
Dreißig Jahre nach seiner Entdeckung bleibt der Keltenfürst vom Glauberg ein Rätsel – ein Museumsfest am 28. Juni feiert den Jahrestag
Am 24. Juni 1996 bargen Archäologen eine nahezu intakte 2.400 Jahre alte Sandsteinstatue eines keltischen Herrschers aus einem Grab in Hessen. Drei Jahrzehnte später verbirgt der Keltenfürst vom Glauberg noch immer seine Identität, während die Region ein festliches Jubiläum vorbereitet.
Eine zufällige Luftbeobachtung
Im Sommer 1988 flog der Heimatforscher Werner Erk mit einem Kleinflugzeug über die Wetterau, um ein Schulgebäude als Abschiedsgeschenk für einen Rektor zu fotografieren. Er beschloss, auch über den Glauberg zu fliegen, und aus der Luft bemerkte er ungewöhnliche Farbunterschiede in der Vegetation, die einen Halbkreis und Linien bildeten. Er drückte erneut auf den Auslöser, und diese Bilder, die an das Landesamt für Denkmalpflege geschickt wurden, sollten zu einer ‚Jahrhundertentdeckung‘ führen.
Und dann sagte ich, da wir jetzt hier oben sind, fliegen wir auch über den Glauberg.
Das Fürstengrab taucht auf
Fritz-Rudolf Herrmann, der damalige Landesarchäologe, beauftragte Ausgrabungen, die im Herbst 1994 ein keltisches Fürstengrab am Fuße des 276 Meter hohen Hügels freilegten. Die eigentliche Sensation kam am 24. Juni 1996, als die fast vollständig erhaltene, lebensgroße Sandsteinstatue geborgen wurde. Es fehlen nur die Füße; Archäologen nehmen an, dass sie einst auf einem Sockel stand. Die Grabbeigaben umfassten einen reich verzierten goldenen Halsring, Schmuck, ein Schwert und einen Schild – Attribute, die exakt mit der Statue übereinstimmen.
Die Sandsteinfigur zeigt Attribute, die identisch mit den Grabbeigaben des Bestatteten sind, darunter einen reich verzierten goldenen Halsring und weitere Schmuckstücke, ein Schwert und einen Schild.
Ein Gesicht für die mitteleuropäischen Kelten
Die 1,86 Meter hohe und rund 2.400 Jahre alte Statue gab den Kelten in Mitteleuropa ‚buchstäblich ein Gesicht‘, wie es in einer Publikation zum Jubiläum heißt. Zusammen mit Fragmenten von mindestens drei weiteren Statuen bewies der Fund, dass der Glauberg der nördlichste Fürstensitz der frühen Keltenzeit in Deutschland war und dass die Kelten das erste bekannte Volk mit einer eigenständigen Kultur waren, das sich in Hessen niederließ. Seit etwa 2011 wird die Statue in einem eigenen Museum, der Keltenwelt am Glauberg, ausgestellt.
- Werner Erks Luftaufnahmen zeigen Vegetationsmerkmale auf dem Glauberg.
- Landesarchäologe Fritz-Rudolf Herrmann ordnet Ausgrabungen an; ein Fürstengrab wird entdeckt.
- Die lebensgroße Sandsteinstatue des Keltenfürsten wird geborgen.
- Die Statue wird im neuen Museum Keltenwelt am Glauberg dauerhaft ausgestellt.
- 30-jähriges Jubiläumsfest mit Handwerksvorführungen und einer Repliken-Versteigerung.
Jubiläumsfest mit einem neuen Bronzefund
Das 30-jährige Jubiläum der Bergung der Statue wird am 28. Juni 2026 mit einem großen öffentlichen Fest im Museumsgarten gefeiert. Besucher können Vorführungen historischer Handwerkstechniken sehen, an praktischen Experimenten und kreativen Aktivitäten teilnehmen. Eine der schwarzen Keltenfürst-Repliken des Konzeptkünstlers Ottmar Hörl, von denen mehrere vor dem Museum stehen, wird bei der Veranstaltung versteigert. Ein neu entdecktes Objekt wird ebenfalls ausgestellt: ein massiver bronzener Armreif, etwa 2.700 Jahre alt, kürzlich von einer 12-jährigen Schülerin auf einer Wiese im Büdinger Landkreis gefunden. Laut Experten belegt er, dass der Glauberg bereits in der frühen Eisenzeit besiedelt war.


