
Hamburg reißt einsturzgefährdetes Wohnhaus ab, Mieter verlieren Hab und Gut
Ein fünfstöckiges Wohnhaus in Hamburg-Altona wurde abgerissen, nachdem am 23. Juli massive Risse aufgetreten waren. Die Bewohner hatten 10 Minuten Zeit zur Evakuierung und verloren fast ihren gesamten Besitz.
Evakuierung und plötzlicher Verlust
Am 23. Juli 2026 bemerkten Bewohner eines fünfstöckigen Wohnhauses in der Holstenstraße 195/197 in Hamburg-Altona Risse in den Wänden und alarmierten die Feuerwehr. Das 1894 erbaute Gebäude hatte massive Risse in tragenden Teilen entwickelt. Etwa zwei Wochen später ordneten die Behörden die sofortige Evakuierung an. Die Bewohner hatten etwa 10 Minuten Zeit zum Verlassen, ein Feuerwehrmann betrat das Treppenhaus und zählte die verbleibende Zeit herunter. Das Gebäude war zu instabil, um wieder betreten zu werden, sodass die Mieter fast ihren gesamten Besitz verloren. Auch die Nachbargebäude 191/193 und 199 wurden aus Sicherheitsgründen evakuiert. Eine Inspektion in der Vorwoche hatte ergeben, dass das Gebäude nicht mehr abgestützt werden konnte. Bewohner sagten, sie hätten den Eigentümer Monate zuvor auf die Schäden hingewiesen, und das Gebäude sei angeblich seit Jahren baufällig gewesen.
Abriss beginnt
Am Dienstag, den 11. August, begannen schwere Kräne und Bagger mit dem Abriss des hinteren Gebäudeteils. Drohnenaufnahmen zeigten, dass das oberste Stockwerk bereits entfernt war, und gaben den Blick auf ein offenes Wohnzimmer frei, in dem noch Stühle, Tische und Kleidung standen. Der Baggerfahrer, begleitet von der Polizei, war ein letztes Mal durch das Gebäude gegangen, um zu überprüfen, ob es leer war. Er füllte drei große Säcke mit Kinderkleidung und Spielzeug für die Kinder, die nicht mehr in ihre Zimmer zurückkehren konnten, und sagte dem NDR, dass dies für ihn keine normale Abrissbaustelle sei. Den Bewohnern war kurzzeitig erlaubt worden, sich der Hofseite zu nähern, um Habseligkeiten zu retten, aber dies wurde wegen zu großer Gefahr abgesagt. Ab Mittag durften die Bewohner den Schutt durchsuchen, sofern keine Sicherheitsgefahr bestand. Nur wenige kamen. Statiker untersuchten nach den Abrissarbeiten den vorderen Teil des Gebäudes, Ergebnisse wurden für den 12. August erwartet.
- Risse in den Wänden entdeckt; Feuerwehr alarmiert
- Bewohner innerhalb von 10 Minuten evakuiert; Nachbargebäude 191/193 und 199 ebenfalls geräumt
- Rund 300 Menschen versammeln sich solidarisch mit den Bewohnern, laut Polizei
- Abriss des Hinterhauses beginnt; Mieter dürfen ab Mittag Schutt durchsuchen
- Statikerprüfung des Vorderhauses erwartet
Leid der Bewohner
Die Bewohner schilderten die Panik bei der Evakuierung und den Verlust unersetzlicher Gegenstände. Clara Thompson erinnerte sich, ihren eigenen Kühlschrank im Schutt neben Kindersachen gesehen zu haben.
Wenn Sie Ihren eigenen Kühlschrank auf sich zukommen sehen, und dann vielleicht Kindersachen, Erinnerungen, das kann man sich nicht vorstellen.
Felix Maus schnappte sich im Hochsommer vier Winterjacken und seinen Personalausweis, ließ aber seine Geburtsurkunde und Erinnerungsstücke an seinen verstorbenen Vater zurück. Richard von der Schulenburg hoffte auf eine Genehmigung, die Schuttcontainer durchsuchen zu dürfen. Der Bezirk Altona hofft, dass das Hinterhaus wieder aufgebaut werden kann und die Bewohner irgendwann zurückkehren können, auch wenn bis dahin mindestens zwei Jahre vergehen dürften.
Forderungen nach Verantwortung
Der Anwalt Marc Meyer vom Mieterverein „Mieter helfen Mietern“ forderte, dass der Eigentümer, der über erhebliche finanzielle Mittel verfügen soll, innerhalb von sechs Monaten zum Wiederaufbau gezwungen wird.
Der Eigentümer, der bekanntermaßen über sehr starke finanzielle Kapazitäten verfügt, muss über behördliche Wege und mit harten Maßnahmen gezwungen werden, dass dieses Ding in sechs Monaten wieder steht, damit die Leute wieder einziehen können.
Der Mieterverein zu Hamburg forderte schnellen, unbürokratischen Ersatzwohnraum und drängte darauf, den Eigentümer zur Rechenschaft zu ziehen. Der Verein schlug außerdem einen „Wohnraum-TÜV“ vor, eine verpflichtende Wohnungsinspektion, die den Nachweis eines guten Gebäudezustands erfordert. Am Montagnachmittag, dem 10. August, versammelten sich laut Polizeiangaben rund 300 Menschen solidarisch vor dem Gebäude. Zwei Fahrspuren der Holstenstraße bleiben für die laufenden Arbeiten gesperrt, der Verkehr wird auch von der nahegelegenen Stresemannstraße umgeleitet.


