
Verdächtiger Sprengkörper nahe ukrainischem Antonov-Frachtflugzeug legt Flughafen Leipzig/Halle über Nacht lahm
Ein verdächtiger Sprengkörper, der in der Nähe einer ukrainischen Antonov An-124-Frachtmaschine gefunden wurde, zwang den Flughafen Leipzig/Halle in der Nacht vom 4. auf den 5. August 2026 zur Einstellung des Flugbetriebs. Ein DHL-Frachter kollidierte in der Nähe mit einem unbekannten Objekt und wich nach Hannover aus.
Nächtliche Schließung in Leipzig/Halle
Der Flughafen Leipzig/Halle, eines der größten Frachtdrehkreuze Europas mit etwa 2,2 Millionen Passagieren pro Jahr, stellte in der Nacht vom 4. auf den 5. August 2026 den gesamten Flugbetrieb ein, nachdem ein verdächtiger Sprengkörper auf dem Vorfeld nahe einer ukrainischen Antonov An-124 "Ruslan"-Frachtmaschine der Antonov Airlines gefunden worden war. Der Gegenstand wurde um 23:42 Uhr am 4. August entdeckt. Polizeisprecher Olaf Hoppe sagte, ein Flugobjekt sei gesichtet worden und ein weiterer Gegenstand in der Nähe der südlichen Startbahn gefunden worden; die Polizei wollte nicht bestätigen, dass es sich bei dem Gesichteten um eine Drohne handelte. Die Bild berichtete aus Sicherheitskreisen, dass an dem Gerät Sprengstoff und ein Zünder angebracht gewesen sein sollen, und die Ermittler behandelten es als möglichen Sprengkörper. Vorläufige Tests hätten das Vorhandensein von Nitraten ergeben, die als Sprengstoff geeignet seien, so Die Welt. Der Sprengkörper wurde am 5. August entschärft; wnp.pl berichtete, die Ladung sei eine Mischung aus Düngemitteln und Benzin gewesen, relativ einfach herzustellen.
Kollision mit DHL-Frachtflugzeug
Als der Flughafen geschlossen wurde, brach ein DHL-Frachtflugzeug seine Landung ab und stieg wieder auf. In einer Höhe von etwa 400 Metern und etwa 6 bis 6,5 Kilometer östlich der Startbahn kollidierte es mit einem unbekannten Objekt. Die Maschine wich nach Hannover aus und landete sicher. Bei einer Nachfluginspektion wurden leichte Schäden am vorderen Rumpfbereich festgestellt. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums bestätigte die Kollision. Die Behörden in Niedersachsen leiteten ein separates Ermittlungsverfahren ein und stuften den Fall als Straftat gegen die Staatssicherheit ein. Die Ermittler haben nicht geklärt, ob die Kollision mit dem neben der südlichen Startbahn gefundenen Gegenstand zusammenhängt.
- Gegenstand auf Vorfeld nahe ukrainischer Antonov An-124-Frachtmaschine gefunden
- Leipzig/Halle stellt den gesamten Flugbetrieb ein
- DHL-Frachtflugzeug bricht Landung ab, kollidiert in ~400m Höhe mit unbekanntem Objekt, weicht nach Hannover aus
- Bild berichtet aus Sicherheitskreisen, dass das Gerät Sprengstoff und Zünder trug
- Generalbundesanwalt übernimmt Ermittlungen; Reuters berichtet, Drohne trug Sprengladung
- Innenminister Dobrindt bezeichnet Vorfall in der ARD als 'neue Qualität der Bedrohung'
Ermittlungen und politische Reaktion
Der deutsche Generalbundesanwalt übernahm die Ermittlungen vor 14:00 Uhr am 5. August, wobei Staatsanwälte des ZESA-Extremismusreferats und der nationalen Antiterroreinheit beteiligt waren. Reuters berichtete, die Staatsanwaltschaft habe erklärt, die Drohne habe eine Sprengladung getragen. Die Bild schrieb, die Behörden vermuteten, dass das Gerät zum Flughafen geflogen sei und nicht dort platziert wurde. Die Suche nach dem Betreiber blieb erfolglos. Die Polizei in Sachsen und Niedersachsen führt getrennte Verfahren.
Innenminister Alexander Dobrindt brach einen Auslandsurlaub ab und kehrte nach Leipzig zurück, um sich mit ranghohen Beamten zu treffen. In einem Interview mit dem ARD-Fernsehen bezeichnete er den Vorfall als eine "neue Qualität der Bedrohung" und ein "hybrides Angriffsszenario".
Zum ersten Mal wurde eine Drohne mit Sprengstoff auf dem Gelände eines Flughafens entdeckt. Wir müssen uns der Bedrohung bewusst sein. Die Politik muss auf diese Bedrohung reagieren.
Dobrindt sagte, der Sprengkörper sei "nicht die Arbeit von Amateuren, sondern die Arbeit von hochklassigen Profis" gewesen und dass ausländische Mächte dahinter stecken könnten, warnte jedoch, dass noch nichts bewiesen werden könne. Nach Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung, die sich auf Ermittlungsdokumente beriefen, sei der Flughafen nur knapp einer Katastrophe entgangen: Der Zünder in dem an dem Gerät angebrachten Paket habe sich gelöst und so eine Explosion verhindert. Sachsens Innenminister Armin Schuster nannte den Vorfall "sehr ernst".
Hintergrund
Leipzig/Halle ist ein wichtiger Knotenpunkt für westliche Militärhilfe an die Ukraine; Antonov Airlines verlegte ihre Flotte nach der russischen Vollinvasion 2022 dorthin. Im Juli 2024 fing ein aus den baltischen Staaten versandtes Paket im DHL-Logistikzentrum in Leipzig Feuer; der deutsche Verfassungsschutz bewertete, dass wahrscheinlich russische Dienste dahinter steckten. Deutsche Flughäfen waren im vergangenen Jahr wiederholt von Drohnenstörungen betroffen, wobei einige Vorfälle im Verdacht standen, russische Agenten involviert zu haben.


