
Katja Wolf und ehemalige BSW-Politiker aus Thüringen gründen neue Partei Thüringen.Gerecht
Zwei Tage nach ihrem Austritt aus dem Bündnis Sahra Wagenknecht gründeten Thüringens Vize-Ministerpräsidentin Katja Wolf und Landesminister in Erfurt die Partei Thüringen.Gerecht, um ihre Regierungskoalition mit CDU und SPD zu schützen.
Gründung von Thüringen.Gerecht
Ehemalige Mitglieder des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW) in Thüringen gründeten am 6. September 2026 eine neue politische Partei namens Thüringen.Gerecht. Die Gründungsversammlung fand in Erfurt statt; die Teilnehmer wählten Thüringens stellvertretende Ministerpräsidentin und Finanzministerin Katja Wolf zur Parteivorsitzenden. Infrastrukturminister Steffen Schütz, der zuvor die Rolle des BSW-Landesko-Vorsitzenden in Thüringen innehatte, wurde zu einem der Stellvertreter Wolfs in der neuen Organisation gewählt. Die Versammlung fand zwei Tage statt, nachdem Wolf, Schütz und mehrere Landtagskollegen am 4. September 2026 formell aus der BSW ausgetreten waren. Die Entscheidung, die Gründungsversammlung am Sonntag abzuhalten, kam selbst für Mitglieder des ehemaligen Führungsteams überraschend, die eine schnelle rechtliche Klarheit herstellen wollten.
Schütz erläuterte der Deutschen Presse-Agentur, dass die schnelle Organisation notwendig sei, um die operative Arbeit zu sichern.
Wir wollen unsere Arbeitsfähigkeit nicht gefährden.
Koalitionsstabilität und Landtagsfraktionsstatus
Die Gründung der Partei befasst sich direkt mit der rechtlichen Stellung der Landesregierung, die Thüringen seit Ende 2024 führt. Die Regierung unter Führung des CDU-Ministerpräsidenten Mario Voigt ist deutschlandweit die einzige Koalition, die CDU, BSW und SPD vereint. Der interne Zusammenbruch des Landes-BSW warf rechtliche Fragen zum Status seiner Landtagsfraktion im Erfurter Landtag auf, die einer der drei Partner des Koalitionsvertrags ist. Nach der Austrittswelle am Freitag sind nur noch zwei der zwölf Abgeordneten der Landtagsfraktion Mitglied der BSW.
- CDU, BSW und SPD bilden Dreierkoalitionsregierung in Thüringen
- Katja Wolf, Steffen Schütz und Kollegen treten aus der BSW aus
- Ausgetretene Mitglieder treffen sich in Erfurt zur Gründung von Thüringen.Gerecht
Wolf gab am Sonntagabend eine offizielle Erklärung ab, in der sie die Ziele der neu gegründeten politischen Bewegung darlegte.
Wir haben versprochen, für Stabilität und Verlässlichkeit in Thüringen zu sorgen. Nun laden wir alle Menschen ein, dieses Versprechen gemeinsam mit uns in die Tat umzusetzen.
Streit mit der Bundes-BSW-Führung
Die politische Trennung folgte auf eine eskalierende Auseinandersetzung zwischen Thüringer Landesvertretern und der BSW-Bundesführung unter Gründerin Sahra Wagenknecht über die Beteiligung an der Landesregierung. Die Gruppe um Wolf warf der Bundesführung unzulässige Einmischung in die Landespolitik vor und kritisierte eine aus ihrer Sicht mangelnde Distanz zur Alternative für Deutschland (AfD). Als Reaktion verabschiedete die Gründungsversammlung in Erfurt ihr erstes Parteiprogramm unter dem Titel „Wir werden Thüringen.Gerecht“. Das Programmdokument legt fest, dass sich die Partei auf eine Politik konzentriert, die die Bürger anhört, persönliche Lebensleistungen anerkennt sowie Sicherheit, Respekt und neues Vertrauen bietet.
Mario Voigt äußerte sich am Sonntag über die Thüringer Staatskanzlei zu der Entwicklung.
Die Gründung von Thüringen.Gerecht schafft Klarheit und geordnete Verhältnisse.
Beschleunigter Zeitplan und nächste Verwaltungsschritte
Wolf hatte bereits am Wochenende erläutert, dass die Gruppe so schnell wie möglich eine formelle Partei gründen müsse, und prognostizierte, dass die gesetzlichen Fristen normalerweise eine Gründung im Oktober 2026 vorsehen würden. Die Führung beschleunigte den Prozess auf den Sonntag, um die unklare rechtliche Situation der Landtagsfraktion und ihrer Regierungsrolle zu klären. Der neu ernannte Vorstand kündigte an, unverzüglich mit der Aufnahme von Mitgliedern zu beginnen und einen offiziellen Parteitag zu organisieren. Alle drei Koalitionspartner (CDU, SPD und die Gruppe um Wolf) bekräftigten ihren Regierungspakt in Erfurt; eine formelle Klärung des Status der Landtagsfraktion wird für Montag erwartet.


