
Frankreich aktiviert erstmals Orsec-‚Extremhitze‘-Plan – dritte Hitzewelle treibt Temperaturen auf 40 °C
Am Freitag befanden sich bereits neun westliche Départements in Alarmstufe Rot, am Samstag sollen 24 folgen – betroffen sind 22,2 Millionen Menschen, während die Hitzewelle bis in die nächste Woche anhält.
Hitzewelle verschärft sich in ganz Frankreich
Frankreich erlebt seine dritte Hitzewelle innerhalb von weniger als zwei Monaten, wobei die Temperaturen in den westlichen Regionen voraussichtlich 40 °C erreichen werden. Météo-France hat am Freitag, den 10. Juli, neun Départements im Westen – darunter Ille-et-Vilaine, Loire-Atlantique und Vendée – in Alarmstufe Rot versetzt. Weitere 72 Départements waren in Alarmstufe Orange. In der Nacht vom 8. auf den 9. Juli verzeichnete die Gemeinde Vivès in den Pyrénées-Orientales eine Tiefsttemperatur von 30,6 °C – der höchste jemals auf dem französischen Festland registrierte Wert.
Am Samstag, den 11. Juli, wird die Alarmstufe Rot auf 24 Départements im nordwestlichen Viertel ausgeweitet, von Morbihan bis zur Region Paris, während 56 weitere Départements in Orange bleiben. Nach einer AFP-Berechnung auf Basis von Insee-Daten werden 22,2 Millionen Einwohner von der Alarmstufe Rot betroffen sein – dreimal so viele wie am Freitag. Insgesamt befinden sich rund 54 Millionen Menschen in Alarmstufe Orange oder Rot. Météo-France warnte, dass die Hitze am Wochenende noch zunehmen werde, mit tropischen Nächten in weiten Teilen des Landes und möglichen heftigen Gewittern im Westen.
Ein Novum: der Orsec-‚Extremhitze‘-Plan
Die Regierung gab am Freitag die Aktivierung eines Plans Orsec chaleurs extrêmes bekannt, den Sprecherin Maud Bregeon als Maßnahme bezeichnete, „die es bislang nicht gab“. Der Plan wird nicht bei Erreichen einer festgelegten Temperaturschwelle ausgelöst, sondern folgt einer Gesamtbewertung, die Dauer und Intensität der Hitzewelle berücksichtigt.
Ziel dieses Orsec-‚Extremhitze‘-Plans, den es bisher nicht gab, ist es, die Erfahrungen der jüngsten Hitzewellen zu berücksichtigen.
Er ermöglicht es den Präfekten, staatliche Dienste, lokale Behörden, Notfallkräfte sowie Akteure des Gesundheits- und Sozialwesens zu koordinieren. Eine vorläufige Version wurde während einer interministeriellen Krisensitzung am 2. Juli 2026 in Marseille vorgestellt.
Kühlzentren und Register für gefährdete Personen
Im Rahmen des Plans muss jedes Département spezielle Schutzzentren und Kühlräume für gefährdete Personen – darunter ältere Menschen und Obdachlose – einrichten. Die Zentren sollen mit Betten, Erste-Hilfe-Kästen, getrennten Sanitäranlagen und verstärkter menschlicher Betreuung ausgestattet sein, mit systematischen Gesundheitschecks bei der Ankunft.
Solche Zentren waren bereits geöffnet oder zumindest tagsüber verfügbar, insbesondere in Rathäusern, damit sich die Menschen abkühlen konnten. Hier gehen wir zwei oder sogar drei Schritte weiter – zunächst mit dem Fokus auf die verletzlichsten Personen, mit einer besseren Datenvernetzung.
Die Präfekten müssen sich auf präzise, aktuelle Register der gefährdeten Bevölkerungsgruppen stützen, die in Zusammenarbeit mit den Gemeinden, den kommunalen Sozialzentren (CCAS), den Sozialdiensten und der Familienkasse (CAF) erstellt wurden.
Brandgefahr und klimatischer Hintergrund
Die Kombination aus Hitze und Trockenheit führt landesweit zu einer außergewöhnlichen Waldbrandgefahr. Seit Jahresbeginn sind mehr als 25.000 Hektar verbrannt – fast doppelt so viel wie zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr, so Schätzungen des Zivilschutzes. Der Plan Orsec forêt wurde zuvor während der verheerenden Brände 2022 in der Gironde aktiviert, bei denen in Landiras und La Teste-de-Buch über 30.000 Hektar verbrannten.
Die 40-Grad-Marke kann erreicht werden.
Die wiederholten Hitzewellen sind – so Klimawissenschaftler – ein eindeutiges Zeichen des Klimawandels, der hauptsächlich durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas verursacht wird. Der Haut Conseil pour le climat warnte am Donnerstag, dass die französischen Maßnahmen zur Dekarbonisierung und Anpassung nach wie vor unzureichend seien.
Reaktion der Regierung und Bereitschaft der Krankenhäuser
Premierminister Sébastien Lecornu leitete am Freitagmorgen eine interministerielle Krisensitzung. Bregeon erklärte, dass 6.000 der 30.000 für Krankenhäuser versprochenen Klimaanlagen bereits installiert seien; der Rest werde schrittweise ausgeliefert. Nur Korsika, die Côte d’Azur, der äußerste Norden und einige Bergdépartements werden voraussichtlich von den extremen Temperaturen verschont bleiben. Die Hitzewelle soll mindestens bis zur Mitte der nächsten Woche andauern.
- Rekord-Tiefsttemperatur: 30,6 °C in Vivès (Pyrénées-Orientales), der höchste jemals in Frankreich gemessene Minimalwert.
- Neun Départements im Westen in Alarmstufe Rot, 72 in Orange. Aktivierung des Orsec-‚Extremhitze‘-Plans.
- Ausweitung auf 24 Départements in Alarmstufe Rot, 56 in Orange. 22,2 Millionen Einwohner betroffen.
- Die Hitzewelle soll mindestens bis zur Mitte der nächsten Woche anhalten.


