
EU-Kommission legt Bericht vor, der ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 13 Jahren und einen gestaffelten Zugang ab 2026 fordert
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat am Montag einen Expertenbericht vorgelegt, der ein schrittweises Verbot von Social Media für unter 13-Jährige mit ausschließlich beaufsichtigter Nutzung empfiehlt, und kündigte nach dem Sommer Gesetzesvorschläge an.
Am Montag in Brüssel stellte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen einen von zwei unabhängigen Experten erstellten Bericht vor, der die EU-Politik zu Kindern und Internet prägen wird. Der Bericht fordert einen neuen Rechtsrahmen, um Minderjährige vor einer von von der Leyen als schädlich für ihre geistige und körperliche Gesundheit beschriebenen Online-Umgebung zu schützen, die oft durch süchtig machende Algorithmen geprägt ist. Die Empfehlungen umfassen ein EU-weites Verbot von sozialen Medien für Kinder unter 13 Jahren mit begrenzten beaufsichtigten Ausnahmen sowie einen altersbeschränkten Zugang für Jugendliche.
Die Ergebnisse der Experten
Das Gremium unter Vorsitz der französischen Epidemiologin Maria Melchior und des deutschen Kinderpsychiaters Jorg Fegert bewertete, wie Algorithmen auf großen Plattformen (TikTok, Instagram, Snapchat, YouTube) junge Nutzer beeinflussen. Ihre Überprüfung ergab, dass europäische Jugendliche heute zwischen vier und sechs Stunden pro Tag an Bildschirme gefesselt sind, was Spielen im Freien, körperliche Aktivität und Schlaf verdrängt. Über ein ganzes Leben hinweg, so berechnet der Bericht, kann dies bis zu zwanzig Jahre ausmachen. Etwa 60 % der Kleinkinder hatten bereits emotionale oder psychosoziale Probleme online, darunter Depressionen, Angstzustände, Cybermobbing und die Konfrontation mit schädlichen Inhalten. Der Bericht warnt auch davor, dass die weit verbreitete Nutzung von KI-Tools neue und ernste Bedrohungen darstellt, insbesondere für Kinder aus Minderheiten, mit sonderpädagogischem Förderbedarf oder bereits bestehenden psychischen Erkrankungen.
Die Frage ist nicht mehr, ob Kinder online Risiken ausgesetzt sind, sondern was wir tun können, um ihnen einen sichereren Start in die digitale Welt zu ermöglichen.
Von der Leyens Warnung
Bei der Vorstellung des Berichts richtete von der Leyen eine deutliche Botschaft an die großen Technologiekonzerne. „Social-Media-Plattformen sind kein Spielzeug“, sagte sie. „Eine Welt, in der wir weiterhin den uneingeschränkten Zugang großer Technologiekonzerne zu unseren Kindern zulassen, bedeutet nichts anderes, als eine weitere Generation zu erhöhtem psychischem Leid, Sucht und Unglück zu verurteilen.“ Sie betonte, dass die Erziehung in der Verantwortung der Eltern bleiben müsse, nicht der Algorithmen. Die Kommissionspräsidentin zog auch einen Vergleich: So wie wir Kindern keine Autoschlüssel geben, bevor sie einen Führerschein haben, oder ihnen Alkohol kaufen lassen, bevor sie das gesetzliche Alter erreicht haben, müssen wir das Alter für den Zugang zu sozialen Medien festlegen.
So wie wir unseren Kindern keine Autoschlüssel geben, bevor sie einen Führerschein haben, oder ihnen Alkohol kaufen lassen, bis sie das gesetzliche Alter erreicht haben, müssen wir das Alter festlegen, ab dem sie legal auf Social-Media-Plattformen zugreifen können.
Gestaffeltes Zugangsmodell
Der gestaffelte Ansatz würde alle Social-Media- und KI-basierten Dienste für unter 13-Jährige außerhalb von begrenzten, beaufsichtigten Sitzungen in Bildungs- oder familiären Umgebungen verbieten. Zwischen 13 und 18 Jahren wäre der Zugang nur zu Plattformen erlaubt, die eine robuste Altersverifikation implementieren und als sicher durch Design zertifiziert sind, d.h. sie müssen süchtig machende Funktionen wie unendliches Scrollen und Autoplay unterdrücken. Die Mitgliedstaaten könnten weiterhin nationale Verbote oberhalb der EU-Baseline verhängen. Von der Leyen sagte, die Kommission werde zunächst definieren, welche Plattformen „Social Media plus“ sind (solche, deren Designmerkmale für junge Nutzer besonders ungeeignet sind), bevor sie gesetzgeberisch tätig wird. Sie merkte an, dass Frankreich, Spanien, Griechenland, Dänemark, Österreich und Schweden bereits Maßnahmen ergreifen, während Estland dagegen ist.
Die Kindheit ist eine kostbare und empfindliche Zeit für die Gehirnentwicklung. (...) Kinder brauchen Zeit in der realen Welt, um zu spielen, Freunde zu finden, Fehler zu machen, ihre Persönlichkeit aufzubauen, bevor ein Algorithmus das für sie tut.
Nationale Maßnahmen und globale Zusammenhänge
Die EU ist nicht allein. Australien war Ende 2025 das erste Land, das soziale Medien für unter 16-Jährige verbot, ein Schritt, den von der Leyen als mögliches Vorbild anführte. Auch China und Indien haben Beschränkungen verhängt, und das Vereinigte Königreich erwägt eine. Innerhalb des Blocks treiben sechs Länder ihre eigenen Gesetze voran, aber rechtliche Fragmentierung könnte die Durchsetzung untergraben. Von der Leyen betonte, dass alle EU-weiten Altersgrenzen mit bestehenden digitalen Vorschriften wie dem Gesetz über digitale Dienste vereinbar sein müssen, um einen Flickenteppich unvereinbarer nationaler Gesetze zu vermeiden.
Nächste Schritte
Die Kommission wird voraussichtlich nach dem Sommer einen Gesetzesvorschlag veröffentlichen, wahrscheinlich während von der Leyens jährlicher Rede zur Lage der Union im September. Der Zeitplan deutet auf eine mögliche Verabschiedung vor Ende 2026 hin. Die Vorschläge müssen sowohl vom Europäischen Parlament als auch von den Mitgliedstaaten genehmigt werden. Die Dringlichkeit wird durch die Daten unterstrichen: Fast 60 % der jüngsten Kinder in Europa berichten bereits von emotionalen Belastungen online, und Experten warnen, dass ohne Eingreifen eine Generation mit höheren Raten psychischer Erkrankungen aufwachsen könnte.
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