Hitzewelle zwingt EDF zur Abschaltung von drei Kernreaktoren in Frankreich, Gaskraftwerke springen ein
EDF hat am Donnerstag einen dritten Kernreaktor abgeschaltet, da eine historische Hitzewelle die Flusstemperaturen über die gesetzlichen Kühlgrenzen trieb und einen ungewöhnlichen Wechsel zu Gaskraftwerken im Hochsommer auslöste.
Der französische Staatskonzern EDF hat am Donnerstagmorgen zwei weitere Kernreaktoren abgeschaltet, sodass insgesamt drei Einheiten aufgrund der das Land erfassenden Hitzewelle vom Netz sind. Der Reaktor in Golfech im Département Tarn-et-Garonne war bereits am Montag stillgelegt worden. Die jüngsten Abschaltungen betreffen Block 3 des Kernkraftwerks Bugey an der Rhône, der um 09:00 Uhr gestoppt wurde, und Block 1 in Nogent-sur-Seine an der Seine, der um 09:15 Uhr gestoppt wurde. EDF nannte als Grund „äußere Umweltursachen“ im Zusammenhang mit der Einhaltung von Flusstemperaturgrenzwerten zum Schutz aquatischer Ökosysteme.
Warum Reaktoren abgeschaltet werden
Frankreichs 57 Kernreaktoren entnehmen Wasser aus Flüssen oder dem Meer zur Kühlung. Wenn das Flusswasser aufgrund einer Hitzewelle bereits warm ist, kann das Einleiten von nur geringfügig wärmerem Kühlwasser die Temperaturen über die regulatorischen Schwellenwerte treiben. In Golfech darf die Flusstemperatur nach der Einleitung 28 °C nicht überschreiten. In Nogent-sur-Seine begrenzen die Vorschriften den Temperaturanstieg zwischen Ober- und Unterwasser auf 3 °C und die durchschnittliche Unterwassertemperatur auf 28 °C.
Der Reaktor Nummer 3 im Kraftwerk Bugey am Ufer der Rhône ist seit 9 Uhr abgeschaltet, ebenso wie Block Nummer 1 in Nogent-sur-Seine seit 09:15 Uhr aus äußeren Umweltgründen, um die Erwärmungsgrenzen der Rhône und der Seine einzuhalten.
Breitere Auswirkungen auf die Produktion
Die Entscheidung, Reaktoren zu stoppen oder zu drosseln, dient dem Schutz der Flussfauna und -flora. Neben den drei vollständig stillgelegten Blöcken ist auch das Kraftwerk Saint-Alban in Isère betroffen: Sein Block 2 muss aufgrund der hohen Temperaturen die Leistung reduzieren. EDF warnte, dass im Zuge der anhaltenden Hitzewelle Produktionskürzungen in anderen Kraftwerken zu erwarten sind.
- Reaktor Golfech (Tarn-et-Garonne) aufgrund von Flusstemperaturgrenzwerten stillgelegt
- Bugey Block 3 (Ain) an der Rhône aus Umweltgründen abgeschaltet
- Nogent-sur-Seine Block 1 (Aube) an der Seine aus Umweltgründen abgeschaltet
- Saint-Alban Block 2 (Isère) angewiesen, die Leistung zu reduzieren
Gaskraftwerke schließen die Lücke
Die Reaktorabschaltungen haben eine ungewöhnliche Abhängigkeit von Gaskraftwerken in einer Hochsommerperiode ausgelöst. Netzbetreiber RTE erklärte am Mittwoch, dass Frankreich über ausreichende Produktionskapazitäten verfüge, um die Stromnachfrage zu decken, selbst wenn diese Reaktoren vom Netz sind. Experten, auf die in deutschen Berichten Bezug genommen wird, schätzen, dass hitzewellebedingte Atomausfälle, die derzeit nur 0,3 Prozent der nationalen Produktion ausmachen, bis 2035 auf 1,4 Prozent der Gesamtleistung steigen könnten, da der Klimawandel extreme Hitzeereignisse verstärkt.
- Aktuell
- 0.3 %
- 2035 (Prognose)
- 1.4 %
Der regulatorische Rahmen
Alle französischen Kernkraftwerke arbeiten unter strengen thermischen Einleitungsgrenzwerten, die mit den Umweltbehörden ausgehandelt wurden. Wenn die Flusstemperaturen während Hitzewellen steigen, muss EDF die Produktion drosseln oder einstellen, um eine weitere Erwärmung zu vermeiden. Das eingeleitete Kühlwasser ist in der Regel nur um einige Zehntel Grad bis einige Grad wärmer, aber in bereits erwärmten Gewässern kann dies die gesetzlichen Schwellenwerte überschreiten. Die aktuelle Episode verdeutlicht die wachsende Spannung zwischen Frankreichs nuklearlastigem Strommix und der zunehmenden Häufigkeit extremer Sommerhitze.


