
EZB hält Zinsen bei 2,25 % – Energieschock durch Nahostkonflikt trübt Inflationsausblick
Die Europäische Zentralbank beließ ihren Einlagensatz am Donnerstag unverändert bei 2,25 % und erklärte, dass die vollen inflationswirksamen Auswirkungen des Nahostkonflikts und der steigenden Ölpreise noch nicht eingetreten seien.
## Entscheidung Die Europäische Zentralbank beließ ihre drei Leitzinsen auf ihrer Sitzung am 23. Juli unverändert, wobei der Einlagensatz bei 2,25 %, der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,40 % und der Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,65 % bleibt. Die Entscheidung fiel einstimmig, doch Präsidentin Christine Lagarde gab bekannt, dass einige Mitglieder des Rats offen darüber diskutiert hätten, ob eine Zinserhöhung gerechtfertigt sei.
Einige Mitglieder des Rates haben laut darüber nachgedacht, ob wir bei dieser Sitzung eine Zinserhöhung in Betracht ziehen sollten. Wir haben die Daten, die jüngsten Entwicklungen analysiert und alle einstimmig beurteilt, dass wir gut daran tun, abzuwarten und den Entwicklungen in den kommenden Wochen sowie den eingehenden Daten besondere Aufmerksamkeit zu schenken.
Die EZB betonte, dass sie datenabhängig bleibe und sich nicht im Voraus auf einen Zinspfad festlege. Die nächste geldpolitische Sitzung ist für den 9. und 10. September geplant, wenn neue Mitarbeiterprognosen vorliegen werden.
## Inflationsbild Die Inflation im Euroraum ließ im Juni nach, wobei der harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) im Jahresvergleich von 3,2 % im Mai auf 2,8 % fiel. Die Kerninflation (ohne Energie und Nahrungsmittel) verlangsamte sich von 2,6 % auf 2,4 %. Das Energiepreiswachstum verlangsamte sich von 10,8 % auf 8,5 %, während die Nahrungsmittelpreisinflation von 1,9 % auf 1,5 % sank. Auf saisonbereinigter annualisierter Basis fiel die Kerninflation von 2,6 % im März auf 2,1 % im Juni, was darauf hindeutet, dass die wirtschaftliche Schwäche die energiebedingten Preisauftriebskräfte überwiegt.
- Gesamt (Mai)
- 3.2 %
- Gesamt (Juni)
- 2.8 %
- Kern (Mai)
- 2.6 %
- Kern (Juni)
- 2.4 %
- Energie (Mai)
- 10.8 %
- Energie (Juni)
- 8.5 %
- Nahrungsmittel (Mai)
- 1.9 %
- Nahrungsmittel (Juni)
- 1.5 %
Lagarde wies darauf hin, dass die steigende Arbeitsproduktivität dazu beigetragen habe, die Lohnstückkosten zu begrenzen, und dass die Lohnindikatoren auf ein moderates Lohnwachstum in den kommenden Quartalen hindeuteten. Die kurzfristigen Inflationserwartungen blieben erhöht, aber die meisten langfristigen Messgrößen lägen bei etwa 2 %.
Energieschock und Öl
Trotz der sich verbessernden Inflationsdaten warnte die EZB, dass die vollen Auswirkungen des durch den Nahostkonflikt ausgelösten Energieschocks noch nicht eingetreten seien. Die Ölpreise seien wieder über 90 Dollar pro Barrel gestiegen und testeten die 100-Dollar-Marke, nachdem die Straße von Hormus nach erneuten Feindseligkeiten zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran wieder für die freie Schifffahrt geschlossen worden sei. In der EZB-Erklärung heißt es, die Aussichten für die Energiepreise seien zwar volatil, lägen aber nahe an der Basislinie der Juni-Projektionen und deutlich über den vor dem Konflikt verzeichneten Niveaus.
Der Energieschock trägt weiterhin zu Preissteigerungen bei. Die Unternehmen stehen vor steigenden Rohstoffkosten und erwarten, die Verkaufspreise zu erhöhen. Obwohl die Kerninflation moderat bleibt, sind die vollen Auswirkungen des Energieschocks noch nicht vollständig zum Tragen gekommen.
Lagarde fügte hinzu, dass die Inflation bis zur ersten Jahreshälfte 2027 voraussichtlich deutlich über dem Zielwert von 2 % bleiben werde, danach aber sinken dürfte, da die Energiepreise voraussichtlich fallen und das sonstige Preiswachstum nachlässt. Der Konflikt bleibe die Hauptunsicherheitsquelle.
Was als Nächstes kommt
Die Analysten sind sich über den nächsten Schritt der EZB uneinig. Ökonomen der PKO BP erklärten, das Ergebnis lasse Raum für eine weitere Zinserhöhung im September, und argumentierten, ein solcher Schritt würde der Tradition der EZB entsprechen, die Konjunktur durch verfrühte Straffungen zu verschlechtern. Im Gegensatz dazu sagte Jack Allen-Reynolds von Capital Economics, dass die EZB die Zinsen wahrscheinlich für den Rest des Jahres stabil halten werde, wenn die Energiepreise in den kommenden Monaten fallen. Die Märkte preisen derzeit fast zwei vollständige Zinserhöhungen um jeweils 25 Basispunkte für den Rest des Jahres 2026 ein.
Falls die Energiepreise in den kommenden Monaten in Übereinstimmung mit unseren Annahmen fallen, wird die EZB die Zinsen höchstwahrscheinlich für den Rest des Jahres unverändert lassen. Sollten die Energiepreise jedoch weiter steigen, besteht eine gute Chance, dass die Bank sie wieder anhebt.
- EZB erhöht Einlagensatz um 25 Basispunkte auf 2,25 %, erste Erhöhung seit 2023
- EZB hält Zinsen stabil; einige Mitglieder diskutieren Erhöhung
- Nächste geldpolitische Sitzung, neue Mitarbeiterprognosen verfügbar
Auswirkungen auf Polen
Obwohl Polen nicht Mitglied der Eurozone ist, hat die EZB-Entscheidung direkte Konsequenzen. Stabile Zinssätze im Euroraum nehmen zusätzlichen Druck vom Wechselkurs Zloty-Euro und verbessern die Planbarkeit für Exporteure und Importeure. Die polnische Nationalbank beobachtet den Zinsdifferenz, da jede Veränderung die Kapitalströme beeinflussen könnte. Zudem bedeutet der unveränderte EZB-Zinssatz, dass die Kosten für den Schuldendienst auf Euro lautender Verbindlichkeiten, auch im Rahmen des SAFE-Programms, nicht sofort steigen.

