
Europas Hera-Sonde steuert auf Asteroiden-Einschlagstelle zu – Wissenschaftler wägen Ablenkungsrisiken vor dem Asteroid Day ab
Die Hera-Raumsonde der Europäischen Weltraumorganisation steuert auf eine Ankunft im November am Asteroiden Dimorphos zu, wo sie die Folgen des gezielten NASA-Einschlags von 2022 untersuchen und Daten für künftige Strategien zur Planetenverteidigung sammeln wird.
Die Hera-Mission und ihr Ziel
Vor dem Internationalen Asteroid Day am 30. Juni nähert sich die Hera-Mission der Europäischen Weltraumorganisation dem Doppelasteroiden-System Didymos-Dimorphos. Die Sonde, die vom ESA-Zentrum in Darmstadt aus gesteuert wird, soll im November eintreffen. Sie folgt auf den Double Asteroid Redirection Test (DART) der NASA, der im September 2022 eine Sonde mit etwa 6,6 Kilometern pro Sekunde in Dimorphos einschlug.
Wir treten nun in eine neue Ära für die Menschheit ein, in der wir in der Lage sein könnten, uns vor einem Asteroideneinschlag zu schützen.
Der DART-Einschlag veränderte die Umlaufbahn von Dimorphos um den größeren Didymos messbar. Hera soll präzise Daten über Zusammensetzung, Dichte, Größe und Form des Asteroiden liefern und klären, was der Einschlag genau hinterlassen hat.
Was der Einschlag bewirkt haben könnte
Richard Moissl, ESA-Leitkoordinator für Asteroidenabwehr in Darmstadt, sagte, die Größe der Staubwolke aus dem DART-Einschlag sei überraschend gewesen. Das Aussehen des Kraters bleibt unklar.
Klassischerweise würde man erwarten, dass dort jetzt ein Krater ist. Es könnte aber auch so aussehen, als ob er angenagt worden wäre.
Detlef Koschny, Professor für Mond- und Planetenforschung an der Technischen Universität München, äußerte eine tiefergehende Sorge: Der Asteroid könnte sich vollständig verformt haben. Wenn bei einem Ablenkungsversuch zu viel Kraft aufgewendet wird, könnte ein Asteroid auseinanderbrechen, anstatt beiseite geschoben zu werden, wodurch Bruchstücke weiterhin auf Kollisionskurs mit der Erde blieben.
Wenn man einen Asteroiden ablenken will, ist das eine sehr kritische Angelegenheit.
Die Ramses-Mission und der Apophis-Vorbeiflug
Eine Folgemission namens Ramses (Rapid Apophis Mission for Space Safety) ist für 2029 geplant. Sie soll den etwa 400 Meter großen Asteroiden Apophis untersuchen, der am Freitag, dem 13. April 2029, in nur 32.000 Kilometern Entfernung an der Erde vorbeifliegen wird. Zum Vergleich: Der Mond ist durchschnittlich 384.400 Kilometer entfernt. Moissl bestätigte, dass alle Industrieaufträge für Ramses unterzeichnet wurden und wichtige Meilensteine erreicht sind.
Wir wollen sehen, wie er aussieht, bevor er von den Gezeitenkräften der Erde ordentlich durchgeschüttelt wird.
Koschny merkte an, dass Wissenschaftler während des nahen Vorbeiflugs Veränderungen auf Apophis beobachten wollen, wenn die Gravitationskräfte der Erde seine Oberfläche verändern könnten. Ein Einschlag ist für mindestens die nächsten 100 Jahre ausgeschlossen, und eine Ablenkung ist nicht geplant. Der Asteroid wird mit bloßem Auge sichtbar sein.
Zukünftige Herausforderungen bei der Entdeckung
Asteroiden, die sich aus Richtung der Sonne nähern, sind mit der derzeitigen Technologie nur schwer zu entdecken. Die ESA plant ein Infrarotteleskop, um diesen blinden Fleck zu beheben, allerdings befinden sich die Details noch in einem frühen Stadium. Die kombinierten Daten von DART, Hera und Ramses sollen ein verlässliches Handbuch für die Planetenverteidigung erstellen.
- Die NASA-Sonde DART schlägt mit 6,6 km/s in Dimorphos ein und verändert dessen Umlaufbahn.
- Die ESA-Sonde Hera erreicht Didymos-Dimorphos, um die Einschlagstelle zu untersuchen.
- Der Asteroid Apophis passiert die Erde in 32.000 km Entfernung; die Ramses-Mission beobachtet den Vorbeiflug.


