Baden-Württemberg erwägt gestaffelte Wasserpreise zur Eindämmung des hohen Verbrauchs
Baden-Württembergs Umweltministerin Thekla Walker schlug gestaffelte Wassertarife vor, um in Dürrezeiten zum Wassersparen anzuregen und Gemeinden zu ermöglichen, für Luxusnutzungen wie private Pools höhere Sätze zu verlangen.
Vorschlag gestaffelter Preise
Die Landesregierung von Baden-Württemberg erwägt die Einführung gestaffelter Trinkwasserpreise, um den Wassersparen zu fördern. Umweltministerin Thekla Walker stellte die Initiative in Stuttgart vor und wies auf zunehmende Dürreperioden und sinkende Wasserverfügbarkeit in Südwestdeutschland hin. Nach dem vorgeschlagenen Modell würde der grundlegende Haushaltsverbrauch zu einem niedrigeren Satz berechnet, während hoher Verbrauch höheren Stückkosten unterliegen würde. Walker erklärte, dass höhere Gebühren für Mengen, die den durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauch übersteigen, finanzielle Anreize zum Wassersparen oder zur Investition in Regenwassernutzungssysteme wie Zisternen schaffen würden. Die Ministerin stellte ausdrücklich den grundlegenden täglichen Bedarf dem Luxuswasserverbrauch gegenüber.
Wir brauchen die Möglichkeit einer sozial gerechten Staffelung. Der Grundwasserbedarf sollte günstiger sein als Luxusnutzungen wie private Schwimmbäder oder das ständige Bewässern eines englischen Rasens.
Rechtlicher und administrativer Rahmen
Die übliche Trinkwasserabrechnung in Südwestdeutschland kombiniert eine feste Grundgebühr mit einem einheitlichen, verbrauchsunabhängigen Preis pro Kubikmeter. Nach Angaben des Umweltministeriums haben diese Struktur und die generell niedrigen Wasserpreise nur eine begrenzte Steuerungswirkung auf das Verbraucherverhalten. Die Einführung gestaffelter Tarife erfordert Änderungen der örtlichen kommunalen Wasser- und Gebührensatzungen. Die Landesregierung plant, das Kommunalabgabengesetz anzupassen, um den Kommunen ausdrücklich die rechtliche Erlaubnis zur Einführung einer gestaffelten Preisgestaltung zu erteilen. Nach dem Koalitionsvertrag zwischen Grünen und CDU sollen kommunale Versorger, die in ihren Versorgungsgebieten Wasserknappheitsrisiken identifizieren, die rechtliche Befugnis erhalten, ihre Tarife entsprechend zu gestalten.
Der Koalitionsvertrag stellt mehr Freiheit und Spielraum für die Gemeinden in den Mittelpunkt.
Koalitionsberatungen und Umsetzung
Die grün-schwarze Landesregierung beabsichtigt, flexible Preismodelle in ihrem Beratungsgremium namens Strategie zur Sicherung der Wasserversorgung zu behandeln. Das Gremium vereint Landesbeamte, Gemeindevertreter und lokale Wasserversorger, um die langfristige Versorgungssicherheit zu diskutieren. Die Landesregierung betont, dass die lokalen Wasserversorger die genauesten Kenntnisse der örtlichen Gegebenheiten wie lokale Wasserreserven, Geologie und Infrastrukturanforderungen besitzen. Die Ermöglichung lokaler Entscheidungen stellt sicher, dass Gemeinden mit Versorgungsengpässen handeln können, ohne Regionen mit stabilen Wasserressourcen einheitliche Vorschriften aufzuerlegen. Die Beratungen im Gremium werden festlegen, wie Gebührenrahmen gestaltet werden können, um sowohl den Wassersparen als auch die Kostendeckung der Gemeinden zu unterstützen.
Reaktionen aus Wirtschaft und Umwelt
Der Energie- und Wasserwirtschaftsverband Baden-Württemberg sprach sich grundsätzlich für die Initiative aus und befürwortete eine an die örtlichen Gegebenheiten gekoppelte Preisgestaltung sowie den Grundsatz, dass Kosten die jeweiligen Ursachen widerspiegeln. Der Verband wies darauf hin, dass die Kosten der Wasserversorgung stark von der lokalen Topographie und der regionalen Wasserverfügbarkeit abhängen, was die kommunale Flexibilität unerlässlich mache. Allerdings betonte der Branchenverband, dass ein hoher Gesamtverbrauch nicht pauschal mit Wasserverschwendung gleichgesetzt werden dürfe, da die Versorger allein anhand der Zählerstände nicht die tatsächlichen Wassernutzungsmuster ermitteln könnten. Der Naturschutzbund Deutschland begrüßte ebenfalls die Sparanreize, bestand aber auf sozialen Schutzmaßnahmen. Die Umweltorganisation erklärte, dass Großfamilien und Mehrfamilienhäuser nicht allein aufgrund ihres höheren Gesamthaushaltsverbrauchs mit höheren Tarifen konfrontiert werden dürften.
Natürlich sollten die Verbraucher dazu angeregt werden, die kostbare Ressource Wasser sparsam zu nutzen.


