
Satiriker und Titanic-Mitbegründer Hans Traxler im Alter von 97 Jahren in Frankfurt gestorben
Der deutsche Karikaturist, Illustrator und Autor Hans Traxler starb am 24. August im Alter von 97 Jahren in Frankfurt am Main. Damit endete eine sieben Jahrzehnte umspannende Karriere, die mit Pardon und Titanic die moderne deutsche Satire prägte.
Frühes Leben und Nachkriegsanfänge
Der deutsche Karikaturist, Illustrator und Schriftsteller Hans Traxler starb am 24. August 2026 in Frankfurt am Main im Alter von 97 Jahren. Seine Familie gab seinen Tod am 26. August über das Caricatura Museum Frankfurt und die Stadt Frankfurt bekannt. Geboren am 21. Mai 1929 in Herrlich, Böhmen, als Sohn österreichischer Eltern, betrachtete Traxler die Bildergeschichten von Wilhelm Busch als sein wichtigstes frühes Vorbild. Mit 14 Jahren wurde er einem militärischen Vorbereitungslager zugeteilt, und 1944 trat er dem Nachrichtentrupp bei, um einen direkten Fronteinsatz zu vermeiden. Ende April 1945 floh Traxler über das Erzgebirge nach Sachsen, bevor er sich in Regensburg niederließ, wo sowohl seine Mutter als auch sein Vater in den Wirren des Krieges starben. In Regensburg studierte Traxler unter dem ehemaligen Direktor der Prager Akademie, Max Geyer, und verkaufte mit 17 Jahren seine erste Zeichnung an eine Münchner Illustrierte. 1951 zog er nach Frankfurt am Main, um an der Städelschule Malerei zu studieren.
Traxler reflektierte später über sein lebenslanges Engagement für das Zeichnen und seine frühe berufliche Laufbahn.
Ich habe eigentlich seit meinem 17. Lebensjahr als Karikaturist gearbeitet und immer davon gelebt. Ich hatte nie eine andere Einkommensquelle.
Gründung von Pardon und Titanic
1962 wurde Traxler Mitbegründer des Satiremagazins Pardon. In den 1960er Jahren schloss er sich mit Künstlern wie Robert Gernhardt, Chlodwig Poth und F.K. Waechter zur satirischen Gruppe der Neuen Frankfurter Schule zusammen. Meinungsverschiedenheiten mit dem Pardon-Verleger Hans A. Nikel veranlassten die Gruppe, das Magazin in den 1970er Jahren zu verlassen. 1979 gründete das Kollektiv mit dem Satiremagazin Titanic sein eigenes Blatt. Traxler schuf die bildliche Umsetzung des von F. W. Bernstein verfassten Reims der Gruppe und stellte die Mitglieder als fünf Elche dar. Die Elchzeichnung wurde zum Wahrzeichen des Caricatura Museum Frankfurt, das 2008 eine Bronzestatue des Tieres am Frankfurter Mainufer errichtete.
- Geboren in Herrlich, Böhmen
- Ankunft in Regensburg nach der Flucht vor dem Krieg; Studium der Zeichenkunst bei Max Geyer
- Umzug nach Frankfurt am Main zum Studium der Malerei an der Städelschule
- Mitbegründung des Satiremagazins Pardon
- Veröffentlichung der Parodie „Die Wahrheit über Hänsel und Gretel“ unter dem Pseudonym Georg Ossegg
- Mitbegründung des Satiremagazins Titanic mit Mitgliedern der Neuen Frankfurter Schule
- Veröffentlichung von „Birne – das Buch zum Kanzler“ mit dem Autor Peter Knorr
- Schaffung des ICH-Denkmals im Frankfurter Grüngürtel
- Einweihung der bronzenen Elchstatue durch das Caricatura Museum Frankfurt nach Traxlers Zeichnung
- Veröffentlichung seines letzten Buches
- Gestorben in Frankfurt am Main im Alter von 97 Jahren
Helmut-Kohl-Karikaturen und literarische Parodien
Traxler erlangte in ganz Westdeutschland große Bekanntheit durch seine politischen Karikaturen von Bundeskanzler Helmut Kohl. In Zusammenarbeit mit dem Satiriker Peter Knorr stellte Traxler Kohl als Birne dar und schuf damit ein prägendes Bild der deutschen politischen Kultur der 1980er Jahre. Zu ihren gemeinsamen Veröffentlichungen gehörten 1982 „Birne – das Buch zum Kanzler“, das Daumenkino „Birne zaubert“ und „Birnes letzte Abenteuer“. Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef bemerkte, dass Traxler eine ikonische Bildsprache für das kollektive Gedächtnis der Bundesrepublik geschaffen habe. Früher in seiner Karriere verfasste Traxler 1963 die Wissenschaftsparodie „Die Wahrheit über Hänsel und Gretel“ unter dem Pseudonym Georg Ossegg, in der er eine fiktive archäologische Ausgrabung des Lebkuchenhexenhauses im Spessart schilderte.
Bücher, Kunst im öffentlichen Raum und künstlerische Philosophie
Traxler schrieb und illustrierte im Laufe seiner Karriere mehr als 30 Bücher und schuf Illustrationen für Werke von Johann Wolfgang von Goethe, Heinrich Heine, William Shakespeare und Mark Twain. In den 1990er Jahren wurde sein Buch „Aus dem Leben der Gummibärchen“ der erste Band eines deutschen Cartoonisten, der in den Vereinigten Staaten veröffentlicht wurde. Er veröffentlichte auch die illustrierte Kindheitserinnerung „Mama, warum bin ich kein Huhn?“ und Kinderbücher wie „Paula die Leuchtgans“. 2005 entwarf Traxler das ICH-Denkmal im Frankfurter Grüngürtel nahe der Gerbermühle, das aus einem Sandsteinsockel mit der eingravierten Aufschrift ICH besteht und jedem Besucher ermöglicht, unter dem Konzept, dass jeder Mensch einzigartig ist, sein eigenes Denkmal zu werden. Traxler blieb bis in seine Neunziger produktiv und veröffentlichte 2024 ein neues Buch. Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig erklärte, dass Traxler zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der Comic-Kunst gehörte, deren Einfluss auch künftige Generationen inspirieren werde.
Über seine Herangehensweise an das Schreiben für Leser jeden Alters sprach Traxler über seine Philosophie.
Ich nehme das Kinderbuch genauso ernst wie ein Buch für Erwachsene.


