
WHO stuft Pestrisiko nach Tod eines russischen Laboranten in Irkutsk als gering ein
Die Weltgesundheitsorganisation hat das übergeordnete Seuchenrisiko als gering eingestuft, nachdem eine 28-jährige Forscherin in Sibirien gestorben ist, die ein Reagenzglas mit Pesterregern zerbrochen hatte.
Laborvorfall in Irkutsk
Am 25. September 2026 zerbrach die 28-jährige Laborantin Daria Shipilova in einem Forschungsinstitut in der Oblast Irkutsk ein Reagenzglas mit dem Erreger der Lungenpest. Vier Tage später, am 29. September, wurde Shipilova mit Symptomen einer schweren Lungenentzündung in ein Infektionskrankenhaus in der nahe gelegenen Stadt Schelechow eingeliefert. Ihr Zustand verschlechterte sich rasch, in der Nacht vom 1. auf den 2. Oktober starb sie. Die russische Verbraucherschutzbehörde Rospotrebnadzor teilte mit, die Obduktionen hätten ihren Tod auf eine Lungenentzündung unbekannter Ursache zurückgeführt; Labortests hätten keine berufsbedingten Mikroorganismen in ihrem Körper nachgewiesen.
Quarantänemaßnahmen und Kontaktverfolgung
Nach Shipilovas Tod stellten die regionalen Behörden fünf medizinische Einrichtungen und das Forschungsinstitut unter Quarantäne. Angehörigen war der Besuch von stationär behandelten Patienten untersagt, und 60 von Shipilovas Kollegen blieben ab Freitag in dem Forschungsinstitut eingeschlossen, wo sie auf Böden und Stühlen schliefen und sich diagnostischen Untersuchungen unterzogen. Insgesamt wurden rund 200 Personen, die Kontakt zu der Forscherin hatten, unter aktive medizinische Beobachtung gestellt.
- Ein Reagenzglas mit dem Erreger der Lungenpest zerbricht in einem Forschungsinstitut
- Daria Shipilova wird mit Symptomen einer schweren Lungenentzündung in Schelechow ins Krankenhaus eingeliefert
- Shipilova stirbt, nachdem sich ihr Zustand in der Nacht im Krankenhaus verschlechtert hat
- Die polnische Sanitärinspektion gibt einen Hinweis heraus, wonach keine bestätigte Pestausbreitung vorliegt
- Die WHO bestätigt, dass das Seuchenrisiko in Europa sehr gering und in ganz Russland gering bleibt
Der Gouverneur der Oblast Irkutsk, Igor Kobzev, erklärte, bei keiner der überwachten Personen seien Symptome aufgetreten, und alle diagnostischen Tests hätten negative Ergebnisse geliefert. Elena Sofina, stellvertretende Leiterin der Bezirksverwaltung von Schelechow, bestätigte, dass rund 60 Prozent der unter Quarantäne gestellten Personen anschließend entlassen wurden, nachdem die Testergebnisse eine Pestinfektion ausgeschlossen hatten. Rospotrebnadzor berichtete, in den vorangegangenen zehn Tagen seien bei den Beschäftigten des Labors keine Infektionskrankheiten festgestellt worden.
Internationale Überwachung und Risikobewertung
Die Weltgesundheitsorganisation bewertete den Vorfall am Dienstag und kam zu dem Ergebnis, dass das Seuchenrisiko in Irkutsk mäßig bis gering, in ganz Russland gering und für Europa sehr gering sei. Bei einer Pressekonferenz in Genf ging WHO-Sprecher Christian Lindmeier auf die regionalen Eindämmungsmaßnahmen und die Bemühungen zur Kontaktverfolgung ein.
Den vorliegenden Informationen zufolge sind alle Personen, die Kontakt zu der Patientin hatten, identifiziert und werden auf Krankheitssymptome überwacht. Bislang hat keine von ihnen Symptome gezeigt.
In Brüssel bestätigte die Europäische Kommission, dass sie die Lage über die Kommunikationskanäle der WHO verfolge und in direktem Kontakt mit dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) stehe. Die Sprecherin der Europäischen Kommission, Eva Hrncirova, wies darauf hin, dass die Pest eine bakterielle Infektion sei, die mit Antibiotika behandelt werden könne, und dass die Mitgliedstaaten der Europäischen Union neben europäischen Reserven über nationale Antibiotikabestände verfügten.
Wir sind über Berichte zu einem Vorfall in einem Labor in Russland informiert, der offenbar mit einem Erreger zusammenhängt, der die Pest verursacht.
Diplomatischer Austausch und Hintergrund zur Krankheit
In Washington erklärte der Außenminister der Vereinigten Staaten, Marco Rubio, die Bundesbehörden verfolgten die Entwicklungen in Russland, während Präsident Donald Trump öffentlich amerikanische Hilfe anbot. Der Pressesprecher des Kremls, Dmitry Peskov, ging bei einer Pressekonferenz am Dienstag auf das Angebot ein und begrüßte es, wies die Öffentlichkeit jedoch an, sich auf offizielle Mitteilungen von Rospotrebnadzor zu verlassen.
Es ist immer gut, wenn gegenseitige Hilfe angeboten wird.
Die Pest wird durch das Bakterium Yersinia pestis verursacht und tritt in Beulenpest-, Lungenpest- und Pestsepsisform auf. Natürliche endemische Reservoire bestehen in Nagetierpopulationen im Süden Sibiriens, im Norden der Mongolei und im Süden der Vereinigten Staaten. In Russland wurde zuletzt 2016 in der Region Altai ein aktiver Pestfall registriert, während die mongolischen Behörden 2023 137 endemische Herde in 17 Verwaltungsregionen identifizierten. Zwischen 2019 und 2025 erfasste die WHO in zehn Ländern mehr als 3.800 Verdachtsfälle von Pest und 423 Todesfälle.
