
Fluggesellschaften und Flughäfen fordern EU-Aussetzung der Grenzkontrollen – Fünf-Stunden-Warteschlangen belasten Sommerreiseverkehr
Fluggesellschaften und Flughafenverbände drängen die Europäische Kommission, die Aussetzung ihres neuen digitalen Grenzkontrollsystems zu erlauben, nachdem Passagiere bis zu fünf Stunden warten mussten, Flüge verpassten und Flugzeuge halb leer abflogen.
Steigende Warteschlangen in ganz Europa
Seit das Einreise-/Ausreisesystem (EES) im April 2026 vollständig in Betrieb genommen wurde, haben Nicht-EU-Reisende mit erheblichen Verzögerungen an den Schengen-Grenzkontrollen zu kämpfen. Die Branchenverbände ACI Europe, Airlines for Europe und IATA warnten in einem offenen Brief, dass die Wartezeiten in Spitzenzeiten bis zu fünf Stunden betragen. Ryanair identifizierte sieben Flughäfen, die bereits erhebliche Störungen aufweisen: Teneriffa Süd, Palma, Alicante und Málaga in Spanien, Mailand Bergamo in Italien, Krakau in Polen und Paris Beauvais in Frankreich. Der Flughafen Berlin meldete Warteschlangen von ein bis zwei Stunden, während auch die Terminals in Dover und am Eurotunnel lange Wartezeiten verzeichneten.
Branche fordert sofortige Aussetzung
In ihrem Brief an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärten die Verbände, dass „wir einen kritischen Punkt erreicht haben“ und forderten die Flexibilität für die Mitgliedstaaten, die EES-Kontrollen vollständig auszusetzen, sobald die Passagierzahlen die Betriebskapazität überschreiten. Ryanairs Betriebsdirektor Neal McMahon sagte, dass „Passagiere und Familien nicht als Versuchskaninchen für ein halbgares Passkontrollsystem benutzt werden sollten“. Der World Travel and Tourism Council unterstützte den Aufruf und warnte, dass bis zu 41 Millionen Passagiere in diesem Sommer von Störungen betroffen sein könnten.
Betriebliche Belastung und Auswirkungen auf Passagiere
Flüge starten mit halb leeren Kabinen, weil Passagiere in Grenzschlangen feststecken. Im Mai kam es am Hafen von Dover zu einem kritischen Vorfall mit Wartezeiten von viereinhalb Stunden. Die Passagierin Anne Robinson berichtete, dass sie dreieinhalb Stunden vor ihrem Flug am Flughafen Rom ankam, nur um festzustellen, dass die meisten EES-Geräte außer Betrieb waren; sie und ihr Sohn verpassten ihren Heimflug nach einer 90-minütigen Warteschlange. Die Lobbyverbände sagten, dass einige internationale Reisende ihre Europareisen aufgrund des Risikos übermäßiger Verzögerungen überdenken.
Reaktion der Kommission
Die Europäische Kommission hat Vertreter der Luftfahrtbranche zu einem dringenden Treffen am nächsten Dienstag eingeladen, um die Bedenken zu erörtern. Einzelne Mitgliedstaaten hatten bereits die Möglichkeit, die biometrische Erfassung bis Anfang September auszusetzen, aber die Branche argumentiert, dass diese Flexibilität die Störungen nicht verhindern konnte. Fluggesellschaften und Flughäfen wollen eine vollständige Aussetzung zumindest für Juli und August, wobei Ryanair eine Verschiebung bis September und andere eine einjährige Pause fordern.
Ausblick auf den Sommerhöhepunkt
Europäische Flughäfen rechnen damit, im Juli und August rund 40 Millionen mehr Passagiere abzufertigen als in den beiden Vormonaten. Ohne zusätzliche Maßnahmen werde sich die Lage weiter verschlechtern, so Branchenführer, und den Ruf Europas als einladendes Reiseziel untergraben.
- Teilweise Einführung des EES beginnt mit Option für Opt-out der Mitgliedstaaten
- EES wird im gesamten Schengen-Raum vollständig in Betrieb genommen
- Hafen von Dover erklärt kritischen Vorfall nach 4,5-stündigen Wartezeiten
- Passagiere berichten von verpassten Flügen und 90-minütigen Warteschlangen am Flughafen Rom
- Offener Brief der Branche warnt vor 'kritischem Punkt'; EU-Kommission beruft dringendes Treffen ein
Es gibt so viele Subsysteme für jeden einzelnen Mitgliedstaat. Die Komplexität unterstützt keine reibungslose Abfertigung an der Grenze.


