
Grüne stimmen umfassender Satzungsreform zu: alle 17 Vorschläge angenommen
In einer dreiwöchigen Online-Abstimmung unterstützten rund 35 Prozent der 184.000 Parteimitglieder Änderungen, darunter die Schaffung eines neuen Generalsekretärspostens, strengere Antragsvoraussetzungen und eine Lockerung der traditionellen Trennung von Amt und Mandat.
Überwältigender Auftrag für Reform
Die Mitglieder der deutschen Grünen stimmten mit deutlicher Mehrheit für alle 17 Änderungen ihrer Satzung, gab die Parteiführung am Mittwoch bekannt. Die Abstimmung, die online und per Brief durchgeführt wurde, lief drei Wochen und verzeichnete eine Beteiligung von knapp unter 35 Prozent der rund 184.000 stimmberechtigten Mitglieder. Ein Parteisprecher erklärte, dass 15 Änderungen eine Zweidrittelmehrheit erreichten, während die restlichen zwei mit einfacher Mehrheit verabschiedet wurden. Das Ergebnis ist eine starke Bestätigung für die Parteivorsitzenden Franziska Brantner und Felix Banaszak, die sich energisch für das Paket eingesetzt hatten.
Was sich ändert
Das sichtbarste Symbol der Reform ist die Schaffung eines Generalsekretärspostens, der die bisherige Rolle des politischen Geschäftsführers ersetzt. Pegah Edalatian, die derzeit die Position der politischen Geschäftsführerin innehat, sagte, ihre Aufgaben würden sich nicht ändern.
An meinen Aufgaben ändert sich nichts; es ist lediglich eine Namensänderung für die Funktion.
Hinter der Titeländerung verbirgt sich eine tiefgreifende Umstrukturierung, die darauf abzielt, die notorisch langen Parteitage der Grünen effizienter zu gestalten. Anträge von der Basis benötigen künftig die Unterstützung von 0,05 Prozent der Mitglieder (etwa 90 Unterzeichner, davon mindestens die Hälfte Frauen), bisher waren es 50 Unterschriften. Spontankandidaturen für den Bundesvorstand benötigen die Unterstützung von drei Kreisverbänden oder eines Landesvorstands oder die Unterstützung von 10 Prozent der Delegierten auf dem Bundesparteitag. Der Parteirat, ein beratendes Gremium, wird künftig vom Länderrat und nicht mehr vom gesamten Parteitag gewählt – ein Schritt, der die Basis faktisch ausschließt und das Gremium dem Präsidiumsmodell anderer großer Parteien annähert. Zudem wird die strikte Trennung von Amt und Mandat gelockert: Bis zur Hälfte des sechsköpfigen Bundesvorstands dürfen künftig auch Abgeordnete sein (bisher ein Drittel), allerdings mit einer Obergrenze von zwei Bundestagsabgeordneten.
Kritiker warnen vor Zentralisierung
Nicht alle sind zufrieden. Interne Kritiker argumentieren, dass die Änderungen die Macht in den Händen von Parteifunktionären konzentrieren und die basisdemokratischen Prinzipien untergraben, die seit der Gründung der Grünen zentral sind. „Solch weitreichende Entscheidungen sollten vom Bundesparteitag getroffen werden“, forderten Gegner laut einem Bericht der Wirtschafts Woche. Einige Mitglieder organisierten sich sogar über WhatsApp-Gruppen, um gegen die Änderungen zu mobilisieren, und es wurde ein letzter juristischer Einspruch eingelegt.
Führung kontert mit Pragmatismus
Brantner verteidigte die Reform und betonte, dass die alten Regeln aus einer Zeit stammten, als die Partei viel kleiner war und Entscheidungen langsamer getroffen werden konnten.
Die Reform, so argumentierte sie, werde letztlich die Basis und die kommunale Ebene stärken. Der frühere Kanzlerkandidat Robert Habeck richtete eine seltene Videobotschaft an die Parteibasis, in der er zur Zustimmung aufrief, und die Vorsitzenden erhielten lautstarke Unterstützung von der Bundesgeschäftsführerin Edalatian.Wir arbeiten immer noch auf der Grundlage von Regeln aus einer Zeit mit deutlich weniger Mitgliedern und viel langsameren Entscheidungsprozessen. Die heutige Zeit verlangt etwas anderes.
Juristische Hürde genommen
Ein Versuch, die Abstimmung per Gerichtsbeschluss zu stoppen, scheiterte. Das Berliner Landgericht lehnte den Erlass einer einstweiligen Verfügung ab und entschied, dass Gegner den Ausgang abwarten und ihn gegebenenfalls später anfechten könnten. Die Kläger, so ein Bericht des Handelsblatts, haben weitere rechtliche Schritte nicht ausgeschlossen.


