Fränkische Winzer beginnen frühe Lese – Klimawandel und steigende Kosten setzen zu
Fränkische Winzer beginnen ihre Lese bis zu vier Wochen früher als vor zwanzig Jahren und kämpfen mit niedrigerer Traubensäure, steigenden Produktionskosten und wechselnden Rebsorten.
Frühere Lesezeitpläne in Franken
Rund 3.400 Winzer im Fränkischen Weinbaugebiet, das sich zwischen Bamberg und Aschaffenburg erstreckt, beginnen mit der jährlichen Hauptlese. Der jahreszeitliche Rhythmus hat sich in den letzten Jahrzehnten im Vergleich zu historischen Durchschnittswerten verkürzt. Im Zeitraum 1971 bis 2000 dauerte die Zeitspanne von der Blüte bis zur Lese durchschnittlich 102 Tage. In den letzten 25 Jahren sank diese Spanne auf durchschnittlich 96 Tage, was die Winzer zwingt, die Trauben in engen Zeitfenstern zu lesen. Um das Jahr 2000 begann die Lese früher Rebsorten Ende September vor der Hauptlese im Oktober. Daniel Heßdörfer, Experte am Institut für Weinbau und Oenologie der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, erklärte die Beschleunigung.
Wir sind jetzt fast vier Wochen früher dran.
- Durchschnitt 1971–2000
- 102 Tage
- Durchschnitt der letzten 25 Jahre
- 96 Tage
Chemische Balance und Gärungsrisiken
Die frühere Fruchtreife führt in den fränkischen Weingütern zu spezifischen Problemen im Keller. Steigende Temperaturen beschleunigen die Zuckeranreicherung in den Trauben, während sie den natürlichen Säuregehalt senken. Erhöhte Zuckerkonzentrationen führen bei der Gärung zu höheren Alkoholgehalten, was der Verbrauchernachfrage nach leichteren Weinen widerspricht. Zudem neigt Most mit niedrigem Säuregehalt zu Gärfehlern, da Bakterien und wilde Hefen anstelle ausgewogener Aromaprofile Fehlnoten erzeugen. Eine Lese vor der vollständigen physiologischen Reife erhält zwar den Säuregehalt, geht aber zu Lasten des Traubenaromas. Daniel Heßdörfer wies darauf hin, dass das Management dieses Zielkonflikts zwischen Zuckergehalt und Aromareife eine zentrale Herausforderung für die Winzer bleibt. Michael Zehnder vom Fränkischen Weinbauverband skizzierte die ungleichen Bedingungen für die örtlichen Winzer.
Der Reifezeitpunkt ist in diesem Jahr sehr stark von der jeweiligen Weinbergslage und der Wasserversorgung abhängig.
Sortenwechsel und klimatischer Druck
Klimatische Extreme wie Hitzewellen und anhaltende Trockenheit erzwingen Veränderungen in der Weinbergszusammensetzung. Junge Reben und neu angelegte Parzellen bleiben trotz Zusatzbewässerung in einem prekären Zustand, während ältere Reben aufgrund tieferer Wurzelstrukturen besser zurechtkommen. Frühreifende Sorten wie Bacchus und Müller-Thurgau dürften in den kommenden Jahren ersetzt werden müssen. Die regionale Leitsorte Silvaner weist eine höhere Widerstandsfähigkeit auf, benötigt aber dennoch ausreichende Wasserreserven für die Fruchtentwicklung. Die Winzer setzen langfristig auf hitzetolerante Sorten wie Chardonnay und Burgunder.
Das muss natürlich auch im Einklang mit der Marktnachfrage geschehen.
Wirtschaftlicher Druck auf den deutschen Weinbau
Der Klimawandel fällt mit sich verschlechternden wirtschaftlichen Margen für die heimischen Erzeuger zusammen. Der deutsche Alkoholkonsum geht weiter zurück, und nur vier von zehn bundesweit konsumierten Weinflaschen stammen aus deutschen Weinbergen. Die Produzenten sehen sich zudem mit steigenden Nebenkosten konfrontiert, darunter Treibstoffpreise und höhere gesetzliche Mindestlöhne. 2025 verzeichnete Franken 380.771 Hektoliter Wein auf rund 6.000 Hektar Ertragsrebfläche, was einem Durchschnittsertrag von 72 Hektolitern pro Hektar (etwa zwei Bocksbeutel pro Rebe) entspricht. Die langjährige Jahresproduktion der Region liegt im Schnitt bei rund 400.000 Hektolitern. Qualitätswein mit Prädikat (Prädikatswein) macht fast 56 % der bayerischen Weinproduktion aus, was rund 38 Millionen Litern oder über 50 Millionen Flaschen entspricht. Angesichts wirtschaftlicher und ökologischer Belastungen roden mehrere Betriebe Flächen oder prüfen alternative mediterrane Kulturen wie Oliven.
- Jahresdurchschnitt
- 400000 hl
- Erzeugung 2025
- 380771 hl

