Französische Abgeordnete stimmen voraussichtlich für Social-Media-Verbot für unter 15-Jährige – Teil einer globalen Welle
Die französische Nationalversammlung wird voraussichtlich heute ein Gesetz verabschieden, das Kindern unter 15 Jahren den Zugang zu Plattformen wie TikTok und Instagram verbietet. Damit wäre Frankreich das erste EU-Land, das eine digitale Altersgrenze durchsetzt.
Die französische Abstimmung
Der französische Senat, die zweite Kammer, hat am 21. Juli ein Gesetz verabschiedet, das Kindern unter 15 Jahren den Zugang zu Social-Media-Plattformen wie TikTok, Snapchat und Instagram verbietet. Die Nationalversammlung, die erste Kammer, wird voraussichtlich im Laufe des Tages folgen, nachdem am Montag ein Kompromiss zwischen den beiden Kammern erzielt wurde. Digitalministerin Anne Le Henanff feierte diesen Meilenstein.
Morgen wird Frankreich das erste Land in Europa sein, das eine digitale Altersgrenze einführt, um unsere Kinder online besser zu schützen.
Präsident Emmanuel Macron hat das Gesetz als eine der wichtigsten Reformen seiner letzten Amtszeit unterstützt. Dazu gehört auch ein Handyverbot an weiterführenden Schulen, das bis September umgesetzt werden soll.
Zweistufige Einführung
Das Social-Media-Verbot wird in zwei Phasen in Kraft treten. Ab dem 1. September 2026 dürfen Kinder unter 15 Jahren keine neuen Konten auf Social-Media-Plattformen mehr erstellen. Bestehende Konten von unter 15-Jährigen müssen von den Plattformen innerhalb von vier Monaten geschlossen werden – eine Frist, die im Januar 2027 endet. Der umfassendere Ansatz der Nationalversammlung, der einen Vorschlag des Senats für eine schwarze Liste schädlicher Plattformen ablehnt, setzte sich in den Verhandlungen durch. Ausnahmen gelten für Bildungsplattformen und Online-Enzyklopädien.
Die Maßnahme steht im Einklang mit einer wachsenden Zahl von Forschungsergebnissen. Die französische Gesundheitsbehörde warnte im vergangenen Jahr, dass Plattformen wie TikTok, Snapchat und Instagram der psychischen Gesundheit von Jugendlichen schaden, insbesondere bei Mädchen, räumte jedoch ein, dass soziale Medien nicht die alleinige Ursache für das nachlassende Wohlbefinden seien.
Weltweites Vorgehen gegen Kinderzugang
Frankreich handelt nicht allein. Australien war das erste Land der Welt, das Social Media für unter 16-Jährige verboten hat. Das Gesetz trat am 10. Dezember 2025 in Kraft und sieht Geldstrafen von bis zu 49,5 Millionen australischen Dollar für Unternehmen vor, die sich nicht daran halten. In Großbritannien kündigte Premierminister Keir Starmer am 15. Juni an, dass ein Verbot für unter 16-Jährige bis Weihnachten 2026 verabschiedet werden soll, mit einer Durchsetzung im Frühjahr 2027. Starmer sagte außerdem am 8. Juni, dass Technologieunternehmen technische Lösungen einsetzen müssen, um Nacktbilder auf den Smartphones von Kindern zu erkennen und zu blockieren, wobei die Gesetzgebung als letzte Absicherung dient. Dänemark hat bereits ein Social-Media-Verbot für unter 15-Jährige eingeführt, erlaubt jedoch die elterliche Zustimmung für Kinder ab 13 Jahren. Deutschland verlangt die elterliche Zustimmung für Minderjährige zwischen 13 und 16 Jahren. China betreibt einen „Minderjährigen-Modus“ mit gerätebezogenen Bildschirmzeitbeschränkungen. Griechenland ist Berichten zufolge „sehr nah“ an einem ähnlichen Verbot für unter 15-Jährige.
- Australien verbietet Social Media für unter 16-Jährige
- Starmer kündigt britischen Plan für Verbot für unter 16-Jährige an
- Französischer Senat stimmt für Verbot für unter 15-Jährige; Nationalversammlung soll abstimmen
- Frankreich blockiert neue Konten für unter 15-Jährige
- Großbritannien soll Verbot für unter 16-Jährige verabschieden
- Französisches Verbot wird auf bestehende Konten von unter 15-Jährigen ausgeweitet
- Britische Verbot für unter 16-Jährige tritt in Kraft
EU und der Vorstoß für einen gestaffelten Zugang
Die Europäische Kommission erwägt einen EU-weiten Ansatz. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach sich letzte Woche dafür aus, dass Kinder einen „gestaffelten und schrittweisen Zugang“ zu sozialen Medien erhalten sollten, und griff damit Forderungen von Mitgliedstaaten wie Frankreich, Griechenland und Spanien auf. Der von den französischen Gesetzgebern verabschiedete Kompromisstext vermied einen schwarzen Listen-Mechanismus, unter anderem um das Risiko einer Nichteinhaltung des EU-Rechts zu verringern, so die zentristische Senatorin Catherine Morin-Desailly, die den Gesetzentwurf im Senat betreute.
Kinder sollten einen gestaffelten und schrittweisen Zugang zu sozialen Medien haben.
Nächste Schritte
Wenn die Nationalversammlung dem Gesetzentwurf zustimmt, wird Frankreichs neue digitale Altersgrenze die erste ihrer Art in der EU sein. Social-Media-Unternehmen stehen vor einem engen Zeitplan, um Altersverifikations- und Kontosperrsysteme zu implementieren. Der Starttermin für neue Konten am 1. September lässt den Plattformen etwas mehr als fünf Wochen Zeit, um sich anzupassen. Die breitere Debatte über die Auswirkungen der Technologie auf die Jugend wird sich wahrscheinlich nicht verlangsamen. Mit dem bereits bestehenden australischen Modell und Großbritannien, das auf ein eigenes Verbot zusteuert, wird das regulatorische Flickwerk auf beiden Seiten des Atlantiks immer dichter. Fürs Erste stellt die bevorstehende Abstimmung in Frankreich einen bedeutenden legislativen Moment in dieser Bewegung dar.

