinna Heinrich die einzige verbliebene Auffangstation für Kleinsäuger in weiten Teilen Südwestsachsens und bis ins bayerische Oberfranken. Seit der Hitzewelle steht ihr Telefon nicht mehr still. Sie nahm in den letzten Tagen rund 50 Mauersegler-Junge auf, zusätzlich zu den Igeln, Fledermäusen und anderen Tieren, die bereits in ihrer Obhut sind.
Wenn ich aufhören würde, würde ich ständig daran denken, was mit den Tieren passiert.
Jeder Mauersegler muss alle paar Stunden von Hand gefüttert werden. Ein einzelner Vogel koste etwa 50 Euro an Futter, um ihn aufzuziehen, so Heinrich. Tierarzt- und Futterkosten könne sie nicht allein stemmen, und Spenden seien dringend nötig.
Keine staatliche Förderung, Ehrenamtliche am Limit
Die meisten Wildtierpflegestationen in Sachsen erhalten keine dauerhafte staatliche Unterstützung, so René Sievert vom Naturschutzbund (Nabu). Die Stationen werden privat betrieben und fast ausschließlich durch Spenden finanziert. Viele Betreiber jonglieren die Tierpflege mit Beruf und Familie.
Menschen, die Wildtiere finden, sind oft verzweifelt. Sie telefonieren lange und finden trotzdem niemanden, der ihnen helfen kann.
Außerhalb der Dienstzeiten seien Behörden aus Jagd, Forst oder Naturschutz oft nicht erreichbar, ergänzte Sievert, sodass Finder auf ehrenamtliche Stationen angewiesen seien, deren Kapazitäten sehr begrenzt seien. Die emotionale Belastung sei hoch, und selbst erfahrene Betreiber steigen gelegentlich aus. Tobias Rietzsch von der Wildtierstation Rödlitz im Landkreis Zwickau kann derzeit aus gesundheitlichen Gründen keine Tiere aufnehmen.
Eine bundesweite Notlage
Heinrich und Peterlein berichten beide, dass Wildtierstationen in ganz Deutschland voll oder kurz vor einem Aufnahmestopp stünden. „Immer mehr geben auf“, sagte Heinrich. Der Nabu hat kürzlich eine bundesweite Wildtier-SOS-App gestartet, die Findern helfen soll, einzuschätzen, ob ein Tier Hilfe braucht, und sie an die richtigen Ansprechpartner zu verweisen.


