
Frankreichs Medienregulierer Arcom bereitet neue Regeln für politische Podcasts vor der Wahl 2027 vor
Die französische Medienaufsichtsbehörde Arcom hat eine Konsultation mit führenden Content-Creators eröffnet, um Leitlinien für Fairness und Redlichkeit bei politischen Podcasts und Online-Interviews vor der Präsidentschaftswahl 2027 zu prüfen.
Regulatorische Konsultation für Online-Formate
Frankreichs Regulierungsbehörde für audiovisuelle und digitale Kommunikation, Arcom (Autorité de régulation de la communication audiovisuelle et numérique), bereitet neue Regeln für die Aufsicht über Podcasts und digitale Videoformate mit politischen Akteuren vor der Präsidentschaftswahl 2027 vor. Arcom-Präsident Martin Ajdari kündigte die Initiative in einem Interview mit der Zeitung La Tribune am Samstag, dem 3. Oktober 2026, an. Die Aufsichtsbehörde hat formell eine Konsultation mit Produzenten digitaler Video- und Audioinhalte eröffnet, die ihre Inhalte direkt auf Online-Plattformen veröffentlichen.
Wir denken über neue Regeln für den Wahlkampf 2027 nach.
Die Gespräche konzentrieren sich speziell auf Online-Interviewer und digitale Creators, deren Formate auf Web-Plattformen die größte Reichweite erzielen.
Wir haben dazu gerade eine Konsultation mit den wichtigsten Content-Creators begonnen, jenen mit der größten Zuhörerschaft.
Ajdari betonte, dass ein künftiger Rahmen für Online-Programme nicht die identischen Regeln übernehmen werde, die herkömmlichen Fernseh- und Radiosendern auferlegt sind; vielmehr solle ein verhältnismäßiger Rahmen für Webmedien entworfen werden.
Bestehende Pflichten und regulatorische Lücken
Nach geltendem französischem Medienrecht fallen Online-Video- und Audio-Interviewformate bislang nicht unter die direkte Aufsicht von Arcom. Pflichten zum politischen Pluralismus, zur Fairness und zur strikten mathematischen Gleichheit der Sendezeiten zwischen politischen Parteien gelten derzeit nicht für Programme, die direkt auf digitalen Plattformen verbreitet werden.
Für digitale Interviewer gilt in Wahlkampfzeiten derzeit nur eine gesetzliche Beschränkung: die vorgeschriebene Wahlruhe. Nach dieser Rechtsregel ist es Creators untersagt, in den zwei Tagen unmittelbar vor der Abstimmung politische Propaganda zu veröffentlichen. Außerhalb dieses speziellen Zwei-Tage-Fensters vor der Wahl arbeiten Online-Video-Moderatoren und Podcaster ohne Verpflichtung, Gastauftritte auszubalancieren oder politische Sendezeiten zu erfassen.
- Arcom-Präsident kündigt Konsultation mit führenden Online-Content-Creators an
- Gesetzliche Wahlruhe verbietet politische Propaganda über alle Medienplattformen hinweg
- Wahlkampf zur französischen Präsidentschaftswahl unterliegt geplantem Regulierungsrahmen
Publikumsreichweite auf Augenhöhe mit dem linearen Fernsehen
Arcom leitete die Prüfung ein, weil Online-Interviewformate ihre Reichweite rasch ausgebaut haben und Publikum erreichen, das etablierten Fernsehsendern Konkurrenz macht. Ajdari erklärte, die regulatorische Konsultation müsse klären, welche Maßnahmen hinsichtlich Redlichkeit und Fairness angemessen wären, und wies darauf hin, dass mehrere digitale Programme inzwischen Zuschauerzahlen erreichen, die mit bestimmten Kanälen des französischen digitalen Antennenfernsehens (TNT) vergleichbar sind.
Da diese digitalen Programme Millionen von Hörern und Zuschauern erreichen, betrachtet die Aufsichtsbehörde ihre politischen Diskussionen als wesentlichen Bestandteil der modernen Wahlkampfberichterstattung. Die Konsultation soll Maßnahmen bewerten, die Fairness fördern, und dabei anerkennen, dass Formate, die direkt auf Plattformen veröffentlicht werden, nicht einfach denselben Mechanismen unterworfen werden können wie das traditionelle lineare Fernsehen.
Bekannte Creators und wachsende digitale Reichweite
Die französische digitale Medienlandschaft umfasst eine vielfältige Palette unabhängiger Formate, wobei mehrere Content-Creators auf Online-Videoplattformen Millionen Abonnenten gewinnen. Zu den in der Branche genannten prominenten Figuren zählen Sam Zirah und Guillaume Pley, der Moderator des digitalen Angebots Legend, die beide über langformatige Interviews Millionen Abonnenten auf YouTube aufgebaut haben.
Weitere Online-Journalisten und digitale Creators, darunter Gaspard G und Hugo Décrypte, bauten zunächst auf Internetnetzwerken ein großes Publikum auf, bevor sie formelle Partnerschaften und Kooperationen mit traditionellen Medienorganisationen eingingen. Da diese digitalen Interviewer zunehmend politische Akteure und Wahlkandidaten zu Gast haben, will Arcom seinen Regulierungsrahmen vor dem Präsidentschaftsrennen 2027 festlegen.


