
Französisches Meridiam übernimmt 66 % des Griechenland-Zypern-Interkonnektors bei Vertragsunterzeichnung im Maximos-Mansion
Die französische Investmentgruppe Meridiam unterzeichnete am 5. August eine Vereinbarung zur Übernahme von 66 % des Great Sea Interconnector und treibt damit die ins Stocken geratene 1,9 Milliarden Euro teure Stromverbindung zwischen Griechenland und Zypern trotz geopolitischer und regulatorischer Hürden voran.
Vereinbarung in Athen unterzeichnet
Am 5. August 2026 wurde im Maximos-Mansion in Athen im Beisein von Premierminister Kyriakos Mitsotakis eine Vereinbarung unterzeichnet, wonach die französische Investmentgruppe Meridiam als Mehrheitsaktionär in den Great Sea Interconnector (GSI) einsteigt. Meridiam erwirbt 66 % der Zweckgesellschaft, die die Stromverbindung zwischen Griechenland und Zypern entwickelt, während ADMHE, der griechische Stromnetzbetreiber, die restlichen 34 % behält. Zuvor befanden sich 75 % des Projekts in griechischer Hand. Das Gesamtbudget des Projekts beträgt rund 1,9 Milliarden Euro. Der genaue Preis, den Meridiam für den 66-Prozent-Anteil gezahlt hat, wurde nicht bekannt gegeben.
Mitsotakis bezeichnete die Vereinbarung als starken Vertrauensbeweis für den griechischen Energiesektor.
Der Einstieg des französischen Meridiam ist ein starker Vertrauensbeweis für den griechischen Energiesektor. Wir bündeln unsere Kräfte in einem europäischen Projekt von gemeinsamem Interesse.
Französischer Fußabdruck und Macrons Rolle
Die Grundlagen für das Abkommen wurden während des Besuchs des französischen Präsidenten Emmanuel Macron in Athen im April 2026 gelegt, als der CEO von Meridiam einer französischen Wirtschaftsdelegation beitrat und erste Kontakte mit der griechischen Seite geknüpft wurden. Anschließende Gespräche betrafen beide Regierungen, wobei Energieminister Stavros Papastavrou eine zentrale Rolle spielte. Die französische Regierung hat das Abkommen unterstützt; der CEO von Meridiam erklärte, Macron unterstütze das Projekt und rufe ihn täglich deswegen an.
Die französische Präsenz in dem Projekt geht über Meridiam hinaus. Auch Nexans, ein französisches Unternehmen, ist mit der Herstellung des Seekabels beauftragt. Zwischen ADMHE, GSI und Nexans wurde zudem eine strategische Vereinbarung zur Beschleunigung der Arbeiten unterzeichnet, mit Priorität auf den Abschluss der Meeresbodenvermessungen. Zum Portfolio von Meridiam gehört der Stromverbund zwischen Großbritannien und Deutschland, ein 2,8 Milliarden Euro teures Projekt vergleichbarer technischer Schwierigkeit, so Papastavrou.
- Macron besucht Athen; Meridiam-CEO schließt sich französischer Wirtschaftsdelegation an; erste Kontakte mit griechischer Seite
- Vereinbarung im Maximos-Mansion unterzeichnet: Meridiam erwirbt 66 % des GSI
- Zieldatum für Wiederaufnahme der seit türkischem Eingreifen südlich von Kasos eingefrorenen Meeresbodenvermessungen
Projektspezifikationen und Finanzierung
Der Great Sea Interconnector umfasst ein Seekabel von etwa 900 Kilometern Länge mit einer anfänglichen Übertragungskapazität von 1.000 MW und der Aussicht auf eine Erhöhung auf 2.000 MW. Das Projekt wurde als EU-Vorhaben von gemeinsamem Interesse (PCI) eingestuft, was Finanzierung und europäische politische Unterstützung sichert. Die EU-Finanzierung umfasst 657 Millionen Euro aus der Fazilität „Connecting Europe“ und weitere 100 Millionen Euro aus der Aufbau- und Resilienzfazilität. Die Genehmigung der Finanzierung durch die Europäische Investitionsbank ist im Gange. Im April 2026 sandten Papastavrou und sein zypriotischer Amtskollege Michail Damianos ein gemeinsames Schreiben an die EIB mit der Bitte um GSI-Finanzierung, nachdem Mitsotakis und der zypriotische Präsident Nikos Christodoulides beschlossen hatten, die wirtschaftlichen und technischen Parameter des Projekts zu aktualisieren.
- Gesamtbudget
- 1900 Millionen Euro
- EU-CEF-Zuschuss
- 657 Millionen Euro
- RRF-Zuweisung
- 100 Millionen Euro
- Meridiam
- 66 %
- ADMHE
- 34 %
Geopolitische Hindernisse und nächste Schritte
Das Projekt hat in den letzten zwei Jahren aufgrund regulatorischer Herausforderungen in Zypern und geopolitischer Spannungen erhebliche Verzögerungen erlitten. Die Seeuntersuchungen für die Verbindung wurden in internationalen Gewässern südlich von Kasos nach einem türkischen Eingreifen faktisch eingefroren, obwohl das griechische Außen- und Verteidigungsministerium eingeschätzt hatten, dass die Türkei nicht auf Untersuchungen der Wassersäule reagieren würde. Diese Einschätzung erwies sich als falsch, als die Türkei mit der Entsendung von Schiffen reagierte. Ziel ist es nun, die Untersuchungen im September wieder aufzunehmen.
Papastavrou räumte die Schwierigkeiten ein, zeigte sich aber optimistisch über die neue Dynamik, die durch die Vereinbarung entstanden sei.
Niemand hat gesagt, dass all diese Probleme wie durch Zauberei an einem Tag gelöst werden. Eines ist sicher: Die Schaffung dieser neuen starken Dynamik hilft sicherlich dabei, all diese Schwierigkeiten auf viel bessere Weise anzugehen.
Eine Kosten-Nutzen-Studie für das Segment Zypern-Israel soll in den kommenden Tagen abgeschlossen und den Regulierungsbehörden beider Länder vorgelegt werden. Die Verbindung soll die Energieisolation Zyperns beenden und die Energiesicherheit im östlichen Mittelmeer stärken. Das griechisch-zypriotische Abkommen vom September 2024 hatte vorgesehen, dass Nikosia dem Projekt beitritt, vorbehaltlich der Sicherung der erforderlichen wirtschaftlichen und regulatorischen Parameter.


