Explosionen in Addis Abeba: Rebellen reklamieren Drohnenangriffe für sich, Äthiopien plant Abzug aus Somalia
Zwei Explosionen erschütterten in der Nacht zum 1. Oktober 2026 das Zentrum von Addis Abeba in der Nähe des Militärhauptquartiers, während Oppositionskräfte Drohnenangriffe für sich reklamierten und die Bundesbehörden Vorbereitungen trafen, mehr als 3.000 Soldaten aus Somalia abzuziehen.
Explosionen in Addis Abeba in der Nacht
Drei diplomatische Quellen berichteten von zwei Explosionen in der Nacht in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba. Eine Explosion ereignete sich in der Umgebung des Viertels 4 Kilo im Zentrum der Stadt. Eine zweite Detonation wurde in der Nähe des Hauptquartiers der Äthiopischen Nationalen Verteidigungskräfte gemeldet. Nach dem Vorfall erklärte eine Quelle aus dem Umfeld der Oppositionsallianz, die im Norden Äthiopiens gegen die Bundesstreitkräfte kämpft, das Bündnis habe mehrere Drohnenangriffe innerhalb von Addis Abeba ausgeführt. Die Quelle versicherte, die Angriffe hätten gezielt Einrichtungen des Militärhauptquartiers in der Hauptstadt gegolten. Die Angaben konnten unmittelbar nach den Explosionen nicht unabhängig überprüft werden. Sprecher des Büros von Ministerpräsident Abiy Ahmed, der Bundesregierung und des Militärs reagierten zunächst nicht auf Anfragen nach einer Stellungnahme zu den Explosionen.
Drohnenflugverbot und luftgestützte Fähigkeiten
Die Explosionen in der Nacht folgen auf Sicherheitsbeschränkungen, die die äthiopischen Behörden zu Beginn der Woche erlassen hatten. Am Mittwoch, dem 30. September 2026, kündigte der nationale Nachrichtendienst ein unbefristetes Verbot aller Drohnenflüge über Addis Abeba und dem umliegenden Gebiet an und nannte Sicherheitsgründe. Bislang war nicht bekannt, dass die Kräfte der Oppositionsallianz während des Konflikts bewaffnete unbemannte Luftfahrzeuge besaßen oder einsetzten. Hinweise auf Drohnenfähigkeiten tauchten am Dienstag, dem 29. September 2026, auf, als eine regierungsnahe Miliz in der nördlichen Region Tigray erklärte, sie habe Drohnenrahmen und Akkupacks von Kräften erbeutet, die mit der Volksbefreiungsfront von Tigray verbunden seien. Die Volksbefreiungsfront von Tigray ist eine der wichtigsten Gruppierungen in der regierungsfeindlichen Oppositionsallianz. Auch die Angaben der Miliz zu dem beschlagnahmten Gerät blieben ohne unabhängige Bestätigung. Sollten sie sich bestätigen, wären die Explosionen in der Nacht der erste dokumentierte Drohnenangriff regierungsfeindlicher Kräfte auf die äthiopische Hauptstadt.
Wiederaufflammen des Konflikts im Norden Äthiopiens
Die Explosionen in der Hauptstadt folgen auf den Ausbruch von Kämpfen zwischen Einheiten des Bundesmilitärs und oppositionellen Kämpfern im Norden Äthiopiens, die in der letzten Septemberwoche 2026 begannen. Die Zusammenstöße in der nördlichen Region Tigray sind die größte Eskalation bewaffneter Gewalt in Äthiopien seit dem Ende des Bürgerkriegs von 2020 bis 2022. Ungelöste politische Streitigkeiten zwischen der Bundesregierung und regionalen Kräften in Tigray traten vor der Wiederaufnahme der bewaffneten Auseinandersetzungen erneut zutage. Beobachter am Horn von Afrika äußerten die Sorge, dass die erneuten Kämpfe zwischen Bundes- und Regionalkräften zu einer weiterreichenden Instabilität in angrenzenden Gebieten führen könnten. Weder Vertreter des Bundesmilitärs noch die regionale Oppositionsführung haben bestätigte Opferzahlen aus den Kämpfen im Norden veröffentlicht.
Geplanter Truppenabzug aus Somalia
Die Ausweitung der Kämpfe im eigenen Land hat die äthiopische Regierung dazu veranlasst, ihre Militärpräsenz in der Region anzupassen. Äthiopien bereitet den Abzug Tausender Soldaten aus dem Nachbarland Somalia vor, um die Stellungen des Bundesmilitärs im eigenen Land zu verstärken. Mehr als 3.000 äthiopische Soldaten sollen damit beginnen, sich aus Somalia zurückzuziehen, während die Regierung von Ministerpräsident Abiy Ahmed Streitkräfte in den Konflikt mit den Rebellenfraktionen umleitet. Die Verlegung der im Ausland stationierten Kräfte folgt der Notwendigkeit, militärische Mittel auf die Eindämmung der Oppositionskräfte in Äthiopien zu konzentrieren.
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