
Türkei nimmt Dutzende Journalisten und Aktivisten vor NATO-Gipfel fest
Die türkische Polizei hat bei Razzien in mehreren Provinzen mindestens 67 Menschen festgenommen, die sich gegen linke Gruppen, Journalisten und Oppositionsvertreter richteten – nur wenige Tage vor dem NATO-Gipfel in Ankara.
Sicherheitsmaßnahmen vor dem Gipfel
Die türkischen Behörden haben die Sicherheitsmaßnahmen vor dem NATO-Gipfel in Ankara am 7. und 8. Juli verschärft. Bei den jüngsten Razzien am 5. Juli nahm die Polizei in acht Provinzen mindestens 39 Personen fest, die sich gegen die Jugendorganisation der verbotenen linken Gruppe Revolutionärer Weg (DEV YOL) richteten. Eine separate Operation in Kocaeli brachte 28 Verdächtige mit angeblichen Verbindungen zu extremistischen Gruppen, darunter dem Islamischen Staat, ins Netz. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, dass Munition und verbotenes digitales Material beschlagnahmt wurden.
Wer wurde festgenommen
Zu den Festgenommenen gehören Journalisten, Akademiker, Gewerkschafter und Mitglieder von Oppositionsparteien. Zwei Direktoren der Nachrichtenportale T24 und Oda TV wurden laut Halk TV und Cumhuriyet festgenommen. In Antalya wurden Mitglieder der Arbeiterpartei der Türkei (TİP) und Gewerkschaftsführer in Gewahrsam genommen. In Izmir wurden fünf Mitglieder der Sozialistischen Kampfinitiative wegen „Aktivitäten gegen die NATO“ festgenommen. Ein lokaler Führer der Arbeiterpartei (EMEP) und ein Jugendmitglied wurden ebenfalls in Kocaeli verhaftet.
Die Festnahmen sind ein Verstoß gegen die Pressefreiheit und ein Versuch, Oppositionsstimmen vor dem NATO-Treffen einzuschüchtern.
Offizielle Begründung und Kritik
Die Regierung bezeichnet die Razzien als Teil von Anti-Terror-Ermittlungen. Kritiker argumentieren, dass die Operationen darauf abzielen, Proteste während des Gipfels zu verhindern. Die zeitgenössische Anwaltsvereinigung (ÇHD) berichtete, dass ihre Vorsitzende der Istanbuler Niederlassung, Ezgi Önalan, bei einer Razzia im Morgengrauen zusammen mit vielen ihrer Mandanten festgenommen wurde. Die ÇHD nannte die Inhaftierungen „politische Operationen, die darauf abzielen, der NATO ein idyllisches Bild zu präsentieren.“
Diese Inhaftierungen sind eine Schande. Die Behörden machen ihren eigenen Bürgern das Leben schwer, nur weil ausländische Führer zum Gipfel kommen.
Breiteres Muster
Die Razzien vom 5. Juli folgen einer Welle von Festnahmen in der Vorwoche. Türkische Gerichte haben 178 von mehr als 220 Inhaftierten in Untersuchungshaft genommen, als Teil der Sicherheitsmaßnahmen für das Treffen der Staats- und Regierungschefs der 32 NATO-Mitgliedstaaten. Das harte Vorgehen hat Kritik von Pressefreiheits- und Rechtsgruppen hervorgerufen, die darin einen systematischen Versuch sehen, abweichende Meinungen zum Schweigen zu bringen.
- Festnahmen beginnen; über 220 Personen im Rahmen von Sicherheitsmaßnahmen vor dem Gipfel festgenommen.
- Polizei durchsucht 8 Provinzen, nimmt 39 mit Verbindungen zu DEV YOL fest; 28 weitere in Kocaeli wegen angeblicher extremistischer Verbindungen.
- NATO-Gipfel beginnt in Ankara.


