
Hamburg sagt zum zweiten Mal ‚Nein‘ zu Olympia – das verändert das deutsche Wettrennen um 2036–2044
In einem verbindlichen Referendum lehnten 54,9 % der Hamburger Wähler eine Bewerbung für die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 ab – eine Wiederholung ihrer Entscheidung von 2015 und ein Schlag für die nationalen Olympiaambitionen.
Hamburg hat sich endgültig aus dem Rennen um die Ausrichtung künftiger Olympischer Sommerspiele verabschiedet: 54,9 % der Wähler sprachen sich in einem stadtweiten Referendum gegen eine Bewerbung aus. Das am Sonntagabend verkündete Ergebnis markiert das zweite Mal innerhalb von elf Jahren, dass die Bewohner der Hansestadt die Perspektive einer Ausrichtung der Spiele ablehnten – nach einem ähnlichen Votum gegen eine Bewerbung für 2024 im Jahr 2015. Die Wahlbeteiligung lag bei 49,5 %, rund 1,3 Millionen Einwohner ab 16 Jahren waren stimmberechtigt. Besonders bemerkenswert: Nicht ein einziger der sieben Hamburger Bezirke verzeichnete eine Mehrheit für die Bewerbung.
Unmittelbare politische Folgen
Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) nahm das verbindliche Ergebnis umgehend zur Kenntnis und erklärte, er habe den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und den deutschen Vertreter des IOC darüber informiert, dass die Stadt ihre Bewerbung zurückziehe.
Tschentscher kündigte an, die großen Infrastrukturprojekte ohne den Schwung einer Olympiabewerbung voranzutreiben. Seine Stellvertreterin Katharina Fegebank (Grüne) nannte das Ergebnis eine „bittere Enttäuschung und eine vertane Chance für unsere Stadt."Die Ablehnung der Bewerbung ist für den Senat bindend. Ich bedauere die Entscheidung, aber ich habe soeben den Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes darüber informiert, dass Hamburg seine Bewerbung um die Olympischen und Paralympischen Spiele nicht aufrechterhalten wird.
Opposition feiert und fordert Konsequenzen
Die Linksfraktion feierte das Ergebnis als Sieg gegen eine teure Pro-Olympia-Kampagne. Die Co-Vorsitzende Heike Sudmann bezeichnete die Bemühungen des Senats als „arroganten und unfairen Wahlkampf“, der die Stadt mit „moralischer Erpressung und Drohungen“ gespalten habe.
Sie forderte, dass der Erste Bürgermeister und alle Senatoren Konsequenzen ziehen und ihre Politik hinterfragen müssten. Die rechtsextreme AfD-Fraktion nutzte den Augenblick, um Tschentschers Rücktritt zu fordern – Fraktionschef Dirk Nockemann argumentierte, der Bürgermeister habe die Stimmung in der Bevölkerung falsch eingeschätzt.Das ist ein starkes Ergebnis und eine gute Entscheidung für die ganze Stadt. Die Hamburger haben sich nicht vom Senat und seiner gigantischen Olympia-Propagandaschlacht blenden lassen.
Wirtschaft beklagt verpasste Chance
Die Hamburger Wirtschaftsverbände zeigten sich tief enttäuscht. Norbert Aust, Präsident der Handelskammer Hamburg, argumentierte, die Spiele hätte große Chancen für internationale Sichtbarkeit, wirtschaftliche Entwicklung und Infrastruktur geboten.
Hjalmar Stemmann, Präsident der Handwerkskammer Hamburg, sagte, die Stadt habe eine Chance vertan, „über sich hinauszuwachsen."Ein positives Votum wäre ein wichtiges Signal gewesen, dass wir in Hamburg ambitioniert sind und uns zutrauen, Großes zu leisten – weit über den Sport hinaus.
Nationale Bewerberlandschaft verändert sich
Hamburgs Ausscheiden lässt nur drei Bewerber im nationalen Wettbewerb übrig: München, das Rhein-Ruhr-Gebiet (mit Schwerpunkt Köln) und Berlin. München und Rhein-Ruhr hatten zuvor in eigenen Referenden jeweils etwa 66 % Zustimmung erhalten. Berlin hält aus verfassungsrechtlichen Gründen keine öffentliche Abstimmung ab – eine Entscheidung, die nun verstärkt unter die Lupe genommen wird. Der DOSB will am 26. September den deutschen Kandidaten küren, wobei ein Bewertungsraster verwendet wird, das Bürgerbeteiligung gewichtet. DOSB-Vertreter zeigten sich frustriert und wiesen darauf hin, dass das Hamburger Ergebnis eine Serie von 19 positiven lokalen Referenden gebrochen habe. Der Ausgang wird weithin als Warnsignal für Berlins Ambitionen und als möglicher Aufschwung für die NOlympia-Bewegung gewertet, die bereits auf ein Volksbegehren in der Hauptstadt drängt.
Deutlichere Ablehnung als 2015
Im Vergleich zum Referendum von 2015, als 51,6 % gegen eine Bewerbung für 2024 stimmten, stellt das ‚Nein‘ vom Sonntag mit 54,9 % eine Verhärtung der Opposition dar. NOlympia-Sprecher Eckart Maudrich interpretierte das Ergebnis als Votum für „Fairplay und Mannschaftsgeist in den Regeln der Olympischen Spiele“ und kritisierte, dass die Versprechen des Senats und sein Finanzkonzept – das Milliarden für Sicherheit und Stadionkosten aussparte – an Glaubwürdigkeit mangelten.
Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit nannte das Referendum trotz ihrer persönlichen Unterstützung für die Bewerbung einen demokratischen Gewinn – ohne es hätte das Parlament vermutlich für eine Bewerbung gestimmt und zehn Jahre lang gegen den Willen der Mehrheit regiert.Dieses Ergebnis zeigt: Die Hamburger lieben ihre Stadt und lassen sich von einer millionenschweren Werbekampagne nicht hinters Licht führen.
- 2015 – Dagegen
- 51.6 %
- 2015 – Dafür
- 48.4 %
- 2026 – Dagegen
- 54.9 %
- 2026 – Dafür
- 45.1 %
- Hamburg stimmt gegen Olympiabewerbung 2024 (51,6 % Nein).
- Hamburg stimmt gegen Bewerbung 2036–2044 (54,9 % Nein), zieht sich aus nationalem Rennen zurück.
- DOSB wählt deutschen Kandidaten aus München, Rhein-Ruhr und Berlin aus.


