
Französische Staatsanwaltschaft eröffnet IGPN-Ermittlungen zum Vorgehen der Polizei bei Schülerblockaden
Justizbehörden in ganz Frankreich haben mehrere Untersuchungen zu Polizeimaßnahmen während Schülerblockaden eingeleitet, darunter Vorwürfe sexueller Übergriffe in Metz sowie schwere Verletzungen im Val-d'Oise und in Tours.
Untersuchung des Falls Metz
Am 6. Oktober 2026 eröffnete die Staatsanwaltschaft Metz ein Ermittlungsverfahren zum Vorgehen eines Polizeibeamten in Zivil bei der Festnahme eines jungen Mädchens. Auslöser war ein im Internet verbreitetes Video, das die Abgeordnete Sophia Chikirou von La France Insoumise geteilt hatte und das einen Beamten am Boden neben einem festgehaltenen Mädchen zeigt, während er ihr Haar und ihre Brust berührt. Staatsanwalt David Touvet beauftragte die Generalinspektion der Nationalpolizei (IGPN) und die Zentralstelle zur Bekämpfung der Cyberkriminalität damit, das Material zu authentifizieren und die Umstände des Einsatzes zu klären.
Die Untersuchung befasst sich mit den Umständen der Festnahme des jungen Mädchens und soll klären, ob Handlungen vorlagen, die als sexueller Übergriff auf eine Minderjährige unter 15 Jahren zu werten sind.
Untersuchungen zu schweren Verletzungen von Schülern
Die Untersuchung in Metz folgt auf zehn weitere verwaltungsrechtliche und gerichtliche Ermittlungen, die die IGPN seit der Ausweitung der Mobilisierungen an Gymnasien im ganzen Land eingeleitet hat. In Saint-Ouen-l'Aumône im Département Val-d'Oise erlitt der 14-jährige Schüler Eden am 28. September 2026 vor dem Lycée professionnel Château d'Épluches schwere Gesichtsverletzungen. Videoaufnahmen zeigten eine Konfrontation mit drei behelmten Polizeibeamten, bei der der Jugendliche im Gesicht von einem Tränengaswerfer getroffen wurde. Der Schüler musste sich den Kiefer verdrahten lassen, nachdem er mehrere Zähne verloren hatte; die Staatsanwaltschaft Pontoise leitete daraufhin zwei Ermittlungen ein, darunter eine IGPN-Untersuchung und ein Verfahren wegen Gewalt gegen Polizeibeamte. Die Familie des Schülers bereitete eine Strafanzeige wegen versuchten Totschlags vor.
- Eden, 14, erleidet in Saint-Ouen-l'Aumône Gesichtsverletzungen durch einen Tränengaswerfer.
- Maël, 16, erleidet am Lycée Balzac in Tours eine schwere Augenverletzung.
- Das Innenministerium meldet 10 IGPN-Untersuchungen, während es in Rillieux-la-Pape zu einer Festnahme mit Hundeinsatz kommt.
- Die Staatsanwaltschaft Metz eröffnet eine IGPN-Untersuchung wegen eines möglichen sexuellen Übergriffs bei einer Festnahme.
In Tours im Département Indre-et-Loire eröffnete Staatsanwältin Catherine Sorita-Minard eine separate IGPN-Untersuchung, nachdem der 16-jährige Schüler Maël am 30. September 2026 während einer Blockade am Lycée Balzac ein schweres Schädel-Hirn-Trauma erlitten hatte. Rechtsmedizinische Untersuchungen bestätigten, dass der Jugendliche auf einem Auge erblindet ist.
Streit um Hundeinsatz in Rillieux-la-Pape
Die Prüfung der Polizeiarbeit bei Protesten weitete sich auch auf die Kommunalpolizei im Département Rhône aus. Abdelkader Lahmar, Abgeordneter von La France Insoumise für den 7. Wahlkreis des Départements Rhône und Bürgermeister von Vaulx-en-Velin, erstattete am 6. Oktober 2026 im Zusammenhang mit einer Festnahme in Rillieux-la-Pape eine Anzeige nach Artikel 40 bei der Staatsanwaltschaft. Lahmar veröffentlichte Aufnahmen eines Einsatzes vom 5. Oktober 2026 und stellte Innenminister Laurent Nunez wegen des Einsatzes eines Polizeihundes gegen einen Jugendlichen zur Rede.
Der Bürgermeister von Rillieux-la-Pape, Alexandre Vincendet, verteidigte die an dem Einsatz beteiligten Beamten der Kommunalpolizei. Vincendet erklärte, der Hund sei während der gesamten Festhaltung mit Maulkorb und an der Leine geführt worden, und betonte, der Einsatz habe den üblichen polizeilichen Verfahren entsprochen. Der Vorfall folgt auf einen früheren Fall Ende März 2026 in derselben Gemeinde, in dem ein junger Mann Anzeige wegen vorsätzlicher Körperverletzung und versuchten Mordes erstattete, nachdem er einen Biss eines Polizeihundes in den Hals erlitten hatte, der zu acht Tagen vollständiger Arbeitsunfähigkeit führte.
Nationale Mobilisierung und Opferzahlen
Die wachsende Zahl interner Polizeiermittlungen geht einher mit weitverbreiteten Unruhen und Einsätzen der Sicherheitskräfte in französischen Städten. Offizielle Zahlen, die Anfang Oktober 2026 veröffentlicht wurden, verzeichneten 6.059 Festnahmen seit dem 28. September 2026. Die Regierung meldete, dass in diesem Zeitraum 715 Polizeibeamte und Gendarmen bei Zusammenstößen verletzt wurden.
- Festnahmen insgesamt
- 6059 Personen
- Verletzte Polizeibeamte und Gendarmen
- 715 Personen
- Verletzte Schüler
- 215 Personen
Das Hôtel Matignon erklärte, dass 215 Schüler bei den Protesten an den Gymnasien verletzt wurden. Das Büro des Premierministers führte die große Mehrheit dieser Verletzungen auf Unfälle oder Handlungen Dritter zurück und nicht auf direkte Polizeieingriffe.

