
Frankreich wird erstes europäisches Land, das soziale Medien für Kinder unter 15 verbietet
Das französische Parlament hat am Dienstag ein Gesetz verabschiedet, das Minderjährigen unter 15 Jahren die Nutzung sozialer Netzwerke verbietet. Das Verbot tritt für neue Konten im September und für bestehende Konten im Januar in Kraft.
## Parlamentszustimmung Am Dienstag hat die französische Nationalversammlung den Gesetzentwurf mit 279 Stimmen dafür und 81 dagegen endgültig angenommen, nachdem der Senat zuvor zugestimmt hatte. Das Gesetz macht Frankreich zum ersten europäischen Land, das ein pauschales Verbot sozialer Medien für Minderjährige unter 15 Jahren verhängt. Präsident Emmanuel Macron begrüßte die Abstimmung und bezeichnete sie als Wegbereiter für den Kinderschutz auf dem gesamten Kontinent.
Frankreich ebnet in Europa den Weg für den Schutz unserer Kinder, unserer Jugendlichen. Wir werden weitermachen.
Umsetzungszeitplan und Altersverifikation
Das Verbot tritt in zwei Phasen in Kraft: Die Erstellung neuer Konten wird ab dem 1. September 2026 blockiert, während die Plattformen bis zum 1. Januar 2027 Zeit haben, bestehende Konten von unter 15-Jährigen zu schließen. Das Gesetz sieht keine Strafen für Kinder oder Eltern vor; stattdessen müssen die Social-Media-Unternehmen von der französischen Datenschutzbehörde CNIL genehmigte Altersverifikationssysteme einsetzen. Die beigeordnete Ministerin für Digitales, Anne Le Hénanff, sagte Reportern, dass innerhalb von vier Monaten jeder französische Nutzer sein Alter nachweisen müsse und Konten von unter 15-Jährigen geschlossen würden. Der für Informationstechnologie zuständige Minister wird die Liste der vom Verbot betroffenen Plattformen erstellen.
Wir Franzosen werden in vier Monaten alle unser Alter nachweisen müssen. Wenn Sie unter 15 sind, wird das Konto geschlossen.
- Australien führt das weltweit erste Social-Media-Verbot für Nutzer unter 16 Jahren ein
- Französisches Parlament verabschiedet Verbot sozialer Medien für Minderjährige unter 15 Jahren
- Verbot neuer Konten für unter 15-Jährige tritt in Frankreich in Kraft
- Frist für Plattformen zur Schließung bestehender Konten von unter 15-Jährigen
Macrons Kampagne für ein digitales Volljährigkeitsalter
Präsident Macron setzt sich seit Monaten für diese Maßnahme ein und bezeichnet sie als notwendigen Schritt zum Schutz der Entwicklung junger Menschen. Bei einer Veranstaltung im April sprach er Jugendliche direkt an und sagte, sie seien in einem „Dschungel“ zurückgelassen worden, der ihre Aufmerksamkeit gestohlen habe. Er forderte sie auf, ihre Telefone wegzulegen und zu lesen, und argumentierte, dass ein langsameres Tempo ihnen helfen würde, bessere Bürger zu werden. Macron hat die Initiative auch auf EU-Ebene vorangetrieben.
Wir haben euch in diesem Dschungel zurückgelassen, und er hat eure Aufmerksamkeit gestohlen. Wir müssen langsamer machen und euch helfen, Erwachsene und vor allem Bürger zu werden.
Handyverbot an Schulen
Das gleiche Gesetz erweitert das bestehende Handyverbot, das bereits in Grundschulen gilt, auf weiterführende Schulen (Lycées). Einzelne Schulen können in ihren Hausordnungen Ausnahmen vorsehen.
Reaktion der Branche und Auswirkungen in Europa
Social-Media-Plattformen lehnen pauschale Verbote im Allgemeinen ab und verweisen auf bestehende Altersbeschränkungen und Jugendschutzmaßnahmen, haben sich aber verpflichtet, diese einzuhalten, wenn Regierungen Gesetze erlassen. Frankreich folgt damit Australien, das im Dezember 2025 das weltweit erste Verbot sozialer Medien für Nutzer unter 16 Jahren einführte, das Plattformen wie Facebook, Snapchat, TikTok und YouTube umfasst. Die Europäische Kommission entwickelt eine eigene europaweite Altersverifikationsanwendung, und Präsidentin Ursula von der Leyen hat ihre Unterstützung für die Einschränkung des Zugangs von Kindern zu sozialen Medien in allen 27 Mitgliedstaaten bekundet. Die Kommission wird auch prüfen, ob das französische Gesetz mit dem bestehenden EU-Recht vereinbar ist. Mehrere andere europäische Länder erwägen nun ähnliche Beschränkungen.


