
Jedes dritte Restaurant in deutschen Großstädten löscht Google-Maps-Bewertungen, bundesweite Stichprobe zeigt
Eine bundesweite Stichprobe der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zeigt, dass bis zu einem von drei Gastronomiebetrieben in deutschen Großstädten Google-Maps-Bewertungen nach Beschwerden entfernt wurden, und rückt einen neuen Transparenzhinweis ins Licht, den Google Ende April eingeführt hat.
Googles neuer Hinweis
Seit Ende April 2026 zeigt Google Maps auf deutschen Unternehmensprofilen direkt unter der Bewertungszusammenfassung einen Hinweis an, wenn Bewertungen „aufgrund von Verleumdungsbeschwerden“ entfernt wurden. Das Label hat keinen Einfluss auf das Ranking oder die lokale Platzierung, teilt Google mit, sondern dient als Transparenzmaßnahme, die durch eine hohe Zahl von Verleumdungsklagen nach deutschem Recht veranlasst wurde. Verleumdung umfasst nach Googles Definition falsche Tatsachenbehauptungen und ungerechtfertigte Meinungsäußerungen; Unternehmen können auch argumentieren, dass der Bewerter nie Kunde war.
Wie verbreitet die Löschungen sind
Eine dpa-Stichprobe von mehr als 3.700 Restaurant- und Hotelprofilen in mehreren deutschen Städten ergab, dass der Anteil der Gastronomiebetriebe mit gelöschten Bewertungen zwischen 11 und 30 Prozent liegt. Eine separate hessische Analyse, die über 850 Online-Einträge umfasste, zeigte, dass rund 17 Prozent der Gastronomiebetriebe Bewertungen entfernt hatten, wobei einzelne Profile zwischen einer und mehr als 200 gelöschten Bewertungen aufwiesen.
- 1 bis 20 Bewertungen entfernt
- 50 %
- 21 bis 50 Bewertungen entfernt
- 20 %
- 100 bis 250 Bewertungen entfernt
- 30 %
Die geografische Kluft ist groß. In Berlin, Köln und Frankfurt trug etwa jedes dritte Profil einen Löschhinweis. München und Nürnberg zeigten etwa jedes vierte, während Leipzig und Hamburg im Schnitt etwa jedes fünfte aufwiesen. Die Quote sank auf 15 Prozent in Dresden und Magdeburg, auf etwa 9 Prozent in der Region Odenwald, auf 8 Prozent in Fulda und auf etwa 5 Prozent in Lutherstadt Wittenberg und Stendal. Gisbert Kern, Geschäftsführer von Dehoga Hessen, wies darauf hin, dass die höhere Häufigkeit in Ballungsräumen wahrscheinlich auf stärkeren Wettbewerb zurückzuführen sei.
- Berlin/Köln/Frankfurt
- 30 %
- München/Nürnberg
- 25 %
- Leipzig/Hamburg
- 20 %
- Dresden/Magdeburg
- 15 %
- Erfurt
- 13 %
- Wernigerode/Aschersleben
- 10 %
- Lutherstadt Wittenberg/Stendal
- 5 %
Warum Unternehmen löschen
Die meisten Unternehmen, die auf dpa-Anfragen antworteten, gaben an, sie meldeten nur Bewertungen, die sie für gefälscht, beleidigend oder nachweislich falsch hielten. Thomas Lerike, Marketingleiter des Hotel Palace Berlin, erklärte, das Hotel beantrage die Entfernung nur bei Spam, Bot-Aktivitäten, nachweislich unwahren Behauptungen oder Bewertungen, die nicht auf einem tatsächlichen Aufenthalt beruhen. Mehrere Restaurantbesitzer schilderten vereinzelte Versuche, sie mit Drohungen schlechter Bewertungen unter Druck zu setzen.
Wir melden Bewertungen nur zur Entfernung, wenn sie gegen Googles Richtlinien verstoßen: bei Spam, Bot- oder Fake-Bewertungen, nachweislich unwahren Behauptungen oder Bewertungen, die nicht auf einem tatsächlichen Aufenthalt beruhen.
Einige Unternehmen nennen strukturelle Gründe. Das Leipziger Restaurant Macis gab an, es habe eine große Anzahl negativer Bewertungen nach der Übernahme eines insolventen Vorgängers geerbt und diese löschen lassen. Geschäftsführerin Nancy Naumann-Hirt fügte hinzu, dass das Restaurant auch während der Corona-Pandemie negative Bewertungen erhalten habe, manchmal von Menschen, die mit staatlichen Auflagen unzufrieden waren, und nicht mit dem Gastronomieerlebnis.
Was die Branche sagt
Der Bundesgeschäftsführer von Dehoga, Jürgen Benad, begrüßte die neue Transparenz, warnte aber davor, eine Schuld zu unterstellen. Er argumentierte, dass faire Kritik auch dann online bleiben sollte, wenn sie unangenehm sei, während Fake-Bewertungen und Beleidigungen legitime Gründe für die Entfernung seien. Kern schloss sich dem an und merkte an, dass gelöschte Bewertungen oft solche seien, die gegen die Plattformregeln verstoßen oder von Personen stammen, die nie Gäste waren.
Online-Bewertungen sind ein wichtiger, oft entscheidender Teil des äußeren Erscheinungsbildes eines Unternehmens. Faire Kritik sollte bleiben, auch wenn sie für ein Unternehmen unangenehm ist.
Professor Steffen Kroschwald vom Institut für Konsumforschung und nachhaltigen Konsum der Hochschule Pforzheim sagte, Google-Bewertungen hätten ein erhebliches wirtschaftliches Gewicht. Die Sternebewertung sei oft das Erste, was Verbraucher sähen, und spiele eine entscheidende Rolle bei ihrer Wahl, was sich direkt auf Nachfrage und Beschäftigung auswirke.
Deutschlands Sonderrolle
Deutschland sticht in den europäischen Daten hervor. Laut einer EU-Transparenzdatenbank, die im Rahmen des Gesetzes über digitale Dienste (Digital Services Act) erstellt wurde, wurden in der ersten Jahreshälfte 2026 in ganz Europa mehr als 756.500 Google-Maps-Beiträge wegen illegaler Inhalte entfernt. Fast 99,9 Prozent dieser Löschungen betrafen Deutschland. Der Hinweis bestraft Unternehmen zwar nicht in den Suchergebnissen, aber die schiere Menge der deutschen Löschungen deutet auf eine einzigartig aktive Landschaft von Bewertungsprozessen und Verleumdungsbeschwerden hin.


