
Deutschland senkt Luftverkehrsteuer um bis zu 11,40 Euro pro Flug – Airlines bezeichnen die Entlastung als „Tropfen auf den heißen Stein“
Eine Senkung der Luftverkehrsteuer um 355 Millionen Euro tritt am 1. Juli in Kraft und senkt die Flugpreise auf dem Papier. Branchenverbände und Verbraucherschützer warnen jedoch, dass höhere Kerosinkosten und die Strategien der Fluggesellschaften jeden Vorteil für die Passagiere zunichtemachen könnten.
Die deutsche Bundesregierung hat eine lang diskutierte Senkung der Luftverkehrsteuer durchgesetzt, die am 1. Juli 2026 in Kraft tritt. Die Maßnahme rollt einen Teil der zuletzt 2024 verhängten Erhöhungen zurück mit dem erklärten Ziel, den Luftverkehr in einem Markt wiederzubeleben, der seit der Pandemie hinter dem übrigen Europa zurückgeblieben ist.
Wie stark die Steuer sinkt
Kurzstreckenflüge innerhalb Europas und Inlandsflüge werden um 2,50 Euro von 15,53 Euro auf 13,03 Euro pro Passagier günstiger. Mittelstrecken (2500 bis 6000 km) sinken um 6,33 Euro auf 33,01 Euro, während Langstrecken über 6000 km um 11,40 Euro auf 59,43 Euro reduziert werden. Der Bundestag verabschiedete die Änderung im Mai und sie kostet den Bundeshaushalt bis zu 355 Millionen Euro jährlich an entgangenen Einnahmen, die innerhalb des Verkehrsministeriumsetats ausgeglichen werden sollen.
- Kurzstrecke (EU/Inland)
- 2.5 €
- Mittelstrecke (2500–6000 km)
- 6.33 €
- Langstrecke (über 6000 km)
- 11.4 €
Die Senkung wurde von Flughäfen und Fluggesellschaften vorangetrieben, die Deutschlands hohe staatliche Kosten für die schwache Erholung des Luftverkehrs nach Covid verantwortlich machen. Viele Inlandsstrecken wurden ganz gestrichen, und Billigflieger wie Ryanair stellen ihre Maschinen lieber in günstigeren Märkten wie Polen oder Italien stationieren.
Skepsis der Fluggesellschaften
Die Fluggesellschaften haben die Senkung kühl aufgenommen. Eurowings-Chef Max Kownatzki tat sie als „Tropfen auf den heißen Stein“ ab. Sein Vorgänger Jens Bischof, heute Chef des Luftfahrtverbandes BDL, hatte zuvor eine vollständige Aussetzung der Ticketsteuer während des Irankriegs gefordert. Die Branche verweist zudem auf stark gestiegene Kerosinkosten, die die moderate Steuerentlastung schnell wieder auffressen könnten.
Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein.
Werden die Passagiere sparen?
Theoretisch geben die hochflexiblen Preissysteme der Airlines Steuern direkt an die Kunden weiter. Die Gesellschaften räumen jedoch offen ein, dass andere Kostenbestandteile, insbesondere Treibstoff, die Senkung absorbieren könnten. Eurowings hat erklärt, dass höhere Kerosinausgaben die niedrigere Steuer schnell überlagern könnten. Die Ticketpreise hängen letztlich weit mehr von Angebot und Nachfrage ab, sodass ein sichtbarer Preisrückgang unwahrscheinlich ist.
Weiterer Kontext
Die Senkung der Luftverkehrsteuer fällt mit mehreren anderen ordnungspolitischen Änderungen in Deutschland zum 1. Juli zusammen: einer neuen Steuererklärungs-App per Knopfdruck für 11,5 Millionen Steuerzahler, einer Rentenerhöhung um 4,24 Prozent für 21 Millionen Rentner und strengeren Regeln für Sozialleistungsempfänger. Die Flugsteuer dominiert jedoch die Schlagzeilen wegen der Debatte, ob eine Steuerentlastung tatsächlich die Konnektivität ankurbeln kann oder lediglich die Gewinnmargen der Fluggesellschaften polstert.


