
Verfassungsschutzbericht: knapp 59.000 Extremismus-Straftaten, rechte Gefahr am größten – Jugendliche werden online angeworben
Der Jahresbericht 2025 des Bundesamtes für Verfassungsschutz zeigt starke Anstiege bei rechtem, linkem und islamistischem Extremismus. Minderjährige werden zunehmend über Gaming-Plattformen und soziale Medien rekrutiert.
Gesamtbedrohungslage
Rund 59.000 politisch motivierte Straftaten mit extremistischem Hintergrund wurden 2025 in Deutschland registriert, etwa 1.100 mehr als im Vorjahr; Gewalttaten stiegen um rund 10 Prozent auf knapp 3.300. Bei der Vorstellung des Berichts in Berlin beschrieben Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und BfV-Präsident Sinan Selen ein Sicherheitsumfeld, das unter Druck durch innere Extremismus und ausländische hybride Operationen steht.
Ausländische Aktivitäten in Deutschland nehmen zu. Meldungen und Erkenntnisse über Anschlagsvorbereitungen nehmen zu. Die Zahl gewaltbereiter Extremisten nimmt zu.
Rechtsextremismus bleibt die größte Gefahr
Die rechtsextreme Szene wuchs auf 58.700 Personen, ein Anstieg um 8.450 innerhalb eines Jahres. Das BfV schätzt, dass 28.000 Mitglieder der Alternative für Deutschland (AfD) nun dem extremistischen Spektrum angehören, während die Partei selbst als Verdachtsfall eingestuft wird. Rund 15.600 Rechtsextremisten gelten als gewaltorientiert, ein leichter Anstieg von 15.300 im Jahr 2024. Der Bericht dokumentiert zudem 26.000 sogenannte Reichsbürger und Selbstverwalter, von denen etwa 2.600 bereit sind, Gewalt anzuwenden.
- Rechtsextremisten
- 58700 Personen
- Linksextremisten
- 42200 Personen
- Islamisten
- 28645 Personen
Linke und islamistische Szene weiten sich aus
Der Linksextremismus erreichte 42.200 Anhänger, ein Anstieg von rund 38.000 im Vorjahr, wovon 11.600 als gewaltorientiert eingestuft werden. Das BfV führt dies teilweise auf eine wahrgenommene „Verschiebung nach rechts“ in der Gesellschaft zurück und prognostiziert anhaltende militante antifaschistische Aktivitäten. Islamistische Kreise umfassten 28.645 Personen, ein leichter Anstieg um mehrere Hundert. Sowohl dschihadistische Gruppen als auch im Netz radikalisierte Einzeltäter bleiben eine anhaltende Gefahr.
Jugend und Online-Radikalisierung
Erstmals enthält der Bericht ein eigenes Kapitel zur Ansprache von Kindern und Jugendlichen. Extremistische Gruppen nutzen Gaming-Plattformen wie Roblox, KI-generierte Animationen und Chatbot-Messenger, um Minderjährige mit Opfernarrativen und Gewaltverherrlichung anzusprechen. Eine Radikalisierung könne innerhalb von Wochen erfolgen, warnt die Behörde, und bringe eine neue Generation von Anhängern hervor, die jünger, digital vernetzt und handlungsorientiert sei.
Deutschland muss seinen Sicherheitsapparat weiter aufrüsten, damit BfV und BND zu echten Nachrichtendiensten werden.
Auslandsspionage und hybride Bedrohungen
Russland bleibt die wichtigste ausländische Bedrohung, wobei Spionage, Sabotage und Desinformationsoperationen durch den Ukraine-Krieg verstärkt werden. Der Bericht hebt den Fall von drei Männern hervor, die wegen Spionage für russische Dienste verurteilt wurden, mit dem Auftrag, Bahnstrecken und Infrastruktur für mögliche Anschläge auszukundschaften. China und Iran konzentrieren sich auf Wirtschaftsspionage und Einschüchterung von Exilgemeinschaften, während Cyberangriffe auf kritische Infrastruktur ein wachsendes Problem darstellen.
- Rechte Gewaltorientierte
- 15600 Personen
- Linke Gewaltorientierte
- 11600 Personen

