Gefälschte Angelscheine nehmen in Baden-Württemberg zu – Prüfungskosten und Sprachbarrieren treiben Betrug
Der Landesfischereiverband berichtet von rund 50 entdeckten Fälschungen pro Jahr, geht aber von einer weit höheren Dunkelziffer aus. Ein Gericht in Schwäbisch Hall verurteilte kürzlich einen Mann wegen des Verkaufs von 46 gefälschten Angelscheinen.
Das Fälschungsproblem in Baden-Württemberg
Der Landesfischereiverband Baden-Württemberg berichtet von einem starken Anstieg gefälschter Angelscheine. Geschäftsführer Reinhart Sosat sagt, die Fälschungen fänden „in großem Umfang“ statt. Behörden und Polizei bringen dem Verband jedes Jahr etwa 50 Fälle zur Kenntnis, aber Sosat betont, die Dunkelziffer sei unbekannt. „Wenn wir jede Woche einen erwischen“, sagte er, „kann man davon ausgehen, dass es noch viele, viele mehr gibt.“ Das Landwirtschaftsministerium in Stuttgart ergänzt, dass die „Qualität“ der gefälschten Dokumente nach Angaben der Fischereibehörden und -vereine deutlich besser werde.
Ich will gar nicht wissen, wie hoch die Dunkelziffer ist, die durchrutscht.
Warum Menschen zu Fälschungen greifen
Einen Angelschein im Land zu erwerben, ist anspruchsvoll: Bewerber müssen 32 Stunden Unterricht besuchen, der Gewässerökologie, tiergerechte Angelmethoden und Schonzeiten umfasst, und dann eine Prüfung mit einer Durchfallquote von 5 bis 10 Prozent ablegen. Die Prüfung wird nur auf Deutsch abgehalten, und die Gebühr von 250 bis 300 Euro kann sich verdoppeln, wenn ein beeidigter Dolmetscher benötigt wird. Sosat weist auf Sprachbarrieren und hohe Kosten als Haupttreiber des Betrugs hin. Zudem stellt das Regierungspräsidium Karlsruhe fest, dass viele Käufer nicht wissen, dass sie Fälschungen kaufen.
Oft suggerieren die Fälscher sehr überzeugend, dass es sich um legale oder offizielle Dokumente handelt.
Was gefälscht wird
In der Regel wird das Prüfungszeugnis gefälscht; der Inhaber nutzt es dann, um bei den Gemeindebehörden einen echten Angelschein zu erhalten. Gefälschte Ausweiskarten sind seltener. Sosat sagt, manche selbstgemachten Zeugnisse enthielten sogar eine aus dem Internet heruntergeladene Unterschrift eines früheren Verbandspräsidenten.
Der Prozess in Schwäbisch Hall
Das Amtsgericht Schwäbisch Hall verurteilte kürzlich einen 46-jährigen Mann, der zusammen mit einem Komplizen zwischen 2018 und 2022 gefälschte Angelscheine an mindestens 46 Käufer verkauft hatte. Die Käufer aus Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Bayern zahlten bis zu 300 Euro pro Dokument, was der Bande einen Gewinn von 13.800 Euro einbrachte. Die Polizei entdeckte auch ein gefälschtes Prüfungszeugnis. Der Mann wurde wegen gewerbsmäßiger Urkundenfälschung und Amtsanmaßung verurteilt und zu einem Jahr und vier Monaten auf Bewährung verurteilt. Das Gericht ordnete die Einziehung seiner illegalen Erlöse und eine Zahlung von 1.800 Euro an eine gemeinnützige Organisation an.
Strafen und Zweck des Angelscheins
Urkundenfälschung kann nach deutschem Recht mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe bestraft werden. Der Fischereiverband betont, dass der Schein keine Formalität sei: Er stelle sicher, dass Angler saisonale Beschränkungen, erlaubte Arten und artgerechte Behandlung kennen. Sosat fasst zusammen: „Jeder kann einen Haken mit einem Wurm ins Wasser werfen, aber der Angelschein lehrt einen, wann und wie man welche Art fängt.“


