
Evonik lehnt BASF-Übernahmeangebot für Chemiekonzern über 14 Milliarden Euro ab
Der in Essen ansässige Spezialchemiekonzern Evonik hat ein Übernahmeangebot von rund 22,15 Euro pro Aktie des Ludwigshafener Konkurrenten BASF mit der Begründung einer unzureichenden Bewertung abgelehnt.
Übernahmeversuch und erste Ablehnung
Der in Essen ansässige Spezialchemiekonzern Evonik hat ein Übernahmeangebot des heimischen Konkurrenten BASF abgelehnt, nachdem er das Gebot als zu niedrig eingestuft hatte. Mit den Verhandlungen vertraute Personen gaben am 28. September 2026 bekannt, dass das in Ludwigshafen ansässige Unternehmen BASF rund 22,15 Euro pro Aktie für den Essener Konzern geboten hatte. Evonik lehnte es ab, eine offizielle Stellungnahme zu dem Vorschlag abzugeben, während BASF eine Stellungnahme zum genauen Preis verweigerte. Nach Bekanntwerden der abgelehnten Offerte stiegen die Evonik-Aktien am Montag im Frankfurter Handel um bis zu 2,5 % auf 19,85 Euro. Die BASF-Aktien waren am Freitag zuvor um 4 % gefallen, nachdem beide Konzerne bestätigt hatten, dass sie Sondierungsgespräche führen.
- BASF und Evonik bestätigen Sondierungsgespräche über eine mögliche Unternehmensübernahme.
- Evonik lehnt BASF-Übernahmeangebot von rund 22,15 Euro pro Aktie als zu niedrig ab.
Bewertung und Transaktionsstruktur
Die vorgeschlagene Übernahme entspricht einem Eigenkapitalwert von 10,3 Milliarden Euro, bzw. einem Unternehmenswert von rund 14 Milliarden Euro unter Berücksichtigung der bestehenden Schulden. Der Kurs von 22,15 Euro pro Aktie spiegelt einen Aufschlag von etwa 28 % bis 29 % im Vergleich zum Evonik-Aktienkurs vor Bekanntwerden der Transaktionsberichte wider. Ein erfolgreicher Zusammenschluss würde neben dem Kauf der Saatgut- und Pflanzenschutzgeschäfte von Bayer durch BASF im Jahr 2018 für 7,6 Milliarden Euro zu den größten Transaktionen in der 160-jährigen Unternehmensgeschichte des Konzerns zählen. BASF betonte, dass das Angebot einer disziplinierten Unternehmensakquisitionsstrategie folge, die auf die Stärkung des Kerngeschäfts abzielt.
Unsere Bewertung basiert auf Synergiepotenzial, das nur unter Einbeziehung von Evonik verifiziert werden kann.
Politische Prüfung und Stiftungsaufsicht
Die Transaktion steht aufgrund der Eigentümerstruktur von Evonik vor erheblichen governance-bezogenen Hürden. Die RAG-Stiftung kontrolliert zwischen 43 % und 44 % der Evonik-Aktien und verfügt damit über eine entscheidende Stimme bei jeder vorgeschlagenen Kontrolländerung. Nordrhein-Westfalen ist direkt in die Aufsicht der Stiftung eingebunden, der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst hat einen Sitz im Kuratorium. Die Stiftung lehnte eine Stellungnahme zu dem vorläufigen Angebot ab, aber Landesbeamte äußerten Vorbehalte hinsichtlich möglicher Werksschließungen und Personalabbaus. Die nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerin Mona Neubaur erklärte, die Landesbehörden verfolgten die Entwicklungen genau.
Jede Lösung muss sich daran messen lassen, ob sie Investitionen an den Standorten in Nordrhein-Westfalen und den dort arbeitenden Menschen eine Zukunft gibt.
Gewerkschaftsreaktion und industrieller Druck
Auch Arbeitnehmervertreter äußerten Skepsis hinsichtlich der industriellen Logik eines Zusammenschlusses der beiden Chemiekonzerne. Michael Vassiliadis, Vorsitzender der Chemiegewerkschaft IG BCE, hat sowohl einen Sitz im Aufsichtsrat der BASF als auch im Kuratorium der RAG-Stiftung. Vassiliadis argumentierte, dass die Schaffung eines größeren Unternehmens nicht automatisch Produktionsstandorte oder Mitarbeiterzahlen schütze.
Der Kauf eines erfolgreichen Unternehmens durch ein anderes wird nicht allein dadurch zu einer Zukunftsgeschichte für Standorte und Beschäftigte, dass das neue Gebilde größer wird.
Das Übernahmeangebot erfolgt vor dem Hintergrund einer größeren Belastung der europäischen Chemieindustrie, die mit hohen Energie- und Klimakosten sowie zunehmendem Wettbewerb aus China konfrontiert ist. Daten der Unternehmensberatung Roland Berger zeigen, dass fast ein Zehntel der europäischen Chemieproduktionskapazität bereits für die Schließung vorgesehen ist. Analysten der Deutschen Bank berechnen, dass Produktüberschneidungen etwa ein Drittel des BASF-Umsatzes und zwei Drittel der Evonik-Erlöse ausmachen. Evonik setzt weiterhin eigene interne Restrukturierungs- und Kostensenkungsprogramme um, während das Unternehmen mit schwachen Betriebsgewinnprognosen für 2030 umgeht.


