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Makroökonomie·vor 3 Tagen

EZB-Spitze signalisiert Zinserhöhung im Juni, da der Iran-Krieg die Inflation auf 4 % treibt und der Konjunkturausblick düsterer wird

Die beiden führenden Vertreter der Europäischen Zentralbank, Isabel Schnabel und Philip Lane, haben so deutlich wie nie zuvor gewarnt, dass die Zinsen im Juni steigen werden, da der Iran-Krieg die Inflation im Euroraum auf 4 % treibt und der makroökonomische Ausblick sich eintrübt.

Eine deutliche Tonverschärfung

Zwei der ranghöchsten Währungshüter der Europäischen Zentralbank haben signalisiert, dass der EZB-Rat sich darauf vorbereitet, die Leitzinsen auf seiner nächsten geldpolitischen Sitzung am 11. Juni in Frankfurt anzuheben. EZB-Direktorin Isabel Schnabel sagte gegenüber Reuters: „Aus heutiger Sicht halte ich eine Zinserhöhung im Juni für notwendig." Das ist das bislang klarste Bekenntnis eines führenden EZB-Vertreters. Chefvolkswirt Philip Lane erklärte in einem separaten Interview mit Nikkei, das Institut werde seine Inflationsprognose wahrscheinlich nach oben korrigieren, wenn es am selben Tag neue Quartalsprognosen veröffentlicht.

Angesichts des Ausmaßes und der Dauerhaftigkeit des derzeitigen Schocks ist es keine Option mehr, die Situation zu ignorieren. Der Schock breitet sich in der Wirtschaft aus und treibt die Inflation für einen erheblichen Zeitraum von unserem Ziel weg.

Die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs

Beide Vertreter führten die Eintrübung der Lage direkt auf den Konflikt im Iran zurück. Lane merkte an, dass „mehrere Faktoren im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg zeigen, dass sich der makroökonomische Ausblick verschlechtert hat", während Schnabel einräumte, dass die Hoffnungen auf eine rasche Beilegung zunichte gemacht wurden. Die Ölpreise dürften nun länger auf einem hohen Niveau verharren als von der EZB im März-Basisszenario angenommen; die Terminkurve für langfristige Ölkontrakte liegt sogar über dem adversen Szenario. Schnabel warnte, dass selbst wenn der Krieg heute endete, bereits erhebliche Schäden an der Energieinfrastruktur und den globalen Lieferketten angerichtet worden seien.

Unsere Hoffnung, dass dieser Konflikt schnell beigelegt werden könnte, hat sich nicht erfüllt. Was die Dauerhaftigkeit betrifft, haben wir das adverse Szenario, das von einer raschen Normalisierung der Ölpreise ausging, tatsächlich übertroffen.

Inflationsverlauf und Übertragungsrisiken

Die Inflation im Euroraum hat bereits 3 % erreicht und wird den Markterwartungen zufolge bis zum Jahresende auf etwa 4 % steigen. Schnabel verwies auf wachsende Anzeichen dafür, dass der Energieschock auf andere Konsumgüter übergreift. Die Unternehmensbefragung der Europäischen Kommission zeigt einen starken Anstieg des Anteils der Unternehmen in allen Sektoren, die planen, ihre Verkaufspreise in den nächsten drei Monaten zu erhöhen – schneller als während der Energiekrise 2022. Die kurzfristigen Inflationserwartungen sind in allen Umfragen und Marktindikatoren stark gestiegen, und was noch besorgniserregender ist: Die Verbrauchererwartungsumfrage der EZB zeigt, dass auch die mittelfristigen Erwartungen nach oben klettern.

EZB-Geldpolitik im Schock des Iran-Kriegs
  1. Die EZB-Projektionen vom März beinhalten Markterwartungen von zwei Zinserhöhungen; das Basisszenario geht von einer raschen Normalisierung der Ölpreise aus
  2. Schnabel und Lane kündigen Zinserhöhung im Juni an; die Öl-Terminkurve übertrifft das adverse Szenario; die Inflation erreicht 3 %
  3. Nächste Sitzung des EZB-Rats und Aktualisierung der Quartalsprognose in Frankfurt; Zinsentscheidung erwartet
  4. Markterwartungen prognostizieren eine Inflation von fast 4 % bis zum Jahresende

Geldpolitischer Kurs über den Juni hinaus

Trotz der restriktiven Signale betonte Schnabel, dass die EZB sich nicht vorab auf einen bestimmten Zinspfad festlegen werde. Die Entscheidungen würden von Sitzung zu Sitzung getroffen und blieben streng datenabhängig. Sie lehnte es ab, sich zu den Markterwartungen von drei Zinserhöhungen in diesem Jahr zu äußern, und wies lediglich darauf hin, dass das wirtschaftliche Szenario vom März die Markterwartungen von zwei Erhöhungen beinhaltet habe. „Wir führen den Markt, der Markt führt nicht uns", sagte sie. Lane ergänzte, dass höhere US-Erdgaslieferungen die Energiemärkte abfedern könnten, aber „unterm Strich glaube ich dennoch, dass es einen Aufwärtsdruck auf die Inflation gegeben hat".

Wir werden die Inflationsprognose im Juni wahrscheinlich weiter nach oben korrigieren.

Markt- und politisches Umfeld

Die Aussagen kommen vor dem Hintergrund schwindender Hoffnungen auf ein Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran; die europäischen Aktienmärkte gaben am 26. Mai nach. Der aktuelle Einlagensatz der EZB liegt bei 2 %. Die nächste Sitzung des EZB-Rats ist für den 10.–11. Juni in Frankfurt am Main geplant, wo die vierteljährlichen makroökonomischen Projektionen zusammen mit dem Zinsbeschluss aktualisiert werden.

Frankfurt am Main

8 Quellen

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