
Thorsten Frei weist Spekulationen über Merz-Rücktritt bei niedrigen Zustimmungswerten zurück
Der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Thorsten Frei hat Rücktrittsgerüchte um Bundeskanzler Friedrich Merz zurückgewiesen, räumte aber schwache Umfragewerte ein und drängte auf die Verabschiedung der Bundesrentenreform.
Ablehnung von Rücktrittsspekulationen
Der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Thorsten Frei wies Vorschläge zurück, dass Bundeskanzler Friedrich Merz nach 15 Monaten im Amt einen Rücktritt in Betracht gezogen habe. In einem Auftritt in der ZDF-Talkshow Markus Lanz am Dienstagabend antwortete Frei mit einer direkten Verneinung auf die Frage, ob Merz jemals einen Rücktritt erwogen habe. Frei, der bis Juli Chef des Bundeskanzleramts war, bevor er nach dem Rücktritt von Jens Spahn die Fraktionsführung übernahm, betonte, dass in Berlin keine ernsthaften Persönlichkeiten über einen Wechsel an der Spitze der Regierung diskutieren.
Ich kenne niemanden Ernsthaften, der so etwas diskutiert.
Umfragerückgang und öffentliche Kritik
Frei räumte während der Sendung ein, dass die aktuellen Meinungsumfragen für die Regierungskoalition schrecklich seien, betonte jedoch, dass die Christlich Demokratische Union die erfolgreichste christdemokratische Partei Europas bleibe. Eine aktuelle Forsa-Umfrage für das RTL- und ntv-Trendbarometer ergab, dass 85 Prozent der Befragten mit der Arbeit des Kanzlers unzufrieden waren, während 13 Prozent Zufriedenheit äußerten. In der Sendung wies Politico-Deutschland-Chefredakteur Michael Bröcker darauf hin, dass Zustimmungswerte von knapp 12 Prozent bundesweit und 20 Prozent für die CDU in Sachsen-Anhalt eine ernste politische Verwundbarkeit darstellten. Moderator Markus Lanz merkte an, dass der frühere Kanzler Olaf Scholz in seiner schlechtesten Phase auf 23 Prozent Zustimmung kam.
Frei verteidigte Merz zudem gegen Kritik an einem dreiwöchigen Sommerurlaub, den dieser während jüngster Sicherheitsvorfälle mit Drohnen und Waldbränden genommen hatte. Als Aufnahmen gezeigt wurden, in denen Merz bei der Danksagung an Einsatzkräfte nach Bränden im Hürtgenwald ausgebuht wurde, führte Frei die Störung auf organisierte, über soziale Medien mobilisierte Agitation zurück und nicht auf organische regionale Stimmung.
- Unzufrieden
- 85 %
- Zufrieden
- 13 %
Reibereien um Rentenregeln
Der Fraktionsvorsitzende ging auf den internen Widerstand in der CDU gegen die geplanten Bundesrentenreformen ein, die vor der Sommerpause vorgelegt wurden. Die Maßnahmen sehen die Abschaffung der Rente mit 63 ohne Abschläge für Arbeitnehmer mit 45 Beitragsjahren vor. Drei ostdeutsche CDU-Ministerpräsidenten – Michael Kretschmer aus Sachsen, Sven Schulze aus Sachsen-Anhalt und Mario Voigt aus Thüringen – stellten den Plan mit Blick auf die anstehenden Landtagswahlkämpfe öffentlich infrage. Frei räumte ein, dass er über ihren öffentlichen Widerstand überrascht und verärgert sei, bestand jedoch darauf, dass das Gesetzespaket nicht in Einzelteile zerlegt werden könne.
Das ist jetzt einfach kein Menü, das vor uns liegt, bei dem man einen Punkt auswählt und den anderen zurücklässt.
Herbstlicher Gesetzgebungsfahrplan
Die Bundeskoalition arbeitet daran, das umfassendere Rentenpaket zusammen mit Änderungen der Pflegeversicherung und der Arbeitszeitgesetzgebung noch vor Jahresende zu verabschieden. Merz versammelt die Regierungsminister zu einer Klausur in Neuhardenberg, um die Unterstützung zu festigen und den politischen Fahrplan zu beschleunigen. Freis Nachfolgerin als Kanzleramtschefin, Nina Warken, bestätigte, dass die Regierung die umstrittenen Rentenmaßnahmen in der Herbstsitzungsperiode voranbringen will. Frei argumentierte, dass moderne Regierungsführung schwierige Abwägungen erfordere, und wies darauf hin, dass staatliche Verteilungen zwangsläufig den Entzug von Ressourcen aus anderen Bereichen bedeuteten.


