
Deutschland rechnet mit 42-Grad-Spitze, während Hitzewelle Rekorde bricht und nach Osten zieht; Frankreich zählt Dutzende Tote
Eine glühende Hitzewelle, die im Juni in Westeuropa Temperaturrekorde gebrochen hat, verlagert sich nun in die zentralen und östlichen Regionen. In Deutschland werden am Samstag bis zu 42 Grad erwartet, Krankenhäuser, Verkehr und Infrastruktur geraten unter massive Belastung.
Eine glühend heiße Luftmasse, die Westeuropa tagelang in ihrem Griff hatte, zieht nun nach Osten und bringt rekordverdächtige Hitze nach Deutschland, Polen und auf den Balkan. Frankreich, Großbritannien, die Schweiz und Deutschland haben alle ihre jeweiligen Juni-Höchstwerte eingestellt; die Wetterdienste warnen, dass die extremsten Bedingungen in Mitteleuropa noch bevorstehen.
Deutschland ächzt unter Rekordhitze
Deutschland hat am Freitag nahe Saarbrücken an der französischen Grenze vorläufig mit 41,3 Grad die höchste je gemessene Temperatur erreicht. Der Deutsche Wetterdienst erwartet für Samstag Temperaturen bis zu 42 Grad, Hitzewarnungen der höchsten Stufe gelten für fast das gesamte Bundesgebiet. In Dormagen musste ein Pflegeheim evakuiert werden, nachdem die Innentemperatur auf 35 Grad gestiegen war; ein Bewohner starb in der Nacht, allerdings teilte ein Stadtsprecher mit, dass ein direkter Hitzetod unklar sei. Die Infrastruktur ächzt unter der Belastung: Abschnitte der A2 bei Berlin sind aufgeplatzt und mussten gesperrt werden, die Bild-Zeitung berichtete von bundesweiten Schäden an Autobahnen. Die Deutsche Bahn rief dazu auf, nicht unbedingt notwendige Reisen zu vermeiden, und bietet bis Anfang nächster Woche kostenlose Stornierungen für Fernverkehrstickets an.
Die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland wird durch die rekordverdächtige Hitze an diesem Wochenende schwer beeinträchtigt.
Die Organisatoren der für Sonntag geplanten Ironman-Europameisterschaft in Frankfurt haben wegen der Hitze sowohl die Radstrecke als auch die Laufstrecke verkürzt.
Die Hitzewelle wird am Wochenende ihren Höhepunkt erreichen, deutlich über 40 Grad in einigen Teilen Deutschlands.
- Frankreich verzeichnet seinen heißesten Junitag aller Zeiten; drei Viertel des Landes unter der höchsten Warnstufe (Roter Alarm).
- Deutschland erreicht vorläufigen Allzeitrekord von 41,3 °C; Großbritannien meldet mit 37,3 °C den dritten Juni-Rekord in Folge.
- Hitzehöhepunkt in Deutschland (bis zu 42 °C); Autobahn platzt auf, Deutsche Bahn bietet kostenlose Stornierungen an, Ironman-Strecken gekürzt; Italien und Polen unter höchsten Warnstufen; Pflegeheim in Dormagen evakuiert.
- Extremhitze beginnt nachzulassen; schwere Gewitter über Deutschland und Nordwestfrankreich erwartet.
Frankreich zieht Bilanz
Frankreich hat die schwersten Opferzahlen zu beklagen. Dutzende Menschen, jung und alt, sind gestorben, viele davon durch Ertrinken, als sie in unbeaufsichtigten Gewässern Abkühlung suchten. Die Pariser Krankenhausbehörde AP-HP hat am Freitagabend ihren Notfallplan für alle 38 Krankenhäuser aktiviert, nachdem innerhalb von 24 Stunden fast 3.000 Patienten behandelt worden waren – ein Drittel mehr als normal, ein großer Anteil davon über 75 Jahre alt. Die Anrufe bei den medizinischen Leitstellen waren im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2025 um fast 80 Prozent gestiegen. Drei Viertel Frankreichs standen am Donnerstag und Freitag unter der höchsten Hitzewarnstufe (Roter Alarm), in Paris wurden 40 Grad gemessen. Der für die Hauptstadt geplante Pride-Marsch wurde auf Bitten der Polizei verschoben, um den Rettungsdienst zu entlasten. Obwohl der Höhepunkt in einigen französischen Regionen überschritten ist, bleiben die Krankenhäuser enorm belastet.
Auswirkungen in ganz Europa – und die Welle zieht nach Osten
In weiten Teilen Polens galt am Samstag eine Hitzewarnung, mit Temperaturen über 34 Grad und Prognosen von bis zu 39 Grad für Sonntag und Montag. Das italienische Gesundheitsministerium hat für 18 Städte die höchste Alarmstufe (Rote Warnung) ausgerufen, darunter Rom, Mailand, Turin und Florenz, wo Höchstwerte von 39 Grad erwartet werden. Die Schweiz warnte vor „hoher Gefahr“ durch extreme Hitze in der Region Zürich, Basel und Lausanne; Warnungen galten auch für Österreich, Tschechien, Kroatien, Ungarn, Rumänien, die Slowakei und Slowenien. Großbritannien verzeichnete am Freitag mit 37,3 Grad in Santon Downham (Suffolk) den dritten Juni-Rekord in Folge, allerdings breiten sich allmählich kühlere Bedingungen aus. In Budapest erklärten die Organisatoren des Pride-Marsches, er werde trotz 38 Grad Hitze stattfinden; man wolle ein Signal an die neue ungarische Regierung senden, nachdem der Marsch im letzten Jahr unter Viktor Orbán verboten worden war.
Der diesjährige Pride wird ein wichtiges Signal an die neue Regierung senden: Diese Themen sind immer noch relevant, und wir sind in vielen Lebensbereichen weiterhin mit Ausgrenzung konfrontiert.
- Deutschland
- 42 °C
- Frankreich (NW)
- 42 °C
- Polen
- 39 °C
- Italien
- 39 °C
- Ungarn
- 38 °C
- Vereinigtes Königreich (SO)
- 31 °C
Klimazusammenhänge und Ausblick
Wissenschaftler erklärten, diese Hitzewelle im Frühsommer wäre ohne vom Menschen verursachte Kohlenstoffemissionen „praktisch unmöglich“ gewesen; die Nacht Temperaturen dieser Woche seien hundertmal wahrscheinlicher als noch vor zwei Jahrzehnten. Angetrieben wird das Extremwetter von einem sogenannten Omega-Block, einer Wetterlage, die eine Hitzekuppel über dem Kontinent festsetzt. Das Schlimmste der Hitze soll ab Sonntagabend nachlassen, doch mit dem Zusammenbruch des Blocks werden schwere Gewitter mit Hagel und Sturzflutgefahr über Deutschland und Nordwestfrankreich erwartet.


