Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky geht nach mehr als 20 Jahren in den Ruhestand
Claus Kaminsky wird am 30. September 2026 nach mehr als zwei Jahrzehnten im Amt als Oberbürgermeister von Hanau zurücktreten und die Macht an Maximilian Bieri übergeben.
Der dienstälteste Oberbürgermeister bereitet sich auf den Ruhestand vor
Hanau Oberbürgermeister Claus Kaminsky wird am 30. September 2026 zurücktreten und damit mehr als zwei Jahrzehnte an der Spitze der hessischen Stadt beenden. Mit 66 Jahren ist das SPD-Mitglied der dienstälteste Oberbürgermeister im gesamten Bundesland Hessen. Am Samstag findet eine bürgerliche Abschiedsfeier statt, vor seinem formellen Ruhestand Ende des Monats. Kaminsky wird die Exekutivverantwortung an den 35-jährigen Maximilian Bieri übergeben, ebenfalls SPD-Mitglied, der als sein Nachfolger gewählt wurde.
Langeweile ist keine Option, aber eine Hängematte auch nicht.
Im Ruhestand möchte Kaminsky sich seiner Familie, dem Gärtnern, Kochen, Radfahren und dem Lesen historischer Biografien widmen. Er hat sich eine Dauerkarte für seinen Lieblingsfußballverein Eintracht Frankfurt gekauft und plant, mit einem 125er-Vespa-Roller nach Italien zu fahren. Im Hinblick auf den Bürgermeisterwechsel gab Kaminsky dem jüngeren Politiker Bieri eine einzige Leitlinie mit auf den Weg, als dieser sich auf die Amtsübernahme vorbereitet.
Bleib, wie du bist, und sei authentisch.
Umwandlung der Militärgarnison und Neugestaltung der Innenstadt
Kaminsky überwachte umfassende strukturelle Veränderungen in Hanau nach dem Abzug der US-Streitkräfte zu Beginn seiner Amtszeit. Hanau gehörte zuvor zu den größten amerikanischen Militärgarnisonsstädten in Europa und beherbergte 25.000 Soldaten und deren Angehörige. Der Abzug machte 340 Hektar Land innerhalb der Stadtgrenzen frei. Die Stadtverwaltung wandelte die ehemaligen Militärflächen in neue Wohn- und Gewerbegebiete um und machte Hanau zu einem anerkannten Modell für die Konversion von Militärstandorten.
Die Stadterneuerung konzentrierte sich auch direkt auf die Wiederbelebung der zentralen Einkaufsbereiche Hanaus angesichts des Einzelhandelsrückgangs. Die Stadt gestaltete den Freiheitsplatz, früher ein ausgedehnter Parkplatz, in eine aktive Bürgerzone um, die das Einkaufszentrum Forum Hanau und das Kulturforum mit der Stadtbibliothek beherbergt. Darüber hinaus entwickelte die Stadtverwaltung das ehemalige Kaufhof-Kaufhaus zur Einzelhandels- und Freizeitstätte Stadthof um.
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Unabhängigkeit vom Main-Kinzig-Kreis und Krisenführung
Kaminsky betrachtet den administrativen Austritt Hanaus aus dem Main-Kinzig-Kreis als seine wichtigste politische Errungenschaft. Lokal bekannt als „HUxit“ – nach dem Hanauer Kfz-Kennzeichen HU – trat die Trennung Anfang 2026 in Kraft. Diese Reform machte Hanau zur ersten kreisfreien Stadt in Hessen seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Trennung sollte der Stadt autonome Befugnisse in der Kommunalpolitik geben und ihre Sichtbarkeit in der Region Frankfurt-Rhein-Main erhöhen.
Der Oberbürgermeister führte die Stadt auch durch ihre schwierigste Krise während des rassistischen Anschlags vom 19. Februar 2020. Kaminsky bezeichnete das Ereignis als den schrecklichsten Tag, den Hanau in Friedenszeiten erlebt habe. Bei der Bewertung seiner Gesamtbilanz über mehr als zwanzig Jahre hinweg räumte Kaminsky gelegentliche Fehler ein, behauptete jedoch, dass kein grundlegender strategischer Fehler die Stadt in die falsche Richtung gelenkt habe.


