Berichte zu Zwangsverhütung in Grönland stellen Menschenrechtsverletzungen fest, sind sich bei Völkermord uneinig
Sachverständigenuntersuchungen kamen zu dem Schluss, dass Dänemarks Zwangsverhütungskampagne in Grönland gegen Menschenrechte verstoßen hat, was Nuuk dazu veranlasste, eine gemeinsame Versöhnungskommission zu planen.
Geteilte Erkenntnisse zum Völkermord-Vorwurf
Zwei Expertenberichte, die Dänemarks Zwangsverhütungskampagne in Grönland untersuchten, kamen am 28. August 2026 zu dem Schluss, dass die Politik gegen universelle Menschenrechte verstoßen hat, bestätigten jedoch keinen Völkermord. Das vierköpfige Rechts- und Psychologengremium, das von der Regierung in Nuuk im August 2024 eingesetzt wurde, zerbrach während seiner Untersuchung, was zu zwei getrennten Dokumenten führte, die rund sechs Monate zu spät vorgelegt wurden. Zwei Mitglieder traten zurück, um ihre eigene Bewertung vorzulegen, während die verbliebenen Experten Dalee Sambo Dorough und Miriam Cullen erklärten, sie könnten allein aufgrund von Verhütungspraktiken keinen Völkermord feststellen. Sie wiesen darauf hin, dass eine völkermörderische Absicht der dänischen Behörden eine mögliche Schlussfolgerung bleibe, die ein Gericht anhand breiterer historischer Beweise bewerten könne. Grönlands Justizministerin Marianne Paviasen bestätigte, dass die Regierung nicht erklären könne, ob Völkermord stattgefunden habe, und merkte an, dass die Debatte über die rechtliche Einordnung fortgesetzt werde.
Wir können nicht im Namen der Regierung sagen, ob es Völkermord gab. Das ist etwas, worüber wir weiter diskutieren können.
Ausmaß und medizinische Auswirkungen der Kampagne
Das Verhütungsprogramm begann in den 1960er Jahren mit dem Ziel, Geburtenraten und Familiengrößen zu senken, um soziale und gesundheitliche Bedingungen im Hoheitsgebiet zu bewältigen. Archivunterlagen zeigen, dass allein zwischen 1966 und 1970 unter der Leitung dänischer Ärzte 4.500 grönländische Frauen und Mädchen Intrauterinpessare erhielten. Eine gemeinsame dänisch-grönländische Untersuchung im Jahr 2025 dokumentierte, dass mindestens 4.000 Frauen und Mädchen zwischen 1966 und 1991 ohne ihre Einwilligung oder Kenntnis Spiralen oder Verhütungsspritzen erhielten. Die Eingriffe richteten sich an Mädchen im Alter von 12 und 13 Jahren und führten zu schweren körperlichen Verletzungen, darunter starke Blutungen, Narbenbildung an den Eileitern, Infektionen und Gebärmutterentfernungen. Die weit verbreitete Verabreichung der Geräte führte dazu, dass das Bevölkerungswachstum Grönlands in den folgenden Jahrzehnten deutlich zurückging, und viele Opfer waren dauerhaft nicht in der Lage, Kinder zu empfangen.
- Dänische Ärzte setzen 4.500 IUDs bei grönländischen Frauen und Mädchen ein.
- Über 4.000 Frauen erhalten Verhütungsmittel oder Injektionen ohne gültige Einwilligung.
- Grönland setzt ein vierköpfiges Expertengremium zur Bewertung der Menschenrechte und des Völkermords ein.
- Die dänische Premierministerin Mette Frederiksen entschuldigt sich für systematische Diskriminierung.
- Geteilte Expertenberichte stellen Rechtsverstöße fest; Grönland plant Versöhnungskommission.
Versöhnungskommission und dänische Reaktion
Der grönländische Premierminister Jens-Frederik Nielsen kündigte an, dass Nuuk eine Versöhnungskommission einrichten werde, um Fakten aufzudecken und einen gesellschaftlichen Heilungsprozess einzuleiten. Nielsen erklärte, die Initiative ziele darauf ab, einen kooperativen Rahmen mit Kopenhagen zu schaffen, anstatt sich ausschließlich auf die Zuweisung rechtlicher Schuld zu konzentrieren. Die dänische Premierministerin Mette Frederiksen begrüßte die Initiative und verpflichtete die dänische Regierung zur Zusammenarbeit mit Grönland bei der Bewältigung historischer Traumata. Frederiksen hatte im August 2025 eine offizielle Entschuldigung an die grönländischen Frauen und Familien ausgesprochen, die während des Programms von systematischer Diskriminierung betroffen waren. Dänemark erließ außerdem ein Entschädigungsgesetz, das 300.000 dänische Kronen (etwa 46.800 USD) für jede Frau vorsieht, die den unfreiwilligen Eingriffen ausgesetzt war.
Die Arbeit der Versöhnungskommission sollte nicht darin bestehen, Schuld zuzuweisen, sondern die Wahrheit ans Licht zu bringen mit dem Ziel einer echten Versöhnung, die die Zukunft schafft, die wir uns als Gesellschaft wünschen.
Politische Implikationen und Reaktionen der Opfer
Der frühere grönländische Premierminister Múte B. Egede hatte das Verhütungsprogramm im Jahr 2024 als Völkermord bezeichnet, was langjährige Beschwerden in dem 57.000 Einwohner zählenden Hoheitsgebiet widerspiegelt. Die Schlussfolgerungen lösten Kritik seitens der Opfer aus, die auf das Fehlen grönländischer Inuit-Spezialisten in dem Expertengremium hinwiesen. Die Betroffene Henriette Berthelsen erklärte, dass die Bewertung des Traumas durch externe Experten den Prozess beeinträchtigt habe, und argumentierte, dass die Untersuchung direkt die körperliche Autonomie der Inuit berührt habe. Die Ergebnisse kommen zu einer Zeit, in der der politische Status im Mittelpunkt der Beziehungen Grönlands zu Dänemark steht, zusammen mit den Bestrebungen nach einer eventuellen Unabhängigkeit. Die vorgeschlagene Versöhnungskommission wird nun Archivmaterial und Opferaussagen prüfen, während beide Regierungen sich mit Entschädigung und historischer Verantwortung auseinandersetzen.


