
Dänemarks Mette Frederiksen sichert sich dritte Amtszeit als Ministerpräsidentin und bildet eine Vier-Parteien-Minderheitskoalition der Mitte-Links nach rekordlangen Verhandlungen
Mehr als zwei Monate nach einer Parlamentswahl ohne klaren Sieger verkündete die geschäftsführende Ministerpräsidentin Mette Frederiksen am späten Montag einen Durchbruch: Sie bildet eine Mitte-Links-Minderheitsregierung, die ihr eine dritte Amtszeit in Folge beschert.
Der Durchbruch
Dänemarks geschäftsführende Ministerpräsidentin Mette Frederiksen gab am späten Montagabend bekannt, dass es ihr gelungen sei, eine neue Regierung zu bilden – und beendete damit die längsten Koalitionsverhandlungen in der Geschichte des Landes. Sie überbrachte die Nachricht König Frederik X. an Bord der königlichen Yacht im Hafen von Odense. Die Vier-Parteien-Minderheitskoalition der Mitte-Links wird von Frederiksens Sozialdemokraten angeführt und umfasst die Sozialistische Volkspartei (SF), die Sozialliberale Partei (Radikale Venstre) und die zentristischen Moderaten unter Führung des ehemaligen Ministerpräsidenten und scheidenden Außenministers Lars Løkke Rasmussen.
Ich war hier bei Seiner Majestät dem König und habe gemeldet, dass nach langen Verhandlungen eine Regierung gebildet werden kann.
Die parlamentarische Arithmetik
Die vier Parteien kommen zusammen auf 82 der 179 Sitze im dänischen Parlament – acht Sitze weniger als die absolute Mehrheit. Minderheitsregierungen sind in Dänemark seit langem die Norm, sofern sie nicht auf eine Mehrheit gegen sich stoßen. Um Stabilität zu gewährleisten, wird die Koalition voraussichtlich auf die Unterstützung der linken Rot-Grünen Allianz (Enhedslisten) angewiesen sein, die 11 Sitze hält. Die Partei deutete auf Facebook an, dass sie am Dienstagmorgen „große Neuigkeiten für Dänemark“ haben werde.
- Sozialdemokraten
- 38 seats
- Sozialistische Volkspartei
- 15 seats
- Sozialliberale
- 7 seats
- Moderate
- 22 seats
Eine hart erkämpfte dritte Amtszeit
Frederiksens Weg zu einer dritten Amtszeit war alles andere als reibungslos. Ihre Sozialdemokraten gewannen die Wahl am 24. März, allerdings mit ihrem schlechtesten Ergebnis seit 1903 (38 Sitze). Ihr erster Versuch, eine Regierung zu bilden, scheiterte, ebenso wie die Verhandlungen über eine Mitte-Rechts-Koalition unter Führung ihrer Rivalin, der liberalen Troels Lund Poulsen. Lars Løkke Rasmussens Moderate spielten eine entscheidende Rolle: Sie sprachen mit beiden Lagern und verließen den Verhandlungstisch zweimal, bevor der endgültige Deal zustande kam.
Ich denke, jeder wird überrascht sein, wie entschlossen wir sind. Es ist ein Regierungsprogramm, das gut ist für die Menschen, die in Dänemark leben, für die kommenden Generationen und auch für die Tiere.
Tierschutz und die politische Agenda
Der Wahlkampf war geprägt von heftigen Debatten über Landwirtschaft und Tierschutz, insbesondere über die industrielle Schweinehaltung. Dänische Medien erwarten, dass die neue Regierung deutlich strengere Regeln für die Schweinehaltung ankündigen wird. Neben der Innenpolitik steht das neue Kabinett vor dringenden außenpolitischen Herausforderungen, darunter eine diplomatische Krise mit der Trump-Administration über Grönland und die Notwendigkeit, Dänemarks Militär angesichts des russischen Krieges gegen die Ukraine rasch zu stärken.
Was als Nächstes kommt
Frederiksen wird voraussichtlich am Dienstag das Regierungsprogramm der Koalition vorstellen, das gesamte Ministerteam soll am Mittwoch dem König vorgestellt werden. Die Einigung markiert das Ende einer ungewöhnlichen vierjährigen Periode, in der Frederiksen mit der Mitte-Rechts-Partei Venstre und den Moderaten über die traditionellen politischen Lager hinweg regierte.


