
Collien Fernandes sagt vor NRW-Landtagsausschuss zu digitaler Gewalt und Deepfakes aus
Die Schauspielerin Collien Fernandes und die Journalistin Georgine Kellermann treten am Donnerstag in Düsseldorf als Sachverständige vor Abgeordnete, um über sexualisierte Deepfakes und die rechtliche Verantwortlichkeit von Online-Plattformen zu sprechen.
Parlamentarische Anhörung in Düsseldorf
Der Ausschuss für Kultur und Medien des Landtags Nordrhein-Westfalen hat für Donnerstag um 15:30 Uhr eine Sachverständigenanhörung zu digitaler Gewalt und künstlicher Intelligenz angesetzt. Die Schauspielerin und Fernsehmoderatorin Collien Fernandes wurde nach Düsseldorf eingeladen, um vor den Landtagsabgeordneten eine persönliche Aussage zu machen. Die Anhörung wurde auf Initiative der oppositionellen SPD organisiert, die davor warnte, dass die rasche Ausbreitung von Werkzeugen der künstlichen Intelligenz das Ausmaß von Online-Missbrauch vergrößert habe. Die Abgeordneten luden sowohl öffentliche Personen als auch Medienfachleute, um die wachsende Verbreitung von Deepfakes und gezielten Internetkampagnen zu bewerten. Der Landtagsausschuss will prüfen, wie Landespolitik und regulatorische Maßnahmen Opfer digitaler Straftaten besser schützen können.
Vorwürfe gegen Christian Ulmen
Fernandes hat nach investigativen Recherchen, die ursprünglich im Spiegel erschienen, öffentlich Vorwürfe gegen ihren früheren Ehemann, den Schauspieler Christian Ulmen, erhoben. Sie beschuldigte Ulmen körperlicher Übergriffe und behauptete, er habe ohne ihre Erlaubnis gefälschte Profile unter ihrem Namen angelegt, um pornografisches Bildmaterial zu verbreiten. Die Vorwürfe lösten eine breite öffentliche Debatte über sexualisierte digitale Belästigung aus und führten zu Straßendemonstrationen in mehreren deutschen Städten. Für alle öffentlichen Äußerungen und laufenden Ermittlungen gilt für Ulmen die Unschuldsvermutung. Fernandes betonte, dass gesetzgeberische Diskussionen über Online-Gewalt die direkte Beteiligung von Menschen erfordern, die selbst Missbrauch erlebt haben.
Ich finde es total wichtig, mit den Betroffenen zu sprechen und nicht nur über sie.
Auswirkungen von Deepfakes und Belästigung auf Frauen
Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur vor ihrem Auftritt im Landtag warnte Fernandes, dass die politischen Institutionen seit Langem versäumt hätten, digitale Gewalt mit angemessener Dringlichkeit zu behandeln. Sie erklärte, dass Belästigung auf digitalen Plattformen bei den Betroffenen zu echtem emotionalem und körperlichem Leid führe. Fernandes wies darauf hin, dass die Verbreitung sexualisierter Deepfakes und koordinierter Online-Angriffe überproportional Frauen in digitalen Kanälen trifft. Sie erläuterte, dass solches feindseliges Verhalten Frauen direkt dazu zwinge, ihre Online-Aktivitäten einzuschränken oder sich ganz aus dem öffentlichen Diskurs im Internet zurückzuziehen.
Wir haben es mit einem immens wachsenden Problem zu tun, das politisch viel zu lange nicht ernst genommen wurde.
- Der Spiegel veröffentlicht Vorwürfe von Collien Fernandes gegen Christian Ulmen wegen gefälschter Profile
- In deutschen Städten finden Demonstrationen gegen sexualisierte digitale Gewalt statt
- Der Ausschuss für Kultur und Medien des NRW-Landtags beruft eine Anhörung mit Fernandes und Kellermann ein
Verantwortlichkeit der Plattformen und eingestellte Ermittlungen
Der Landtagsausschuss lud zudem die Journalistin und frühere ARD-Auslandskorrespondentin Georgine Kellermann ein, um Sachverständigenaussagen zu machen. Kellermann, die sich in ihrer beruflichen Laufbahn mit über 60 Jahren öffentlich als trans Frau outete, setzt sich für die Sichtbarkeit und den rechtlichen Schutz von lesbischen, schwulen, bisexuellen, transgeschlechtlichen, intergeschlechtlichen und queeren Menschen ein. In einer dem Ausschuss vorgelegten schriftlichen Stellungnahme beschrieb Kellermann, dass sie und andere schwere Beleidigungen und direkte Online-Drohungen erlebt hätten. Sie betonte, dass Strafverfahren wegen digitaler Hassrede häufig eingestellt werden, weil die Strafverfolgungsbehörden die Identität anonymer Täter nicht feststellen können. Kellermann forderte eine strengere rechtliche Verantwortlichkeit für kommerzielle Plattformen wie Facebook und argumentierte, dass Tech-Unternehmen finanziell von feindseligen und menschenverachtenden Nutzerinteraktionen profitierten.
Mir ist es schon lange wichtig, dass Facebook und Co. zur Verantwortung gezogen werden. Auch weil mich der unmenschliche Ton auf ihren Plattformen anwidert. Sie verdienen mit jedem Klick Geld.

