- 19.10.Marseille verbietet Demonstrationen und öffentliche Versammlungen bis 20:00 Uhr
- 20.10.Fußballspiel zwischen Paris Saint-Germain und Barcelona, das laut Regierung nicht verschoben wird
- 24.10.Gelbwesten-Gruppen rufen einen zweiten Protesttag aus
Krawalle am Wochenende in ganz Frankreich
Die Demonstrationen am Samstag, 17. Oktober, gegen die Lebenshaltungskosten und die Zustände im öffentlichen Bildungswesen eskalierten in mehreren französischen Städten. Nach Berichten der BBC umfasste die Menge mehr als eine halbe Million Menschen, überwiegend friedlich, doch Gruppen in schwarzer Kleidung und mit Masken verwüsteten Geschäfte und öffentliche Gebäude. Die BBC schätzte, dass rund 1.500 Geschäfte und Betriebe geplündert oder zerstört wurden, und das Innenministerium erklärte, etwa 1.000 Polizeibeamte seien verletzt worden, sieben von ihnen schwer. In Limoges zerstörte ein Feuer weite Teile des Rathauses, auch aus Paris, Lyon und Marseille wurden Zwischenfälle gemeldet. Berichten zufolge wurden mehr als 2.000 Betriebe schwer beschädigt, mit Kosten in Höhe von Hunderten Millionen Euro; Luxusboutiquen von Dior, Burberry und Louis Vuitton gehörten zu den Zielen.
Festnahmen und Gewahrsam
Die Pariser Staatsanwaltschaft erklärte, am Samstag seien 855 Menschen im Zusammenhang mit den Demonstrationen festgenommen worden, 557 von ihnen seien in Gewahrsam genommen worden, darunter 433 Erwachsene. Am Sonntag wurden weitere 208 Menschen festgenommen, 145 von ihnen kamen in Gewahrsam. Der Gewahrsam wurde für 278 Personen verlängert, vor allem wegen Diebstählen und Plünderungen auf den Champs-Élysées, am Châtelet, am Gare Saint-Lazare und auf der Place de la République. Die Associated Press zählte am Wochenende landesweit mindestens 2.400 Festnahmen.
- Samstag, 17. Oktober: Festnahmen
- 855 Personen
- Samstag, 17. Oktober: in Gewahrsam genommen
- 557 Personen
- Sonntag, 18. Oktober: Festnahmen
- 208 Personen
- Sonntag, 18. Oktober: in Gewahrsam genommen
- 145 Personen
Daten aus dem Artikeltext
Reaktion der Regierung
Am Montag, 19. Oktober, kündigte Premierminister Sébastien Lecornu an, Präfekturen und Gemeinden könnten teilweise Ausgangssperren verhängen, wo sie die öffentliche Ordnung oder lokale Betriebe gefährdet sehen. Die Maßnahmen würden lokal und nicht landesweit gelten, eine Karte der betroffenen Gebiete solle am Nachmittag nach Gesprächen mit den Bürgermeistern vorliegen. Ein Ausnahmezustand werde derzeit nicht erwogen, sagte er, könne aber ausgerufen werden, falls er für sinnvoll erachtet werde. Die BBC berichtete, Innenminister Laurent Nuñez habe am Montagmorgen seinen Rücktritt versucht, doch Präsident Emmanuel Macron habe ihn gebeten zu bleiben und Wege zu prüfen, die Sicherheit auf der Straße zu stärken. In einer Fernsehansprache am Sonntagabend rief Macron zur Einheit auf, machte revolutionäre Elemente aus radikalen linksextremen Gruppen verantwortlich und versprach, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.
Die extreme Linke und die Wahl 2027
Lecornu warf der extremen Linken vor, vor der Präsidentschaftswahl eine Destabilisierungskampagne zu verfolgen, und sagte, ein Netzwerk von Gruppen könne mobilisiert werden, um den Wahlkalender infrage zu stellen. Die Regierung bringt die Eskalation mit La France Insoumise in Verbindung, der Partei von Jean-Luc Mélenchon. Justizminister Gérald Darmanin sagte dem Sender France 2, die Sicherheitsdienste gingen gut mit Bedrohungen durch Terroristen und kriminelle Gruppen um, weniger gut jedoch mit denen linksextremer Demonstranten. NewsIT berichtete, die jüngsten Umfragen sähen die Rechtsextreme Marine Le Pen weiterhin auf Platz eins, während Mélenchon aufhole.
Wie es weitergeht
Die Gelbwesten-Bewegung hat für Samstag, 24. Oktober, einen zweiten Protesttag ausgerufen und eine Karte der geplanten Demonstrationen auf ihrer Website veröffentlicht. Benjamin Ball, der die Seite betreibt, sagte gegenüber AFP, es gebe eindeutig starken Rückenwind für eine zweite Mobilisierung. Studierende und Schüler, die gegen Lehrkräftemangel und schlechte Zustände an Schulen protestieren, haben sich mit den Gelbwesten abgestimmt und seit Wochen Schulen blockiert. Lecornu sagte, das Fußballspiel zwischen Paris Saint-Germain und Barcelona am 20. Oktober werde nicht verschoben.