Stuttgarter Korruptionsprozess gegen Justizbeamte: Plädoyers beginnen, Urteil heute möglich
Das Stuttgarter Landgericht hört die Schlussplädoyers in einem Korruptionsprozess, der sich um ein Datenleck in der Staatsanwaltschaft dreht. Ein Urteil ist noch heute möglich.
Plädoyers und mögliches Urteil
Das Stuttgarter Landgericht wird am 4. August 2026 um 13:30 Uhr die Schlussplädoyers im Prozess gegen fünf Angeklagte hören, denen vorgeworfen wird, ein Bestechungssystem betrieben zu haben, das vertrauliche Informationen aus der Staatsanwaltschaft der Stadt abgezogen hat. Der vorsitzende Richter hat angedeutet, dass noch am selben Tag ein Urteil verkündet werden könnte, womit ein Fall endet, der ein kriminelles Datenleck in der Justiz Baden-Württembergs offengelegt hat.
Die Vorwürfe
Zwei Angestellte der Stuttgarter Staatsanwaltschaft, eine leitende Justizsekretärin und ein Hilfskraftarbeiter, sollen mit interner Software vertrauliche Details aus laufenden Ermittlungen abgerufen und an zahlende Kunden weitergegeben haben. Im Gegenzug, so die Staatsanwaltschaft, erhielten die beiden Bargeld und Schmuck. Drei weitere Angeklagte werden beschuldigt, die Vereinbarung organisiert oder von den durchgestochenen Daten profitiert zu haben. Die Staatsanwaltschaft Heilbronn, die den Fall leitet, hat die Operation als
und Bestechungssystem bezeichnet.
Strafmaßforderungen
Die Staatsanwaltschaft hat das Gericht gebeten, für die leitende Justizsekretärin eine Haftstrafe von fünf Jahren und acht Monaten und für den Hilfskraftarbeiter zweieinhalb Jahre zu verhängen. Zwei der anderen Männer sehen Forderungen von fünf Jahren bzw. vier Jahren und zehn Monaten gegenüber.
- Leitende Justizsekretärin
- 5.67 Jahre
- Hilfskraftarbeiter
- 2.5 Jahre
- Angeklagter 3
- 5 Jahre
- Angeklagter 4
- 4.83 Jahre
Die Verteidigung hat die Forderungen der Staatsanwaltschaft rundweg abgelehnt.
Sie argumentierten, dass, falls überhaupt eine Strafe gerechtfertigt sei, Bewährungsstrafen und Geldstrafen ausreichen würden.
Verbindung zu versuchtem Mord
Der Datenleck-Prozess ist Teil eines größeren kriminellen Komplexes. Im Mai 2024 wurde ein 23-jähriger Angestellter eines Sicherheitsunternehmens auf einer Straße in Tamm bei Ludwigsburg angeschossen und lebensgefährlich verletzt. Das Landgericht Heilbronn verurteilte den Schützen, einen niederländischen Staatsangehörigen, später wegen versuchten Auftragsmords zu 14 Jahren Haft; sein Komplize erhielt sechs Jahre wegen Beihilfe. Die mutmaßlichen Drahtzieher des Angriffs sind dieselben Männer, die jetzt auf der Anklagebank in Stuttgart sitzen, so die Staatsanwaltschaft.
Geständnis
Zu Beginn des Prozesses räumte die leitende Justizsekretärin die Vorwürfe weitgehend ein. Ihr Anwalt verlas eine Erklärung, in der sie ihre Rolle bei dem Datenleck einräumte – ein Schritt, der die Strafzumessung des Gerichts beeinflussen könnte, während sich das Verfahren dem Ende zuneigt.


