
Frankreich blockiert Polymarket-Website nach 578.751 Besuchen trotz bestehendem Transaktionsverbot
Die französische Glücksspielaufsicht ordnete am Freitag an, dass Internetanbieter den Vorhersagemarkt blockieren, und ergänzt damit ein Transaktionsverbot aus dem Jahr 2024, nachdem die Besuche von französischen IPs im letzten Monat auf 578.751 gestiegen waren.
Die Sperrverfügung
Am 17. Juli 2026 ordnete die französische Glücksspielaufsicht, die Autorité nationale des jeux (ANJ), an, dass Internetdienstanbieter den Zugang zu Polymarket, einem in den USA ansässigen Online-Vorhersagemarkt, blockieren. Die Verfügung verschärft ein Verbot vom November 2024, das Finanztransaktionen von französischen Konten bereits untersagte. Bislang blieb die Startseite der Website zugänglich und zeigte Echtzeitquoten für Ereignisse wie Wahlen, internationale Konflikte und sogar die Rückkehr Jesu.
Werberechtliche Begründung
Die ANJ argumentiert, dass die fortgesetzte Verfügbarkeit der Website für einen nicht lizenzierten Glücksspielbetrieb als illegale Werbung zu werten sei. Die Behörde verwies auf die dynamische Anzeige von Quoten in Echtzeit als Werbemittel, auch wenn Nutzer keine Wetten aus Frankreich platzieren konnten.
Werbung, gleichgültig auf welche Weise, für eine nicht genehmigte Wett- oder Glücksspielseite ist eine Straftat.
Die Geldstrafen können bis zu 100.000 € betragen. Die Aufsichtsbehörde wies darauf hin, dass jeder, der Quoten von einer nicht genehmigten Seite verbreitet, mit derselben Strafe rechnen muss.
Besucheranstieg trotz Verbot
Trotz des Transaktionsverbots ist das französische Publikum von Polymarket stetig gewachsen. Im Juni 2026 verzeichnete die Website 578.751 Besuche und 205.057 einzelne Besucher von französischen IP-Adressen, so Daten der ANJ. Die Aufsichtsbehörde erklärte, die Plattform habe in den letzten zwei Jahren auf französischem Gebiet nicht aufgehört, Besucher zu gewinnen.
Was ist Polymarket?
Polymarket, gestartet 2020, ermöglicht Nutzern, auf nahezu jedes zukünftige Ereignis zu wetten – von Fußballspielen und Präsidentschaftswahlen bis zum Zeitpunkt der Rückkehr Jesu Christi oder eines Kampfes zwischen Elon Musk und Mark Zuckerberg. Anders als bei Sportwetten, bei denen die Termine feststehen, liege der Reiz der Plattform in ihrem Vorhersagecharakter, wobei hohe Quoten große Gewinne versprechen, aber laut ANJ erhebliche Suchtrisiken bergen. Die Website aktualisiert die Quoten in Echtzeit und schafft so eine dynamische Wettumgebung, die die französische Aufsichtsbehörde als inhärent werblich ansieht.
Kontroversen und Ermittlungen
Polymarket wurde mit mehreren spektakulären Vorfällen in Verbindung gebracht. Im April reichte Météo-France eine Beschwerde ein, nachdem eine ihrer Temperatursonden manipuliert worden war, angeblich um auf der Plattform Wetterwetten zu beeinflussen. Die Staatsanwaltschaft Paris leitete am 4. Mai 2026 ein Ermittlungsverfahren wegen Cyberkriminalität ein, das dem Office anti-cybercriminalité (OFAC) zugewiesen wurde.
In den Vereinigten Staaten sieht sich ein Soldat Bundesanklagen gegenüber, weil er geheime Informationen genutzt haben soll, um auf die Januar-Operation zur Festnahme des ehemaligen venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro zu wetten – angeblich mit einem Gewinn von mehr als 400.000 $. Das Weiße Haus suspendierte am 16. Juli zudem einen Teleprompter-Betreiber wegen des Vorwurfs, er habe auf den Inhalt von Reden von Präsident Donald Trump gewettet.
Europäischer Kontext
Frankreich reiht sich in eine wachsende Liste europäischer Länder ein, die Vorhersagemärkte einschränken oder blockieren. In der Stellungnahme der ANJ werden Deutschland, Belgien, Rumänien, die Schweiz, Polen, die Niederlande, Griechenland, Italien, Portugal, Spanien, die Ukraine und die Tschechische Republik als Länder mit ähnlichen Maßnahmen genannt. Frankreich erlaubt Online-Sportwetten, aber das breitere Spektrum von Polymarket fällt nicht in den rechtlichen Rahmen. Die ANJ merkte an, dass der hybride Charakter dieser Märkte die unterschiedlichen Ansätze der Regulierungsbehörden weltweit erklären könnte.
- ANJ verbietet Finanztransaktionen zu Polymarket; Seite blockiert Wetten geografisch, aber Startseite bleibt zugänglich.
- Météo-France reicht Beschwerde wegen Hacking von Wettersonden im Zusammenhang mit Polymarket-Wetten ein.
- Staatsanwaltschaft Paris leitet Cyberkriminalitätsermittlungen zum Hacking von Sonden ein, die dem OFAC zugewiesen werden.
- Weißes Haus suspendiert Teleprompter-Betreiber wegen Wetten auf Inhalt von Trumps Reden.
- ANJ ordnet an, dass französische Internetanbieter den Zugang zu Polymarket vollständig blockieren.


