Freitaucher Marinković peilt 85-Meter-deutschen Rekord im Starnberger See an
Minja Marinković (29) wird am Samstag an der Allmannshausener Wand im Starnberger See versuchen, den deutschen Freitauchrekord von 80 Metern in der Disziplin Free Immersion zu brechen – ausgerechnet an dem Ort, an dem ein Versuch von Jens Stötzner im Jahr 2018 mit Bewusstlosigkeit und Disqualifikation endete.
Der Versuch
Am Samstag wird der 29-jährige Minja Marinković in den Starnberger See an der Allmannshausener Steilwand tauchen und versuchen, 85 Meter mit einem einzigen Atemzug in der Disziplin Free Immersion zu erreichen, die Flossen verbietet. Er wird sich an einem Seil nach unten ziehen; bei etwa 30 Metern übernimmt die Schwerkraft und der freie Fall beginnt. Er wird die Arme an den Körper legen und kopfüber in die Dunkelheit stürzen, bis er die Zieltiefe erreicht, dann umkehren und sich am Seil wieder nach oben ziehen. Über seinen Neoprenhandschuhen wird er Gartenhandschuhe für zusätzlichen Halt tragen. Der gesamte Tauchgang soll etwa drei Minuten dauern.
Ein Wettkampfrichter von Aida International, dem weltweit größten Freitauchverband, wird bewerten, ob der Versuch zählt. Der aktuelle deutsche Rekord in der Disziplin liegt bei 80 Metern, aufgestellt im Jahr 2011.
Ein fehlgeschlagener Versuch am selben Ort
2018 versuchte der Freitaucher Jens Stötzner genau an derselben Stelle den Rekord zu brechen. Er erreichte 81 Meter, verlor aber beim Auftauchen das Bewusstsein. Sein Sicherheitsteam eilte zur Hilfe, und der Rekord wurde für ungültig erklärt. Die Hauptgefahr beim Freitauchen ist die Bewusstlosigkeit durch Sauerstoffmangel, auch wenn Freitaucher ihren Sport für nicht gefährlicher als andere Sportarten halten. Marinković will nun genau an dem Ort die Grenze verschieben, an dem Stötzners Versuch scheiterte.
- Deutscher Rekord auf 80 Meter im Free Immersion aufgestellt
- Jens Stötzner erreicht 81 Meter an der Allmannshausener Wand, verliert aber das Bewusstsein; Rekord für ungültig erklärt
- Minja Marinković versucht 85 Meter am selben Ort
Bedingungen in der Tiefe
In etwa 80 Metern Tiefe komprimiert ein Druck von neun Bar die Luft in der Lunge auf etwa ein Neuntel ihres Normalvolumens. Die Wassertemperatur beträgt selbst im Hochsommer vier Grad Celsius, und die Umgebung ist stockdunkel. Marinković, der zu den weltbesten Freitauchern zählt und in München eine Promotion im Ingenieurwesen absolviert, hat sich intensiv auf den Versuch vorbereitet. Bulky Muskeln wären kontraproduktiv, da sie Sauerstoff verbrauchen.
Mentale Vorbereitung
Marinković beschrieb den mentalen Zustand, der in der Tiefe erforderlich ist, als bewusste Leere.
Ich kann dort unten keinen einzigen Gedanken fassen, und ich will es auch nicht. Jeder Gedanke verbraucht Sauerstoff.
Sein Trainingspartner Samuel Mauch, der ihn während des Versuchs unterstützen wird, sagte, der Tauchgang werde mental vorher geprobt.
Wir visualisieren die gesamte Abfolge. Das hilft ungemein, sie später einfach abzuspulen.
Nils Heininger, Vize-Vorsitzender von Aida Deutschland, das auf über 300 Mitglieder angewachsen ist, beschrieb die mentale Herausforderung, unter Druck ruhig zu bleiben.
Es ist sehr anspruchsvoll, mental ruhig zu bleiben, während der Körper quasi in den Alarmmodus schaltet. Aber wenn es gelingt, gerät man in einen meditativen Zustand und schaltet komplett ab.
Heininger fügte hinzu, dass dies die Tauchgänge seien, von denen Freitaucher schließlich fast süchtig würden.
Eine andere Unterwasserwelt
Trotz der extremen Bedingungen beschreibt Marinković das Erlebnis in heiteren Worten. Die Tiefe fühle sich an „wie auf einem anderen Planeten. Man ist sehr ruhig und sehr allein." Er nennt es „ein sehr friedliches Gefühl, wie eine starke Meditation." Der Tauchgang, obwohl nur etwa drei Minuten lang, bringe einen ruhigeren Kontakt mit der Unterwasserwelt.
- Rekord (2011)
- 80 m
- Stötzner (2018, ungültig)
- 81 m
- Marinković Ziel (2026)
- 85 m
Michael Nedwed, Vorsitzender von Aida, stellte das Freitauchen dem Gerätetauchen in Bezug auf die Auswirkungen auf das Meeresleben gegenüber.
Wenn vier oder fünf Gerätetaucher durchschwimmen, ist das für die Fische, als ob eine Blaskapelle durchmarschiert.
Viele Freitaucher seien auch von der Einfachheit des Tauchens mit minimaler Ausrüstung angezogen, fügte Nedwed hinzu und nannte es „zurück zu den Wurzeln."


