
EU warnt Meta vor ‚süchtig machendem‘ Facebook- und Instagram-Design und droht mit Milliardenstrafe
Die Europäische Kommission hat Meta eine deutliche Warnung ausgesprochen: Das ‚süchtig machende‘ Design von Facebook und Instagram verstoße möglicherweise gegen EU-Digitalregeln, und sie fordert Änderungen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen.
Die vorläufigen Feststellungen der Kommission
Die Europäische Kommission hat vorläufige Feststellungen getroffen, wonach die Plattformen von Meta, Facebook und Instagram, ein ‚süchtig machendes‘ Design aufweisen, das gegen das Gesetz über digitale Dienste der EU verstoßen könnte. Die Kommission hob Funktionen wie endloses Scrollen, automatisch ablaufende Videos und personalisierte Empfehlungsalgorithmen hervor und argumentierte, dass diese das Risiko einer ‚zwanghaften Nutzung‘ förderten – eine Gefahr, die sie besonders für Kinder und Jugendliche als akut erachtet. In den Feststellungen heißt es, dass dieser endlose Strom von Inhalten das Gehirn in den ‚Autopilot-Modus‘ versetzen und zu ungesunden Gewohnheiten beitragen könne. Die EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen betonte die Haltung des Blocks in einer Erklärung.
Der Schutz der körperlichen und psychischen Gesundheit der Europäer muss für soziale Medienplattformen eine Priorität sein.
Die zweijährige Untersuchung der Kommission kam zu dem Schluss, dass Meta es versäumt habe, die von seinen Plattformdesigns ausgehenden Risiken angemessen zu bewerten. Sie kritisierte insbesondere Funktionen wie Reels und Stories. Den Feststellungen zufolge können Metas bestehende Zeitmanagement-Tools, selbst wenn sie für Teenager standardmäßig aktiviert sind, leicht abgewiesen werden und die Nutzung nicht wirksam reduzieren. Die EU kritisierte auch die elterlichen Kontrollen und argumentierte, dass diese nur wirksam seien, wenn Eltern die Zeit und das technische Fachwissen hätten, um sie richtig zu verstehen und anzuwenden.
Metas Reaktion und mögliche Strafe
Meta wehrte sich umgehend gegen die vorläufigen Feststellungen. Ein Unternehmenssprecher teilte der BBC mit, man sei mit der Bewertung nicht einverstanden und sie berücksichtige die ergriffenen Maßnahmen nicht angemessen.
Die Feststellungen berücksichtigen nicht angemessen die bedeutenden Schritte, die wir zum Schutz von Teenagern unternommen haben.
Meta verwies auf die Einführung von Teen-Konten, die ‚Jugendliche automatisch schützen und den Eltern die Kontrolle geben – indem sie ihnen erlauben, den Zugang zu Instagram nachts zu blockieren und die tägliche Bildschirmzeit auf nur 15 Minuten zu begrenzen‘. Das Unternehmen hat nun die Möglichkeit, auf die Bedenken der EU zu reagieren, wobei deutsche Medien anmerken, dass es keine festgelegte Frist für seine Stellungnahme gibt. Sollte Meta die Kommission nicht zufriedenstellen, droht eine Geldstrafe von bis zu 6 % seines gesamten weltweiten Jahresumsatzes. Laut tagesschau.de könnte dies mehr als 12 Milliarden US-Dollar (etwa 10,5 Milliarden Euro) betragen. Der Artikel merkt auch an, dass die EU gleichzeitig ein ähnliches Verfahren gegen TikTok wegen Abhängigkeitsrisiken führt.
Der Vorstoß für ein EU-weites Verbot
Über die unmittelbaren Verwarnungen an Meta hinaus arbeitet die Europäische Kommission an umfassenderen gesetzgeberischen Maßnahmen. POLITICO berichtet, dass Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen persönlich einen Vorstoß für EU-weite Altersbeschränkungen in sozialen Medien vorantreibt. Vier Beamte deuteten an, dass von der Leyen bereits im September Pläne für diese Beschränkungen vorstellen könnte. Dies folgt auf einen POLITICO-Bericht vom März, wonach die Technologieabteilung der Kommission bereits einen Gesetzesentwurf erstellt hatte.
Normalerweise ist es besser, das Problem zu erklären und hoffentlich die beste Lösung für das Problem zu finden. Wenn Sie bereits gesagt haben, dass wir ein Verbot anstreben und nach einem Weg suchen, wie wir es umsetzen können, dann ist das etwas voreingenommen.
Ein Expertenbericht unter der Leitung des Kinderpsychiaters Jörg Fegert und der Sozialepidemiologin Maria Melchior wurde veröffentlicht, um eine ‚Evidenzbasis‘ für ein etwaiges Verbot zu liefern. Gegner wie die estnische Justiz- und Digitalministerin Liisa-Ly Pakosta argumentieren jedoch, dass das Verfahren auf ein vorbestimmtes Ergebnis ausgerichtet sei. Der Schritt reiht Europa in einen globalen Trend ein, da Australien, Indonesien und Malaysia bereits Altersbeschränkungen durchgesetzt haben, während die Türkei, Frankreich und das Vereinigte Königreich ihre eigenen Gesetze vorantreiben.


