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Hitzewelle erfasst Deutschland: Experten warnen vor schweren Gesundheitsrisiken für gefährdete Gruppen

Bei über mehrere Tage auf über 30 Grad Celsius steigenden Temperaturen weisen Ärzte und Forscher auf die Gefahren besonders für ältere Menschen, Kinder und chronisch Kranke hin.

Der stille Killer

Hitze wird oft als „stiller Killer“ bezeichnet, da ihre Todeszahlen selten direkt in der Statistik auftauchen. Stattdessen modellieren Institutionen wie das Robert Koch-Institut die Übersterblichkeit während Hitzewellen. Das RKI schätzt, dass im vergangenen Jahr rund 2.500 Menschen an Hitze starben. In heißeren Sommern als 2025 war diese Zahl um ein Vielfaches höher. Nur ein kleiner Teil dieser Todesfälle wird auf nachgewiesene Hitzschläge zurückgeführt; die häufigsten registrierten hitzebedingten Todesursachen sind Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen, erklärt Veronika Huber vom Spanischen Nationalen Forschungsrat in Sevilla.

Nur ein kleiner Teil dieser Todesfälle wird auf nachgewiesene Hitzschläge zurückgeführt. Die häufigsten registrierten hitzebedingten Todesursachen sind Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen.

Wie Hitze den Körper belastet

Steigt das Quecksilber, arbeitet der Körper hart daran, seine Kerntemperatur von rund 37 Grad Celsius zu halten. Blutgefäße weiten sich, der Blutdruck sinkt, und das Herz muss schneller und kräftiger pumpen. Dies erhöht das Risiko für Herzinfarkte, Herzrhythmusstörungen und Herzversagen bei Menschen mit Vorerkrankungen. Schwitzen kann zu Dehydrierung führen, was Kreislaufkollaps oder Thrombosen auslösen kann. Alexandra Schneider, Epidemiologin am Helmholtz Zentrum München, betont, dass Hitze eines der bedeutendsten umweltbezogenen Gesundheitsrisiken in Deutschland und weltweit ist.

Insgesamt ist Hitze inzwischen neben Luftschadstoffen eines der wichtigsten umweltbezogenen Gesundheitsrisiken in Deutschland und weltweit.

Wer am stärksten gefährdet ist

Ältere Menschen sind besonders anfällig, da ihre Hitzanpassung und ihr Durstgefühl oft beeinträchtigt sind. Personen mit chronischen Erkrankungen des Herzens, der Nieren, der Lunge, Diabetes oder neurologischen Erkrankungen wie Demenz sind erhöhten Gefahren ausgesetzt. Babys und Kleinkinder sind aufgrund ihres sich entwickelnden Körpers, mehr Zeit im Freien und einer höheren Atemfrequenz ebenfalls gefährdet, erklärt Marie Standl vom Helmholtz Zentrum München. Schwangere Frauen erleben eine zusätzliche Belastung, da Hitze die Durchblutung der Gebärmutter verändern und den Schwangerschaftsverlauf beeinflussen kann, sagt Petra Arck vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Kinder sind gefährdet, weil sich ihr Körper noch entwickelt, sie mehr Zeit im Freien verbringen, relativ körperlich aktiver sind und eine höhere Atemfrequenz haben als Erwachsene.

Lebensumstände und andere Faktoren

Der Altersforscher Kilian Rapp vom Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart weist darauf hin, dass einfache Maßnahmen wie das Aufsuchen eines kühleren Raumes oder vermehrtes Trinken für bettlägerige Menschen oder Menschen mit Demenz unmöglich sind. Alleinleben oder Leben in höheren Stockwerken erhöhen die Gefahr weiter. Rapp fügt hinzu, dass die beobachtete Übersterblichkeit während Hitzewellen fast ausschließlich auf ältere und gebrechliche Menschen zurückzuführen ist.

Bettlägerige oder an Demenz erkrankte Menschen sind zu solch elementaren Maßnahmen nicht mehr in der Lage.

Die Neurologin Ameli Breuer von der Berliner Charité warnt, dass sich viele Erkrankungen bei Hitze verschlimmern, darunter ein erhöhtes Risiko für Schlaganfälle, Migräne und eine Verschlechterung der Symptome bei Multipler Sklerose, Epilepsie und Demenz.

Berlin

4 Quellen

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