
Fluggesellschaften fordern EU auf, biometrische Grenzkontrollen auszusetzen – Fünf-Stunden-Schlangen lassen Flüge halb leer
Europäische Fluggesellschaften und Flughäfen haben Brüssel mitgeteilt, dass das Einreise-/Ausreisesystem Wartezeiten von bis zu fünf Stunden verursacht, und warnen vor einem kritischen Punkt zu Beginn der Sommerhochsaison.
Eine neue digitale Grenze
Seit Oktober 2025 führt die EU schrittweise das Einreise-/Ausreisesystem (EES) ein, das physische Passstempel durch automatisierte biometrische Registrierung ersetzt. Nicht-EU-Bürger, die für Kurzaufenthalte im Schengen-Raum reisen, müssen nun bei der Ankunft an ihrem Zielflughafen Fingerabdrücke und ein Foto abgeben. Das System wurde am 10. April 2026 vollständig verpflichtend und gilt für alle Schengen-Staaten mit Ausnahme von Zypern und Irland sowie für die Nicht-EU-Schengen-Mitglieder Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz.
Chaos an den Gates
Mit Beginn der Sommerferienzeit erklärt die Branche, dass das System unter Spitzenlasten zusammenbricht. In einem offenen Brief an Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen berichten ACI Europe, Airlines for Europe (A4E) und die International Air Transport Association (IATA), dass die Wartezeiten an Grenzkontrollpunkten in Stoßzeiten fünf Stunden erreicht haben.
Wir haben einen kritischen Punkt erreicht. Passagiere mussten bereits lange Zeit außerhalb der Terminals und auf exponierten Vorfeldern anstehen, weil die Grenzkontrollstellen die Ankünfte nicht schnell genug abfertigen können.
Der Brief fügt hinzu, dass die Verzögerungen Millionen von Reisenden betreffen, die in den Schengen-Raum einreisen, darunter Familien mit kleinen Kindern, ältere Menschen und Passagiere mit eingeschränkter Mobilität.
Halb leere Flugzeuge und verlorene Anschlüsse
Fluggesellschaften und Flughäfen beschreiben eine wachsende Betriebskrise. Flüge starten mit Dutzenden leeren Sitzen, weil Passagiere zum Zeitpunkt des Gate-Schließens noch in Einreisekontrollschlangen feststecken. Einige Flugzeuge haben den Start verzögert, um auf gestrandete Reisende zu warten; andere sind einfach ohne sie abgeflogen. Die Verbände warnen vor verlorenen Anschlüssen, wachsendem Druck auf das Personal an vorderster Front und einer untragbaren Belastung der Grenzbehörden.
- Die schrittweise Einführung des Einreise-/Ausreisesystems beginnt und ersetzt physische Passstempel durch digitale biometrische Registrierung für Nicht-EU-Kurzzeitreisende.
- Die vollständige Umsetzung des EES wird im gesamten Schengen-Raum verpflichtend.
- Griechenland setzt die biometrischen EES-Kontrollen für britische Reisende bis September aus, um ein sommerliches Verkehrschaos zu vermeiden.
- Offener Brief von ACI Europe, A4E und IATA warnt vor einem 'kritischen Punkt' mit fünfstündigen Schlangen und halb leeren Flügen und fordert Aussetzungsrechte für Juli und August.
- Die Europäische Kommission antwortet, dass die meisten Flughäfen gut zurechtkommen, und kündigt ein Treffen mit der Branche in den kommenden Tagen an.
- Branchenfrist für einen dauerhaften Ausnahmemechanismus, der es den Staaten erlauben würde, EES-Kontrollen auszusetzen.
Das Ultimatum der Branche
Die drei Organisationen fordern sofortige Flexibilität. Sie wollen, dass die EU-Mitgliedstaaten die biometrischen EES-Kontrollen im Juli und August „vollständig aussetzen“ dürfen, wenn das Passagieraufkommen die Betriebskapazität der Grenzeinrichtungen übersteigt. Bis September fordern sie zudem einen dauerhaften Mechanismus, der es den nationalen Behörden ermöglicht, das System in Ausnahmefällen abzuschalten. Allein zwischen Juli und August erwarten die europäischen Flughäfen rund 40 Millionen mehr Passagiere als in den beiden vorangegangenen Monaten – ein Volumen, das die aktuelle Infrastruktur nach Angaben der Unterzeichner nicht bewältigen kann.
Brüssel wehrt sich
Die Europäische Kommission räumte den Druck ein, bestand jedoch darauf, dass die meisten Flughäfen den Übergang gut bewältigen. Innenpolitischer Sprecher Markus Lammert sagte Reportern, alle Mitgliedstaaten hätten erklärt, sie seien für das System bereit, das die Sicherheit verbessern und gleichzeitig reibungsloses Reisen ermöglichen solle.
Das Einreise-/Ausreisesystem wurde im vergangenen Oktober schrittweise aktiviert, und alle Mitgliedstaaten haben erklärt, dass sie bereit sind, es anzuwenden. Die Mehrheit der Flughäfen wendet es reibungslos an.
Lammert sagte, die Kommission werde weiterhin diejenigen nationalen Behörden unterstützen, die noch nicht die notwendigen betrieblichen Ressourcen garantieren könnten. Ein Treffen mit Branchenvertretern sei in den kommenden Tagen geplant, allerdings sagte Brüssel nicht, ob es für die geforderte Aussetzung offen sei.
Frühe einseitige Aussetzungen
Einige Flughäfen sind bereits aus der Reihe getanzt. Griechenland hat die biometrischen EES-Kontrollen für britische Reisende bis September ausgesetzt, und der Chef der römischen Flughäfen, Marco Troncone, bezeichnete das Verfahren letzte Woche als unvereinbar mit den Spitzenströmen, die die italienische Hauptstadt erwartet. Die Branchenverbände wünschen sich eine europaweite Lösung, bevor sich die Lage im Juli weiter verschlechtert.


