Vier Palästinenser und zwei Israelis bei Zusammenstoß im Westjordanland getötet; israelische Armee durchsucht Krankenhaus in Nablus, Netanjahu befiehlt Truppenaufstockung
Ein Siedlereinfall in das Dorf Tell löste am 24. Juli 2026 ein Feuergefecht aus, bei dem vier Palästinenser und zwei Israelis getötet wurden. Israelische Streitkräfte stürmten daraufhin das Nablus Specialist Hospital, fesselten medizinisches Personal und blockierten Krankenwagen.
Der tödliche Zusammenstoß in Tell
Vier Palästinenser derselben Familie wurden getötet und mindestens drei weitere schwer verletzt, als israelische Siedler am Freitagmorgen in das Dorf Tell südwestlich von Nablus eindrangen. Die Toten waren Farouq Adnan Ali Ramadan, Ibrahim Hussein Ali Ramadan, Jawad Hussein Ali Ramadan und Imran Ahmad Ali Ramadan, die nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums durch israelisches Militärfeuer getötet wurden. Zwei Israelis starben ebenfalls: Benayahu Mellet, 32, ein Siedler und Mitglied des Sicherheitsteams der Siedlung Havat Gilad, und Major Yuval Ezra, 27, aus Herzliya.
Die israelische Armee erklärte, eine Gruppe von Zivilisten, die in der Nähe von Tell unterwegs war, sei von Palästinensern angegriffen worden, und ein Palästinenser habe einem Wachmann eine Waffe entrissen und das Feuer eröffnet, bevor er getötet wurde. Der örtliche Fatah-Funktionär Essam Saifi schilderte Reuters eine andere Version.
Zwischen 25 und 30 Siedler griffen zunächst den östlichen Teil des Dorfes an. Als die Bewohner herauskamen, um sich ihnen zu stellen, eröffneten die Siedler das Feuer und zogen sich zurück. Eine halbe Stunde später kehrten sie zurück und griffen die Westseite an, was ein chaotisches Feuergefecht auslöste, das die Armee auf den Plan rief.
Überfall auf das Krankenhaus und medizinische Blockade
Stunden nach dem Zusammenstoß umstellten und stürmten israelische Truppen das Nablus Specialist Hospital. Dani Al Masri, stellvertretender Vorsitzender des Krankenhausvorstands, sagte, Soldaten seien in die Notaufnahme eingedrungen, hätten Personal angegriffen und sogar Ärzte und Krankenschwestern gefesselt.
Israelische Streitkräfte belagerten das Krankenhaus, stürmten die Notaufnahme, griffen medizinisches Personal an und fesselten sogar Ärzte und Krankenschwestern.
Zwei Personen wurden festgenommen und Sicherheitskameraaufnahmen beschlagnahmt. Die Armee versuchte auch, die Tür des Verwaltungsbüros aufzusprengen. Ärzte für Menschenrechte-Israel (PHRI) berichteten, dass Sanitäter die Dörfer rund um Nablus als abgeschnitten bezeichneten, mit durch Straßensperren versiegelten Zugangstoren und Krankenwagen, die Patienten nicht erreichen konnten. Mindestens vier Fälle, darunter Patienten mit Knochenbrüchen, warteten auf Evakuierung, ohne eine Möglichkeit zur Abreise.
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Welle von Siedlerangriffen im gesamten Westjordanland
Die Gewalt breitete sich über Tell hinaus aus. In Sarra, südlich von Nablus, griffen Dutzende Siedler die Stadt an, verletzten drei Einwohner und brannten sechs Häuser und fünf Fahrzeuge nieder, so Bürgermeister Naaman Abdulá. In Aurif versuchten Siedler, Häuser in Brand zu setzen, und verletzten eine Person. In Al Jader, südlich von Bethlehem, wurden Autos von Palästinensern in Brand gesteckt. Fünf weitere wurden in Farata, östlich von Qalqilya, verletzt. In Jericho wurde ein Palästinenser erstochen, nachdem sein Auto auf einer Straße liegen geblieben war und Siedler ihn angriffen. In Jenin warfen Siedler Steine auf die Gemeinschaft von Jirbet Imreiha und verletzten mehrere.
Das palästinensische Gesundheitsministerium erhöhte seine Todeszahl für das besetzte Westjordanland seit Jahresbeginn auf 82 Palästinenser, 21 von ihnen von Siedlern getötet.
Netanjahu befiehlt militärische Verstärkung
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu berief Verteidigungsminister Israel Katz ein und kündigte eine Reihe von Maßnahmen an. Die Armee wurde angewiesen, ihre Präsenz im Westjordanland zu verstärken und eine "breite Anti-Terror-Operation" zu starten. Netanjahu versprach, das Haus des Palästinensers, der die Waffe an sich genommen hatte, abzureißen und Siedlungsaußenposten, die derzeit gegen israelisches Recht verstoßen, zu "legalisieren".
Unmittelbar danach mobilisierte die IDF am Freitag fünf zusätzliche Kompanien. In den vorangegangenen zwei Wochen hatte sie bereits zusätzliche Bataillone in das Gebiet entsandt. Das Militär erklärte, es habe in der vergangenen Woche mehr als 80 gesuchte Verdächtige in Judäa und Samaria festgenommen. Rund um Tell und Nablus wurden Straßensperren errichtet, und die Einfahrt nach Nablus wurde blockiert.


