
Deutsche Polizei verhaftet Ex-BND-Präsidenten August Hanning im Verfahren wegen Landesverrats und Spionage
Deutsche Bundesbehörden haben am Dienstag den früheren Geheimdienstchef August Hanning und einen Vertrauten festgenommen. Der Vorwurf: Sie sollen rund 2.000 Verschlusssachen an ausländische Geheimdienste weitergegeben haben.
Verhaftung der früheren Geheimdienstspitze
Die deutsche Polizei hat August Hanning, den früheren Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes (BND), am Morgen des Dienstag, 6. Oktober 2026, verhaftet. Die Beamten nahmen den 80-Jährigen in seiner Wohnung in Nordwalde bei Münster wegen des Verdachts des landesverräterischen Geheimnisverrats, der Verletzung von Dienstgeheimnissen und des versuchten Hochverrats fest. Zugleich nahmen die Ermittler seinen früheren Büroleiter, der als Manfred D. identifiziert wird, in einer Privatwohnung in Bayern fest. Hanning leitete den deutschen Auslandsgeheimdienst zwischen 1998 und 2005, bevor er bis 2009 als Staatssekretär im Bundesministerium des Innern unter Wolfgang Schäuble tätig war. Nach deutschem Recht droht Hanning im Fall einer Verurteilung eine Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und zehn Jahren.
Ein Jahrzehnt des Geheimnisverrats
Die Bundesanwaltschaft erklärt, Hanning und Manfred D. hätten im Frühjahr 2010 eine finanzielle Vereinbarung getroffen. Manfred D., der zwischen 2012 und seinem Ausscheiden im Jahr 2026 als Büroleiter für drei aufeinanderfolgende BND-Präsidenten arbeitete, soll seine Sicherheitsüberprüfung genutzt haben, um Verschlusssachen zu entwenden. Zwischen 2010 und 2022 habe Manfred D. Hanning rund 2.000 als geheim eingestufte interne Dossiers, Lageberichte der Führungsebene und Einschätzungen befreundeter ausländischer Nachrichtendienste überlassen. Zu den übergebenen Unterlagen gehörten auch Materialien zum russischen Militär und zum iranischen Atomprogramm.
Es wird davon ausgegangen, dass beide Beschuldigten im Frühjahr 2010 übereingekommen sind, dass Manfred D. gegen Zahlung fortlaufend wertvolle Informationen aus dem Bundesnachrichtendienst an Hanning weitergeben würde.
- August Hanning ist Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND).
- Hanning ist Staatssekretär im Bundesministerium des Innern.
- Hanning und Manfred D. vereinbaren den Austausch geheimer BND-Unterlagen gegen Geld.
- Hanning wird in ein mutmaßlich bezahltes Kindesentziehungsvorhaben für Christina Block verwickelt.
- Deutsche Behörden verhaften Hanning in Nordwalde und Manfred D. in Bayern wegen Landesverrats.
Ausländische Kunden und private Beratungsfirma
Nach seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst im Jahr 2010 betrieb Hanning eine private Sicherheitsberatung und eine Anwaltskanzlei. Die Ermittler werfen Hanning vor, die weitergegebenen BND-Informationen zu Geld gemacht und daraus Sicherheitsberichte für externe Kunden erstellt zu haben, darunter ausländische Geheimdienste. Der Spiegel berichtete, Hanning habe Analysen für die Geheimdienste Aserbaidschans erstellt, wo er dem Vorstand des Deutsch-Aserbaidschanischen Forums angehörte. Die Tageszeitung taz berichtete, die Ermittler hätten eine unfreundlich gesinnte ausländische Regierung als Empfänger identifiziert, und stellte zugleich klar, dass Russland nicht Gegenstand der laufenden Ermittlungen sei. Aufzeichnungen zeigen, dass Hanning zuvor in finanzielle Not geraten war, nachdem seine Rente im Zusammenhang mit der Insolvenz einer baltischen Bank gepfändet worden war, in deren Aufsichtsrat er neben Anders Fogh Rasmussen saß.
Entdeckung durch ein separates Entführungsverfahren
Die Spionagevorwürfe entstanden im Zuge einer Untersuchung gegen Christina Block, die Erbin eines deutschen Steakhouse-Unternehmens. Block musste sich in einem Strafverfahren verantworten, weil sie 2023 in einem Sorgerechtsstreit die grenzüberschreitende Entführung ihrer beiden jüngeren Kinder aus Dänemark in Auftrag gegeben haben soll. Die Ermittler fanden heraus, dass Hanning und ein pensionierter Polizist mehr als 100.000 Euro von Block erhalten haben sollen, um die Rückholung der Kinder zu organisieren. Bei Durchsuchungen im Zusammenhang mit dem Entführungsverfahren entdeckte die Polizei in Hannings Wohnung streng geheime BND-Dossiers, zu deren Besitz er nicht berechtigt war. Die Festnahmen erfolgten einen Tag, nachdem der amtierende BND-Präsident Martin Jäger im Bundestag über externe Sicherheitsbedrohungen gesprochen hatte.


