Paternosteraufzüge in Hessen: Eingeschränkter Zugang und Wartungsprobleme
In Hessen sind noch einige wenige durchgehend umlaufende Paternosteraufzüge in Betrieb, die jedoch meist für die Öffentlichkeit gesperrt sind und aufwändig gewartet werden müssen.
Funktionierende Anlagen in Frankfurt
Das Bundesland Hessen verfügt noch über mehrere funktionierende Paternosteraufzüge in öffentlichen und Bildungseinrichtungen, allerdings sind nur sehr wenige für die allgemeine Öffentlichkeit zugänglich. In Frankfurt beherbergt das IG-Farben-Haus auf dem Campus Westend der Goethe-Universität insgesamt acht Paternosteraufzüge, von denen vier derzeit in Betrieb sind. Diese vier im Jahr 2000 modernisierten Aufzüge befinden sich im Bibliotheksbereich der Universität und können von Studierenden, Lehrkräften und der Öffentlichkeit frei genutzt werden. Paternoster funktionieren über eine Kette von offenen, türlosen Kabinen, die sich langsam in einer vertikalen Schleife bewegen, was von den Fahrgästen erfordert, während der Fahrt ein- und auszusteigen. Anderswo in Frankfurt betreibt das Oberlandesgericht einen einzigen Paternosteraufzug in einem internen Treppenhaus. Dieses Gerät kehrte in der Woche vor dem 23. August 2026 nach einer vorübergehenden Stilllegung für mechanische Reparaturen in den regulären Betrieb zurück, seine Nutzung ist jedoch streng auf Gerichtsmitarbeiter und -beamte beschränkt.
Zugangsregeln in Wiesbaden und Kassel
In Wiesbaden beherbergt die Zentrale des Statistischen Bundesamtes zwei historische Paternosteraufzüge. Beide Wiesbadener Aufzüge sind derzeit außer Betrieb, während zertifizierte Fachfirmen die erforderliche technische Wartung und Komponentenreparaturen durchführen. Sobald sie wieder betriebsbereit sind, bleiben die beiden Aufzüge den Mitarbeitern des Statistischen Bundesamtes vorbehalten, eine öffentliche Nutzung ist untersagt. Weiter nördlich bewahrt die Stadt Kassel ein weiteres funktionierendes Exemplar im Verwaltungsgebäude Rathaus 2. Der Kasseler Paternoster, Baujahr 1957, verfügt über 22 Fahrgastkabinen, arbeitet über eine vertikale Förderhöhe von 38,30 Metern und nutzt eine Gleitführungsmechanik. Obwohl die Anlage von 1957 noch voll funktionsfähig ist, erlaubt die Gemeinde aufgrund von Arbeitsschutzbestimmungen und brandschutztechnischen Auflagen keinen täglichen Personenverkehr mehr. Stattdessen wird der Paternoster nur noch bei besonderen städtischen Veranstaltungen unter direkter Aufsicht einer eingewiesenen Bedienperson in Bewegung gesetzt.
- Goethe-Universität Frankfurt am Main
- 8 Aufzüge
- Statistisches Bundesamt Wiesbaden
- 2 Aufzüge
- Oberlandesgericht Frankfurt
- 1 Aufzüge
- Rathaus 2 Kassel
- 1 Aufzüge
Wartungsprobleme und verschwindende Ersatzteile
Das hohe Alter der erhaltenen Aufzüge macht die langfristige Erhaltung und technische Wartung für die Gebäudebetreiber in Hessen zu einer anspruchsvollen Aufgabe. Da die Systeme vor Jahrzehnten hergestellt wurden und äußerst selten geworden sind, werden Standard-Ersatzteile von den Lieferanten nicht mehr bevorratet und müssen eigens angefertigt oder beschafft werden.
Aufgrund ihrer Seltenheit und des Baujahres werden Ersatzteile nicht mehr auf Lager gehalten, sondern müssen mit großem Aufwand beschafft werden.
Neben der Teileverknappung sehen sich die Betreiber mit einem Fehlen standardisierter technischer Vorschriften und zertifizierter Berufsausbildungsprogramme für historische Umlaufaufzüge konfrontiert.
Für historische Paternoster gibt es keine Normen mehr, keine Standardreparaturen und keine speziell dafür ausgebildeten Fachkräfte.
Während die ursprünglichen mechanischen Systeme weiterhin zuverlässig funktionieren, ist die routinemäßige Wartung stark auf betriebseigene Techniker angewiesen, die die Maschinerie selbstständig studiert und sich daran angepasst haben. Wenn komplexe Reparaturen oder umfangreiche mechanische Überholungen anstehen, müssen öffentliche Einrichtungen die wenigen verbliebenen spezialisierten Ingenieurbüros suchen, die in der Lage sind, historische Aufzugstechnik zu warten.


