
Österreich eröffnet 20-Millionen-Euro-Polizeistation in Hitlers Geburtshaus, um Neonazi-Pilgerfahrten zu beenden
Das Gebäude in Braunau am Inn, in dem Adolf Hitler 1889 geboren wurde, wurde am Mittwoch nach einer 20-Millionen-Euro-Renovierung und jahrelangen Rechtsstreitigkeiten, um es zu einem Neonazi-Schrein zu machen, als Polizeistation eingeweiht.
Ein Gebäude mit dunkler Vergangenheit
Das dreistöckige Haus in der Salzburger Vorstadt 15 in Braunau am Inn, dessen Teile aus dem 17. Jahrhundert stammen, ist der Ort, an dem Adolf Hitler am 20. April 1889 geboren wurde. Seine Familie mietete eine Wohnung im Obergeschoss und verließ die Stadt, als er drei Jahre alt war. Während des Anschlusses Österreichs 1938 wurde das Anwesen kurzzeitig in ein dem Diktator gewidmetes Museum umgewandelt. Ein Gedenkstein aus dem KZ Mauthausen steht noch heute auf dem Gehweg davor, mit der Inschrift: „Für Frieden, Freiheit und Demokratie. Nie wieder Faschismus. Millionen Tote mahnen.“
Jahrzehntelange Rechtsstreitigkeiten
Ab 1972 mietete der österreichische Staat das Gebäude und nutzte es als Tagesstätte für Menschen mit Behinderungen, wobei er eine großzügige monatliche Miete an die Familie Pommer zahlte, die es seit 1912 besaß. Diese Regelung zerbrach 2011, als die Eigentümerin Gerlinde Pommer Renovierungen blockierte, die den barrierefreien Zugang ermöglichen sollten. Sie weigerte sich wiederholt, an die Regierung zu verkaufen, und das Anwesen stand jahrelang leer. 2016 verabschiedete das Parlament ein Gesetz zur Ermöglichung der Enteignung, und 2017 bestätigte das Höchstgericht die Beschlagnahme. Pommer erhielt 812.000 Euro Entschädigung und verlor später eine rechtliche Anfechtung, in der sie die Summe für zu niedrig hielt.
- Adolf Hitler wird in einer Mietwohnung in der Salzburger Vorstadt 15 in Braunau am Inn geboren
- Österreich wird von Nazi-Deutschland annektiert; das Gebäude wird kurzzeitig in ein Hitler-Museum umgewandelt
- Der österreichische Staat mietet das Gebäude und richtet dort eine Tagesstätte für Menschen mit Behinderungen ein
- Eigentümerin Gerlinde Pommer blockiert Barrierefreiheits-Renovierungen; die Wohlfahrtseinrichtung räumt die Räumlichkeiten
- Das Parlament verabschiedet ein Enteignungsgesetz; das Höchstgericht bestätigt die Beschlagnahme; Pommer erhält 812.000 Euro Entschädigung
- Die 20-Millionen-Euro-Renovierung beginnt unter der Leitung des österreichischen Architekturbüros Marte
- Die Polizeistation wird in Anwesenheit von Innenminister Gerhard Karner offiziell eingeweiht
Die Umwandlung
Eine Expertenkommission lehnte sowohl einen Abriss als auch ein Museum ab und empfahl stattdessen eine soziale, wohltätige oder behördliche Nutzung. Die Regierung entschied sich für eine Polizeistation in der Hoffnung, dass die alltägliche Funktion dem Ort seine Mystik nehmen würde. Die Renovierungsarbeiten durch die österreichische Firma Marte begannen 2023 und kosteten 20 Millionen Euro. Die ockerfarbene Fassade wurde durch eine schlichte weiße Außenhaut ersetzt, Rundbogenfenster wichen rechteckigen, und ein Polizeilogo hängt nun über dem Eingang. Sogar Bauschutt wurde an einem geheimen Ort entsorgt, um zu verhindern, dass er zu einem Nazi-Souvenir wird.
Eine Polizeistation für die Demokratie
Bei der Eröffnungszeremonie am Mittwoch, an der etwa 100 Menschen und eine Polizeikapelle teilnahmen, nannte Innenminister Gerhard Karner sie ein „neues Kapitel“.
Jetzt wird dieses Haus ein Ort der Demokratie, der Rechtsstaatlichkeit, der Sicherheit, der Freiheit und der Menschenwürde.
Er betonte, dass der Gedenkstein erhalten bleibe und dass „die Erinnerung nicht verschwinden wird“. Die Station wird rund 45 Beamte und die Bezirkspolizeikommandantur beherbergen, mit einer auf Drogenhandel spezialisierten Einheit. Bezirkskommandant Stefan Haslberger wies darauf hin, dass die Nähe der Stadt zur deutschen Grenze sie zu einer wichtigen Drogenschmuggelroute mache. Bürgermeister Johannes Waidbacher sagte, die Eröffnung zeige, „dass die Stadt Braunau sich ihrer Geschichte stellt, dass sie ihre Verantwortung wahrnimmt“, und äußerte die Hoffnung, dass sie den Bewohnern „ein wenig Gelassenheit“ bringen werde.
Politischer Hintergrund und Kritik
Die Einweihung erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die rechtsextreme FPÖ, die von ehemaligen Nazis gegründet wurde, in Meinungsumfragen führt. Eine Kronen-Zeitung-Umfrage vom Sonntag ergab einen FPÖ-Stimmenanteil von 38 Prozent, gegenüber knapp 29 Prozent bei der Nationalratswahl im September 2024. Österreich wird seit langem dafür kritisiert, dass es seine Rolle im Holocaust, bei dem 65.000 österreichische Juden ermordet und 130.000 ins Exil gezwungen wurden, nur langsam anerkennt.
- Nationalratswahl 2024
- 29 %
- Umfrage Juli 2026 (Kronen Zeitung)
- 38 %
Nicht alle begrüßten die Polizeistation. Robert Eiter vom Mauthausen Komitee Österreich sagte, die Botschaft sei „vergessen wir es so schnell wie möglich“ und prognostizierte, dass die Zahl der rechtsextremen Pilger nicht sinken werde. Jahrelang legten Skinheads an Hitlers Geburtstag Rosen und Kränze am Gebäude nieder, während Extremisten und betrunkene Feiernde für Fotos mit dem ausgestreckten Hitlergruß posierten. Anwohner nannten es oft das „Haus des Bösen“. Die Regierung besteht darauf, dass die Polizeipräsenz den Ort endgültig neutralisieren werde.


