US-Jugendturncoach Sean Gardner wegen heimlicher Filmaufnahmen von Minderjährigen zu 90 Jahren Haft verurteilt
Ein US-Bundesrichter hat den früheren Jugendturncoach Sean Gardner am Mittwoch, dem 14. Oktober, zu 90 Jahren Haft verurteilt, nachdem dieser gestanden hatte, Minderjährige heimlich gefilmt zu haben. Vorwürfe aus Iowa, wo er ebenfalls als Trainer tätig war, haben bislang nicht zu einer Anklage geführt.
Das Urteil
Ein US-Bundesrichter hat Sean Gardner, 39, am Mittwoch, dem 14. Oktober, zu 90 Jahren Haft verurteilt – der in diesem Fall möglichen Höchststrafe. Bundesrichterin Kristi Johnson verhängte 30 Jahre für jede der drei Bundesanklagepunkte wegen der Herstellung von Kinderpornografie, deren sich Gardner schuldig bekannt hatte. Die Strafe dürfte für ihn auf lebenslange Haft hinauslaufen. Gardner hatte als Jugendturncoach gearbeitet; das FBI nahm ihn im Sommer 2025 fest, worüber zuerst die Associated Press berichtete. Im Zentrum der Bundesanklage standen Aufnahmen, die er von Minderjährigen angefertigt hatte.
Die versteckte Kamera
Zwischen Dezember 2017 und April 2018 versteckte Gardner eine Kamera in einem Badezimmer eines Turnstudios in Purvis, Mississippi, um seine jungen Turnerinnen beim Ausziehen oder auf der Toilette zu filmen. Ermittler erklären, die Aufnahmen zeigten mindestens 10 Minderjährige, die nackt waren oder sich auszogen, und einige der Videos enthielten Nahaufnahmen. Die Ermittler fanden das Material Jahre später auf seinen Computern, als sie Vorwürfen nachgingen, er habe Turnerinnen in Iowa sexuell missbraucht. Bei den gefilmten Personen handelte es sich um Minderjährige, allesamt junge Turnerinnen.
- Klagen zufolge wurden USA Gymnastics und SafeSport über unangemessenes Verhalten von Gardner informiert
- Gardner beginnt, eine Kamera in einem Badezimmer einer Turnhalle in Purvis, Mississippi, zu verstecken
- Ende des Aufnahmezeitraums im Badezimmer der Turnhalle in Purvis
- SafeSport suspendiert Gardner vorübergehend, nachdem eine Turnerin von Chow's sexuellen Missbrauch geltend macht
- Das FBI nimmt Gardner fest
- Eine Richterin verurteilt Gardner zu 90 Jahren Haft
Vorwürfe aus Iowa und keine Anklage
Mehrere frühere Schülerinnen des Chow's Gymnastics and Dance Institute in West Des Moines, Iowa, haben der Polizei berichtet und Zivilklagen eingereicht, Gardner habe seine Stellung ausgenutzt, um sie zu missbrauchen. Das Institut wurde von Trainer Liang "Chow" Qiao gegründet, der für die Ausbildung von Olympiasiegern bekannt ist. Gardner trainierte dort mehrere Nachwuchstalente und leitete einen jährlichen Winterwettkampf, zu dem Hunderte Turnerinnen nach Iowa kamen. Wegen der Vorwürfe aus Iowa wurde er nicht angeklagt. Die Polizei hat erklärt, sie werde über das weitere Vorgehen entscheiden, sobald das Bundesverfahren abgeschlossen ist.
Aufsichtsbehörden unter Beobachtung
Klagen behaupten, USA Gymnastics und das U.S. Center for SafeSport seien 2017 über unangemessenes Verhalten von Gardner informiert worden, hätten aber jahrelang nicht gehandelt, um ihn aus dem Sport zu entfernen. SafeSport suspendierte ihn 2022 vorübergehend, nachdem eine Turnerin von Chow's sexuellen Missbrauch geltend gemacht hatte; Chow's entließ ihn zu diesem Zeitpunkt. SafeSport hat erklärt, seine Untersuchung habe ergeben, dass Chow und andere Trainer von Vorwürfen sexuellen Fehlverhaltens gegen Gardner gewusst, sie aber nicht – wie es die Richtlinien verlangen – an das Zentrum gemeldet hätten. Ähnliche Fragen kamen 2021 auf, als olympische Turnerinnen in einer Senatsanhörung erklärten, Behörden und Sportfunktionäre hätten ihren Hinweisen zu Larry Nassar nicht nachgegangen, einem früheren Arzt des US-Turnverbands, der inzwischen verurteilt wurde. Seine Festnahme erneuerte die Frage, ob die US-Turnbehörden genug getan hatten, um Athletinnen vor einflussreichen Trainern zu schützen. Mehrere Zivilklagen gegen Gardner, USA Gymnastics und seinen früheren Arbeitgeber Chow's sind weiterhin anhängig.
