KI-generiert·Mehr erfahren
© Deutsche Welle
Diplomatie·vorgestern

Leere Versprechungen: Trumps ‚Friedensrat‘-Gaza-Fonds bei null – Spender umgehen Weltbank

Vier Monate nach seiner Gründung hat der offizielle Gaza-Wiederaufbaufonds von Donald Trumps ‚Friedensrat‘ keinen einzigen Dollar erhalten, wie Quellen berichten – trotz Zusagen in Höhe von 17 Milliarden Dollar. Spender leiten begrenzte Beiträge über ein JPMorgan-Konto ohne Transparenzauflagen.

Ein großes Versprechen

Ende Januar 2026, am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos, stellte Donald Trump den ‚Friedensrat‘ vor, eine Organisation, die er als „eine der einflussreichsten internationalen Organisationen, die je geschaffen wurden“ bezeichnete. Neunzehn Länder unterzeichneten die Gründungscharta, und bei einem Treffen in Washington im Februar sagten die Mitgliedsstaaten 7 Milliarden Dollar für ein Gaza-Hilfspaket zu, während Trump zusätzliche 10 Milliarden Dollar an US-Finanzierung versprach. Die Vereinten Nationen sollten 2 Milliarden Dollar beisteuern. Der Rat sollte den Wiederaufbau nach dem Krieg, die Entwaffnung der Hamas und den israelischen Rückzug aus dem Gazastreifen koordinieren.

eine der einflussreichsten internationalen Organisationen, die je geschaffen wurden

Schlüsselmomente in der kurzen Geschichte des Friedensrates
  1. Trump stellt den Friedensrat in Davos mit 19 Gründungsländern, lebenslangem Vorsitz und Vetorecht vor.
  2. Bei einem Treffen in Washington sagen die Mitgliedsstaaten 7 Milliarden Dollar für Gaza zu; Trump verspricht 10 Milliarden Dollar US-Finanzierung.
  3. Reuters berichtet, dass nur die VAE, Marokko und die USA Beiträge geleistet haben, wobei die gesamten Direktspenden unter 1 Milliarde Dollar liegen.
  4. Der erste Bericht des Rates macht die Hamas für mangelnde Fortschritte bei Entwaffnung und Wiederaufbau verantwortlich.
  5. Die Financial Times enthüllt, dass der offizielle Weltbank-Fonds bei null Dollar steht; stattdessen wird ein JPMorgan-Konto genutzt.

Der leere Fonds

Vier Monate nach der Gründung des Rates hat der offizielle Fonds – verwaltet von der Weltbank und unterstützt von der UNO – nach Angaben von vier mit der Angelegenheit vertrauten Personen kein Geld von Spendern erhalten. „Kein einziger Dollar wurde eingezahlt“, sagte eine Quelle der Financial Times. Der Fonds war für die Wiederaufbau- und Entwicklungsphase gedacht, die noch nicht erreicht wurde, da die israelischen Militäroperationen trotz einer von den USA unterstützten Waffenruhe andauern und die Sicherheitslage instabil bleibt. Der Rat hat keinen unmittelbaren Zugang zu den zugesagten 17 Milliarden Dollar, was alle groß angelegten Wiederaufbaubemühungen blockiert.

Kein einziger Dollar wurde eingezahlt.

Financial Times source

Umgehung der Transparenz

Anstatt den Weltbank-Mechanismus zu nutzen, hat der Rat Spenden direkt über ein Konto bei JPMorgan erhalten, so der Sprecher des Rates. Im Gegensatz zum Weltbank-Fonds, der seinen Finanzstatus gegenüber Spendern und Ratsmitgliedern melden muss, unterliegt das JPMorgan-Konto keinen unabhängigen Transparenzanforderungen. Ein Beamter des Friedensrates teilte der FT mit, dass die Spender diesen Weg freiwillig gewählt hätten. Die begrenzten Mittel – darunter etwa 20 Millionen Dollar aus Marokko – deckten die Kosten des Büros von Nickolay Mladenov, dem Hohen Vertreter für das Gaza der Nachkriegszeit, sowie die Gehälter des palästinensischen technokratischen Komitees. Die VAE sagten 100 Millionen Dollar für eine neue Gaza-Polizei zu, aber das Programm hat nicht begonnen und die Gelder sind eingefroren. Insgesamt belaufen sich die direkten Spenden auf weniger als 1 Milliarde Dollar, weit entfernt von den Zusagen.

Es wurden mehrere Optionen für den Erhalt von Finanzmitteln eingerichtet... die Spender haben sich für die Nutzung anderer Optionen entschieden.

Board of Peace official

Stillstand der Mission

Fortschritte bei den drei Kernzielen des Rates – Entwaffnung der Hamas, Abzug der israelischen Truppen und Wiederaufbau der Enklave – bleiben auf der Stelle. In seinem ersten Bericht, der letzte Woche veröffentlicht wurde, gab der Rat der Hamas die alleinige Schuld und bezeichnete ihre Weigerung, einer kontrollierten Entwaffnung zuzustimmen, als „Haupthindernis“. Israel hat weiterhin Angriffe im gesamten Gazastreifen durchgeführt, bei denen nach Angaben des Gesundheitsministeriums des Gebiets seit dem Waffenstillstand vom Oktober 2025 mindestens 910 Palästinenser getötet wurden. Israel kontrolliert immer noch über 60 % des Streifens und alle Ein- und Ausgangspunkte. Der Rat war nicht in der Lage, Wiederaufbaugelder bereitzustellen oder das Nationale Komitee für die Verwaltung des Gazastreifens (NCAG) in sinnvoller Weise zu unterstützen.

Das Haupthindernis ist die Weigerung der Hamas, einer kontrollierten Entwaffnung zuzustimmen, ihrer Zwangsherrschaft abzuschwören und eine echte zivile Transformation im Gazastreifen zu ermöglichen.

Board of Peace report

Politische Isolation

Der Friedensrat, der Trump einen lebenslangen Vorsitz und ein Vetorecht bei allen Entscheidungen einräumt, hat tiefe Gräben aufgerissen. Große europäische Demokratien wie Deutschland, Frankreich, das Vereinigte Königreich und Polen weigerten sich, beizutreten, während die Gründungsmitglieder eine Mischung aus Trumps ideologischen Verbündeten (Argentinien unter Javier Milei, Israel, Ungarn unter Viktor Orbán), Nahost-Mächten (Saudi-Arabien, Katar, VAE, Bahrain, Kuwait, Oman, Türkei) und kleineren Nationen sind, die engere Beziehungen zu Washington anstreben (Kasachstan, Aserbaidschan, Usbekistan, Belarus, Bulgarien, Pakistan). Der Mangel an breiter internationaler Legitimität hat die rechtliche und politische Grauzone der Organisation vertieft und lässt ihre Zukunft – und die Gazas – ungewiss.

Washington, D.C. · Davos · Gaza-Stadt

8 Quellen

Mehr aus Politik & Wirtschaft
Bandar Abbas · Kuwait-Stadt · Washington, D.C.