
Israel tötet neu ernannten Militärchef der Hamas bei Luftangriff in Gaza – 11 Tage nach Eliminierung seines Vorgängers
Mohammed Odeh, der kürzlich ernannte Chef des bewaffneten Arms der Hamas, wurde bei einem israelischen Luftangriff auf Gaza-Stadt getötet. Es ist der vierte Kommandeur des militärischen Flügels der Gruppe, der seit den Anschlägen vom 7. Oktober eliminiert wurde.
Der Angriff und seine unmittelbaren Folgen
Israelische Streitkräfte töteten Mohammed Odeh, den neu ernannten Chef des militärischen Flügels der Hamas, am Dienstag bei einem Luftangriff auf Gaza-Stadt. Der Angriff galt mehreren Gebäuden im Herzen der Stadt, die ihm als Versteck dienten, nach monatelanger Geheimdienstüberwachung zur Verfolgung seiner Bewegungen und der seiner Helfer. Die Gesundheitsbehörden in Gaza berichteten, dass bei dem Angriff sechs Menschen getötet und mehr als 20 verletzt wurden. Dabei wurden die oberen Stockwerke eines Apartmentgebäudes im Viertel Rimal zerstört. Rettungskräfte suchten weiterhin am Ort des Geschehens nach weiteren Opfern.
Wir haben versprochen, jeden zu eliminieren, der das Massaker vom 7. Oktober angeführt hat. Wir werden es tun. Sie sind alle dem Tod geweiht, wo immer sie sind.
Ein Verwandter Odehs bestätigte dessen Tod, und eine Familienmitteilung gab an, dass er zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn getötet wurde. Die Hamas bestätigte später offiziell seinen Tod, rief die Bevölkerung zur Teilnahme an der Beerdigung in Gaza-Stadt auf und erklärte, Odeh sei „zu den höchsten Rängen des Dschihad und des Opfers aufgestiegen“.
Wer war Mohammed Odeh?
Odeh hatte lange als Chef des Geheimdienstes des militärischen Flügels der Hamas, der Ezzedine al-Qassam-Brigaden, gedient. Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu erklärte, Odeh habe zum Zeitpunkt des grenzüberschreitenden Angriffs am 7. Oktober 2023 die Geheimdienstabteilung der Hamas geleitet und sei vor etwa einer Woche ernannt worden, um Izz al-Din al-Haddad zu ersetzen, der am 15. Mai von Israel getötet wurde. Die Hamas gab Odehs Ernennung nie offiziell bekannt, doch Quellen, die der Gruppe nahestehen, räumten ein, dass er als wahrscheinlichster Nachfolger Haddads angesehen wurde und möglicherweise das letzte noch lebende Mitglied des höheren Führungsrates des bewaffneten Flügels war.
Odeh war einer der Hauptarchitekten des Massakers vom 7. Oktober.
Das israelische Militär und der Inlandsgeheimdienst Schin Bet beschrieben Odeh als verantwortlich für die Planung und Zielauswahl während der Anschläge vom 7. Oktober sowie für die Leitung zahlreicher terroristischer Anschläge während des anschließenden Krieges. Er wurde im Flüchtlingslager Dschabalia geboren und war seit der Gründung der Hamas in den späten 1980er Jahren in ihren Reihen.
Ein Muster gezielter Tötungen
Odeh ist der vierte Führer des militärischen Flügels der Hamas, der seit dem 7. Oktober 2023 getötet wurde. Zu seinen Vorgängern gehören Yahya Sinwar (getötet im Oktober 2024), Mohamed Sinwar (getötet im Mai 2025) und Izz al-Din al-Haddad (getötet am 15. Mai 2026). Israels Verteidigungsminister Israel Katz feierte die Operation und gratulierte der IDF und dem Schin Bet zur „brillanten Ausführung“ des Angriffs. Von den 16 hochrangigen Hamas-Militärkommandeuren, die von Israel für die Infiltration am 7. Oktober verantwortlich gemacht werden, soll nur noch einer – Imad Aqel – am Leben sein.
- Mohammed Deif, Chef der Ezzedine al-Qassam-Brigaden, bei einem israelischen Luftangriff getötet.
- Yahya Sinwar, Deifs Nachfolger, von israelischen Streitkräften getötet.
- Mohamed Sinwar, der nächste Militärchef, von Israel getötet.
- Izz al-Din al-Haddad bei israelischem Luftangriff getötet; Mohammed Odeh als Nachfolger ernannt.
- Mohammed Odeh elf Tage nach seinem Vorgänger bei israelischem Luftangriff auf Gaza-Stadt getötet.
Waffenstillstand nur dem Namen nach
Trotz eines seit Oktober 2025 geltenden Waffenstillstandsabkommens kommt es in Gaza fast täglich zu Gewalt. Das Gesundheitsministerium von Gaza berichtete, dass seit Inkrafttreten der Waffenruhe am 10. Oktober 2025 mindestens 906 Menschen bei israelischen Angriffen getötet und 2.747 verletzt wurden. Die Gesamtzahl der Toten durch die israelische Offensive, die nach den Anschlägen vom 7. Oktober gestartet wurde, übersteigt nun 72.800 Palästinenser, bei über 172.800 Verletzten. Der Angriff vom 7. Oktober selbst tötete nach Angaben von AFP, die auf offiziellen israelischen Daten basieren, 1.221 Menschen auf israelischer Seite, die meisten davon Zivilisten.
Regionale Eskalation und Umsiedlungspläne
Stunden vor dem Angriff auf Odeh gab Israel bekannt, dass es seine Bodenoperationen im Libanon ausgeweitet habe, wo es seit dem Angriff auf den Iran zusammen mit den USA Ende Februar gegen Hisbollah-Milizen kämpft. Israel verstärkt auch seine militärischen Aktivitäten im Westjordanland. Israels Verteidigungsminister Katz erklärte, dass die Hamas keine zivile oder militärische Kontrolle mehr über Gaza ausüben werde und dass ein Plan für eine „freiwillige Auswanderung“ aus dem Gebiet „zum richtigen Zeitpunkt und auf die richtige Weise“ umgesetzt werde. Dieser von der israelischen extremen Rechten unterstützte und vom früheren US-Präsidenten Donald Trump teilweise befürwortete Plan wird von den Vereinten Nationen als Versuch verurteilt, eine dauerhafte demografische Veränderung in Gaza zu erreichen.


