Kurz gefasst
Am Donnerstag, 22. Oktober beschloss Gerichtspräsident Bogdan Święczkowski, den Disziplinarsprecher zu informieren, nachdem Richterin Magdalena Bentkowska Krystian Markiewicz in den Richtertrakt geführt hatte.
Krystian Markiewicz, im März vom Sejm gewählt, sagte gegenüber PAP, der Schritt behandle das Gericht als privates Revier des Präsidenten, und forderte Disziplinarverfahren gegen den Präsidenten.
Maciej Berek, ehemaliger Minister in der Regierung von Donald Tusk, besuchte den Richtertrakt am Dienstag, 20. Oktober, auf Grundlage einer Genehmigung, die laut Niezalezna.pl nur für diesen Tag galt.
Von den acht in der laufenden Wahlperiode vom Sejm gewählten Richtern legten drei ihren Eid vor Präsident Karol Nawrocki ab, fünf – darunter Markiewicz und Berek – schworen vor dem Sejm.
- 9.04.Markiewicz, Dziurda, Taborowski und Korwin-Piotrowska legen ihren Eid im Sejm ohne den Präsidenten ab
- 20.10.Berek besucht den Richtertrakt auf Grundlage einer Ein-Tages-Genehmigung von Święczkowski
- 22.10.Bentkowska führt Markiewicz in den Richtertrakt, und Święczkowski verweist den Fall an den Disziplinarsprecher
Gericht verweist Richterin an Disziplinarsprecher
Am Donnerstag, 22. Oktober erklärte das Verfassungsgericht in einer Mitteilung auf X, Richterin Magdalena Bentkowska habe Krystian Markiewicz in den Richtertrakt des Gebäudes geführt. Sie habe dabei interne Verfahren und die Hausordnung missachtet, hieß es. Präsident Bogdan Święczkowski beschloss, den Disziplinarsprecher über den Vorfall zu informieren. In der Mitteilung wurden die konkreten Regeln, gegen die Bentkowska verstoßen haben soll, nicht genannt.
„Am 22. Oktober führte Richterin Magdalena Bentkowska Herrn Krystian Markiewicz unter Missachtung interner Verfahren und der Hausordnung in den Richtertrakt.“
Markiewicz reagiert
Markiewicz, einer der im März vom Sejm gewählten Richter, sagte gegenüber PAP, die Verweisung zeige, dass das Gericht als privates Revier seines Präsidenten behandelt werde. Er sagte, Święczkowski habe gewusst, dass er sich im Gebäude aufhalte, und hätte direkt handeln müssen, statt zu warten, bis er das Gebäude verlasse. Markiewicz zeigte sich zudem überrascht, dass kein Verfahren gegen Richter Sławomir Patyra eingeleitet worden sei, der nach seinen Angaben gemeinsam mit Bentkowska und ihm den Richtertrakt betreten habe.
„Das ist offensichtlich ein Verhalten, das für sich genommen Disziplinarverfahren nach sich ziehen müsste – möglicherweise gegen Herrn Święczkowski, weil er solche Schritte unternommen hat.“
Markiewicz fügte eine Bemerkung zum Vorgehen des Präsidenten in dieser Sache hinzu.
„Beim nächsten Mal wäre es vielleicht besser, wenn er selbst käme und in dieser Sache etwas Mut zeigte.“
Bereks Besuch und die Ein-Tages-Genehmigung
Am Dienstag, 20. Oktober hielt sich Maciej Berek, ehemaliger Minister in der Regierung von Donald Tusk, im Richtertrakt des Gerichts auf. Niezalezna.pl berichtete, Święczkowski habe eine einmalige Genehmigung für Bereks Besuch in Bentkowskas Büro erteilt, die nur für den 20. Oktober gültig gewesen sei. Berek veröffentlichte später Fotos aus dem Inneren des Gerichts, die ihn mit Bentkowska zeigen, was nahelegte, dass er bald seine richterlichen Pflichten aufnehmen würde. Das Gericht erklärte später, der Besuch sei von Święczkowski genehmigt worden, doch der Zutritt zu den Räumen erlaube Berek keine Rechtsprechung.
Zuvor hatte Święczkowski Berek den Zugang zum Richtertrakt verwehrt mit der Begründung, Personen, die versuchten, diese Räume zu betreten, hätten keine Erlaubnis, sich in dieser Zone aufzuhalten. Markiewicz, der bei Berek war, sagte gegenüber Interia, es sei zu einer Rangelei gekommen. Święczkowski bestritt, Gewalt angewendet zu haben, und nannte die Berichte unwahr. Berek warf dem Präsidenten die Verletzung der körperlichen Unversehrtheit vor und schaltete die Staatsanwaltschaft ein.
Der Vereidigungsstreit hinter dem Konflikt
Der Sejm wählte am 13. März sechs neue Richter des Verfassungsgerichts, darunter Bentkowska und Markiewicz. Bentkowska und Dariusz Szostek legten am 1. April im Präsidialpalast ihren Eid vor Präsident Karol Nawrocki ab; die Kanzlei hatte die Auswahl von Markiewicz und drei weiteren im März Ernannten beanstandet, die nicht eingeladen wurden. Am 9. April legten Markiewicz, Marcin Dziurda, Maciej Taborowski und Anna Korwin-Piotrowska ihren Eid im Säulensaal des Sejm ohne das Staatsoberhaupt ab, die Dokumente wurden anschließend an die Kanzlei geschickt. Sławomir Patyra, im Juni gewählt, legte seinen Eid ebenfalls vor Nawrocki ab, während der Sejm in der laufenden Wahlperiode acht Richter gewählt hat, um das Gericht auf 15 zu bringen.
Die Kanzlei bestreitet die Gültigkeit der vor dem Sejm abgelegten Eide mit dem Argument, sie hätten in Anwesenheit des Staatsoberhaupts abgelegt werden müssen. Święczkowski hat die fünf Richter, die vor dem Sejm schworen, nicht zur Rechtsprechung zugelassen. Zu einem Ergebnis der disziplinarischen Verweisung Bentkowskas berichten die Quellen bislang nichts.
- Vor Nawrocki vereidigt
- 3 Richter
- Nur im Sejm vereidigt
- 5 Richter
Daten aus dem Artikeltext